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Erzbischof Josef Grünwidl Erzbischof Josef Grünwidl  (kathpress)

Grünwidl: Ergebnisse der Weltsynode ernst nehmen und handeln

Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl sieht die Notwendigkeit, kirchliche Bestimmungen an die Ergebnisse der Weltsynode anzupassen. Um die Beschlüsse wirksam umzusetzen, müssten sich laut Grünwidl „manche Bestimmungen, Traditionen und auch kirchenrechtliche Regelungen ändern“. Er sehe konkreten Handlungsbedarf, um die synodalen Prozesse „auf den Boden zu bringen“.

Ein zentrales Anliegen des Erzbischofs ist die Zusammensetzung von Beratungsgremien. Er hinterfragt, „wie es gelingen kann, dass Beratungsgremien, auch die des Bischofs, so zusammengesetzt sind, dass dort nicht nur geweihte Männer sitzen, sondern auch Getaufte teilnehmen können“, wobei er explizit Frauen und Männer nannte. In der Erzdiözese Wien gebe es bereits erste Schritte, wie etwa drei stimmberechtigte Frauen im Bischofsrat. Zudem verwies Grünwidl auf Anregungen der Weltsynode, Frauen stärker in die Ausbildung in Priesterseminaren und im pastoralen Bereich einzubeziehen. Derzeit stünden dem jedoch noch geltende kirchenrechtliche Bestimmungen entgegen.

Zum Nachhören - was Erzbischof Grünwidl sagte

Bezüglich seiner jüngsten Aussage, dass das Kirchenrecht nicht verhindern könne, „was der Heilige Geist will“, präzisierte der Erzbischof, dass er sich auf das biblische Beispiel des Pharisäers Gamaliel beziehe. Insbesondere bei der „Frauenfrage“ gehe er davon aus: „Wenn diese Frage vom Heiligen Geist kommt und wenn das ein Zeichen der Zeit ist, dann wird sich das auch durchsetzen.“

Administrative Aufgaben und seelsorgliches Selbstverständnis

Nach dem Wechsel im Amt des Erzbischofs stünden in Wien nun aufgeschobene Entscheidungen an. Grünwidl nannte als vordringliche Aufgaben die Umsetzung der Strukturreform (Pfarrgründungen und Grenzänderungen); die Inkardinierung von Priestern, die während der Sedisvakanz beziehungsweise der Zeit des Administrators warteten sowie allgemeine Verwaltungsaufgaben und die Weiterentwicklung des diözesanen Leitbilds.

Trotz der administrativen Last betonte Grünwidl sein Selbstverständnis als Seelsorger. Er plane feste Zeiten für Besuche in Pflegeheimen, Schulen und Pfarreien ein. Auch die Beantwortung von Post oder Gespräche mit Mitarbeitern betrachte er als seelsorgliche Tätigkeit und nicht rein als Managementaufgabe.

Finanzierung und internationale Einbindung

Der Erzbischof nutzte das Interview zudem, um den Beitragszahlern der Kirche zu danken. Das finanzielle Fundament sei notwendig, um das Personal – rund 1.200 Priester und 1.700 hauptamtliche Laien in Wien – sowie Gebäude und Ausbildungsinstitutionen zu erhalten. Die Unterstützung durch den Kirchenbeitrag wertete er als Zeichen der Wertschätzung für die kirchliche Arbeit, auch wenn viele Zahlende keinen regelmäßigen Kontakt zu einer Pfarrei hätten.

Am 29. Juni wird Papst Leo XIV. Erzbischof Grünwidl in Rom das Pallium überreichen. Diese Insignie, ein mit Kreuzen besticktes Band aus Lammwolle, ist den Metropoliten vorbehalten. Grünwidl bezeichnete die Auszeichnung als „Erinnerung und Bestärkung“ für seinen Dienst. Er betonte, Entscheidungen nach breiter Beratung in den Gremien treffen zu wollen und die damit verbundene Verantwortung zu tragen.

(kap - mg)

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02. April 2026, 11:14