Österreich: Grünwidl stellt sein „Programm“ vor
Und er stehe für eine Kirche, „die sich einbringt und gut vernetzt ist, ganz besonders mit den spirituell Suchenden, die Raum gibt für Dialog und Begegnung, die ein waches Auge hat für die Fragen der Zeit und für die soziale Wirklichkeit, für Armut, Einsamkeit und Ängste“. Grünwidl äußerte sich im Rahmen des Sommerempfangs, zu dem er am Dienstagabend erstmals als Erzbischof Medienschaffende, Menschen aus Kunst und Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und aus der Kirche in das Wiener Erzbischöfliche Palais geladen hatte.
Er sei überzeugt, dass Religion und Glaube immer wichtiger werden, so der Erzbischof. Religion sei die Rückbindung des Menschen an Gott. Diese An- und Rückbindung sei in Zeiten des Umbruchs wichtiger denn je, „sie kann Orientierung und Resilienz schenken, sie bietet Gemeinschaft und ein Obdach für die Seele, ein Sicherheitsnetz im Auf und Ab des Lebens und sie eröffnet eine Hoffnungsperspektive, die über den Tod hinausweist“.
Gottesfrage zentral
Als eigentliches „heißes Eisen“ der Kirche identifizierte der Erzbischof die Gottesfrage: „Die Gottesfrage treibt uns um, nicht die ‚Gotteskrise‘, denn Gott ist nicht in der Krise. Wir in der Kirche erleben gerade eine kritische Zeit und stehen vor der Frage: Wie können wir besser, überzeugender und verständlicher den Gott der Bibel vermitteln, dass das Leben reicher und existenziell geborgener wird, wenn man sich auf den christlichen Glauben einlässt?“
Er werde seiner Aufgabe als Bischof bzw. werde die Kirche ihrer Aufgabe nur dann gerecht, „wenn wir unsere Glaubenswurzeln stärken und vertiefen und damit bei uns selber anfangen“. Rund 1.000 Kirchen und 600 Pfarrgemeinden gebe es zur Zeit in der Erzdiözese Wien. „Wenn viele Getaufte im Glauben wachsen und ihre Beziehung zu Gott vertiefen, wird es auch künftig genügend vitale Gemeinden, Oasen des Glaubens und spirituelle Tankstellen sowie Ort der tätigen Nächstenliebe geben“, so Grünwidl.
Kirche ist kein Selbstzweck
Kirche sei freilich kein Selbstzweck, „sie ist für die Menschen da und nimmt Anteil an ihren Fragen, Freuden und Sorgen, Hoffnungen und Ängsten“, betonte der Erzbischof. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an Papst Franziskus, der immer wieder dazu aufgerufen habe, nicht um sich selbst zu kreisen, sondern hinauszugehen zu den Menschen.
Papst Leo habe das mit seiner ersten Enzyklika über die Würde des Menschen und die künstliche Intelligenz exemplarisch vorgezeigt. Der Papst weise darauf hin, dass die Frage nach der Technik und der immer mächtiger werdenden künstlichen Intelligenz eine soziale und auch eine theologische Frage sei.
Leo XIV. stehe damit in der Tradition der kirchlichen Soziallehre, „die zum Besten gehört, was die Kirche hervorgebracht hat“, hielt der Erzbischof fest. Die Kirche erweise sich mit ihrer Soziallehre als eine „sensible Beobachterin gesellschaftlicher Entwicklungen und Umbrüche und will dabei nicht abseits stehen“.
Zuhörer und Brückenbauer
Der Erzbischof schloss seine Rede mit einem Blick auf seine Erzdiözese: Er versuche gut zuzuhören und mit möglichst vielen Menschen im Gespräch zu sein. Er wolle auch ein Brückenbauer sein, „einer, der verbindet, der mithilft, dass Vorurteile sich auflösen, der Begegnung stiftet, in der Ökumene, im interreligiösen Dialog und in unserer Gesellschaft“. Er sehe in der Erzdiözese nicht nur Probleme und Herausforderungen, sondern auch Hoffnungszeichen und sei überzeugt: „Die Kirche ist besser als ihr Ruf.“
(kap – sk)
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