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Votivkirche in Wien, Österreich Votivkirche in Wien, Österreich 

Österreich: Rund 300.000 Besucher bei der „Langen Nacht der Kirchen“

Rund 300.000 Besucherinnen und Besucher strömten am Freitagabend in die geöffneten Gotteshäuser der Alpenrepublik und im Südtirol, um unter dem zentralen Motto „MUTeinander“ ein lebendiges Zeichen des Glaubens und der Gemeinschaft zu setzen. Laut Veranstaltern haben mehr als 1.700 Veranstaltungen in rund 600 Kirchen bzw. weiteren Orten stattgefunden.

Mario Galgano - Innsbruck*

Eröffnet wurde die „Lange Nacht“ traditionell mit dem österreichweiten Glockengeläut um 17.50 Uhr. Bis auf die Diözese Feldkirch, die pausiert hat, haben alle heimischen Diözesen teilgenommen, darunter auch die Katholische Kirche in Südtirol (Diözese Bozen-Brixen). 

Zum Nachhören - der Bericht von Mario Galgano

Der feierliche Startschuss in der Diözese Innsbruck fiel mit einem Eröffnungsgottesdienst in der zentral gelegenen Spitalskirche. In seiner Ansprache hob der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler die tiefere Bedeutung des diesjährigen Leitworts hervor und rief dazu auf, den Mut aufzubringen, wieder verstärkt auf das Herz und die innere Stimme zu hören. Dies sei ein Wunsch, den er an diesem Abend besonders vielen Menschen mit auf den Weg geben wolle. Die Tiroler Landeshauptstadt verwandelte sich in den darauffolgenden Stunden in einen lebendigen Ort der Begegnung, an dem die Vielfalt des kirchlichen Lebens durch Konzerte, spirituelle Impulse und Führungen für alle Generationen greifbar wurde.

Tirols starke ökumenische Gemeinschaft

Ein herausragendes Merkmal der Veranstaltungen im Westen des Landes war die intensive ökumenische Zusammenarbeit. Insgesamt sechs christliche Konfessionen gestalteten das reichhaltige Programm in Tirol aktiv mit. Damit demonstrierten die Gemeinden ein enges und solidarisches Zusammenstehen über Konfessionsgrenzen hinweg, das exakt den Kern des Mottos traf. Dass diese Vielfalt die Menschen ansprach, bewies der Zustrom zu den sakralen Räumen, der das Aussetzen der Diözese Feldkirch sowie die verhaltene Beteiligung im benachbarten Salzburg, das diesmal nur wenige Kirchen öffnete, im Gesamtergebnis des Landes problemlos kompensierte.

Diese integrative Kraft der ökumenischen Bewegung betonte auch der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Bischof Tiran Petrosyan. Für ihn stellt die „Lange Nacht“ ein einzigartiges Fest des Glaubens und der christlichen Gemeinschaft dar. In einer Videobotschaft erläuterte Petrosyan, dass ihm der Glaube und die kirchliche Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig stärke und trage, gerade in schwierigen Zeiten den nötigen Mut schenkten. Das Signal dieses Abends sei unmissverständlich: Niemand müsse den Weg alleine gehen.

Spitzenkulisse in Wien und Impulse aus dem Bischofshaus

Gleichwohl meldete die Bundeshauptstadt Wien traditionell die höchsten absoluten Zahlen. Allein den Stephansdom stürmten nach Angaben von Dompfarrer Toni Faber rund 30.000 Menschen. Der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl bezeichnete die nunmehr 22. Auflage der Kirchennacht in einem Kathpress-Interview als ein vitales Lebenszeichen der beteiligten Institutionen. Es handele sich um eine exzellente Möglichkeit, Kirche vollkommen niederschwellig und einladend zu erleben, was bei den Besuchern zu sehr positiven Eindrücken führe.

Neben den großen Publikumsströmen in den Domen und Hauptkirchen entfaltete das von der biblischen Bartimäus-Erzählung inspirierte Motto jedoch gerade in den intimeren Foren seine gesellschaftspolitische Wirkung. In direkter Kooperation mit der Initiative „Österreich der runden & eckigen Tische“ wurde im Innsbrucker Bischofshaus ein Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gesetzt. Bei organisierten Abendessen und Tischgesprächen kamen Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichster sozialer und kultureller Herkunft zusammen, um Gräben zu überwinden und neue Dialoge zu wagen. Ein analoges Format im Erzbischöflichen Palais in Wien unterstrich die Relevanz dieses Ansatzes.

Kreative Formate brechen Barrieren auf

Dass der Mut zum Experimentieren belohnt wird, zeigte sich auch in der evangelischen Kirche. Die evangelische Bischöfin Cornelia Richter ermutigte insbesondere die kleineren Glaubensgemeinschaften, die Großveranstaltung als Chance zu nutzen, um die Menschen durch die architektonische und spirituelle Vielfalt flanieren zu lassen. Sie verwies auf das biblische Prinzip des mutigen Voranschreitens im Kleinen.

Wie innovativ diese Ansätze sein können, demonstrierte der Wiener evangelische Superintendent Matthias Geist, der gemeinsam mit dem katholischen Pfarrer Wolfgang Unterberger einen Abend zu den Themen Mathematik, Theologie und Schach gestaltete. Beim anschließenden Simultanschach zeigte sich, dass originelle Angebote Menschen zusammenbringen, die sich im Alltag vermutlich nie begegnet wären. Das Aufbrechen von sozialen Blasen, so das Fazit der Verantwortlichen, sei an diesem Abend auf breiter Front gelungen.

(kap)

*Der Beitrag wurde mithilfe von Informationen der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress erstellt.

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30. Mai 2026, 11:06