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 Kyiv nach dem bislang größten russischen Angriff  vom 2. Juli 2026 Kyiv nach dem bislang größten russischen Angriff vom 2. Juli 2026  (AFP or licensors)

Bericht aus Kyiv: Eine der schwersten Attacken seit Kriegsbeginn

Die Zahl der Todesopfer des russischen Angriffs auf Kyiv ist auf mindestens 30 gestiegen, mindestens 91 Menschen wurden verletzt. Und die Opferzahlen steigen wohl weiter. Der ukrainische staatliche Rettungsdienst teilte am Morgen mit, dass Such- und Rettungsmaßnahmen in verschiedenen Teilen der Hauptstadt weitergehen. Über die Lage in Kyiv nach dem bislang größten russischen Angriff am Donnerstag haben wir mit Weihbischof Oleksandr Yazlovetskyi von Caritas-Spes in der Ukraine gesprochen.

Svitlana Duckhovych und Stefanie Stahlhofen – Vatikanstadt

„In diesen Momenten der Trauer ist es sehr wichtig, den Menschen mit ein paar Worten und durch unsere Anwesenheit Mut zu machen – besonders jetzt, wo wir in dieser Nacht in der Ukraine einen der schwersten Angriffe seit Kriegsbeginn erlebt haben", sagt Oleksandr Yazlovetskyi, Weihbischof der römisch-katholischen Diözese Kyiv-Zhytomyr und Präsident von Caritas-Spes in der Ukraine. Jedes Mal habe man das Gefühl, dass der Angriff noch größer sei, aber diesmal sei es mehr als nur ein Gefühl gewesen:

„Wir haben praktisch die ganze Nacht nicht geschlafen“

Hier zum Nachhören

„Stellt euch vor: In dieser Nacht hat Russland etwa 74 sehr starke ballistische Raketen und Seezielraketen sowie fast 500 Drohnen auf unser Land abgefeuert. Das Hauptziel war Kyiv. Wir haben praktisch die ganze Nacht nicht geschlafen, weil es um Mitternacht losging. Nach den Explosionen waren hier im Zentrum und in den Vororten der Stadt die ganze Nacht über bis 7 Uhr früh immer wieder Detonationen zu hören. (...) Das gesamte Gebäude, in dem ich wohne, bebte, als wäre es aus Pappe. Wenn ihr euch die Fotos von dieser Nacht anschaut: Die großen Wohnblocks, die hohen mehrstöckigen Gebäude, sind zerstört."

„In diesen Momenten der Trauer ist es sehr wichtig, den Menschen mit ein paar Worten und durch unsere Anwesenheit Mut zu machen“

Flucht in Badezimmer und U-Bahn

Auch das Badezimmer oder die U-Bahn – in der Regel sicherere Orte bei Angriffen, wenn kein Bunker vorhanden ist – bieten bei einem solchen Angriff nur bedingt Schutz, sagt der Caritas-Präsident.

„Später bebte sogar die U-Bahn, sodass Staub von den Decken herabrieselte. Das haben die Menschen dort gesehen. Sie hatten alle Angst“

„Im Moment hilft das Badezimmer also nicht mehr, aber zumindest gibt es uns eine Überlebenschance: eher verletzt zu werden, statt vielleicht getötet zu werden. Die U-Bahn war voll, übervoll. Meine Freunde sind dorthin gegangen, um dort zu schlafen, weil unser Präsident angekündigt hatte, dass es einen großen Angriff geben würde. So viele Menschen sind dorthin gegangen, dass sie nicht einmal einen Platz zum Sitzen hatten. Später bebte sogar die U-Bahn, sodass Staub von den Decken herabrieselte. Das haben die Menschen dort gesehen. Sie hatten alle Angst."

Papstbotschafter in der Ukraine: Bete für Bekehrung Russlands

Kein Wunder, wenn man sich all diese Menschen vorstellt, zusammengepfercht in der U-Bahn, die unter einer Explosion nach der anderen bebt, während Staub von der Decke rieselt. Diese Nacht war für die Einwohner von Kyiv eine der schlimmsten seit Beginn des russischen Angriffskrieges vor viereinhalb Jahren. Moskau gab an, militärische Einrichtungen ins Visier genommen zu haben, doch die ausgebrannten und brennenden Wohnhäuser sowie die Angst der Menschen, die nichts mit dem Militär zu tun haben, erzählen eine andere Geschichte.

Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas
Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas

„Ich habe für Russland gebetet, damit der Herr ihnen die Gnade schenke, sich vom Krieg zum Frieden zu bekehren“

Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, berichtete den vatikanischen Medien, dass ein Großteil der Gebäude durch direkte Raketentreffer zerstört worden sei – also gezielt; es handle sich nicht um „Kollateralschäden“ durch abgefangene Raketen. Er habe für die Opfer und für die Rettungskräfte gebetet: „Und ich habe für Russland gebetet, damit der Herr ihnen die Gnade schenke, sich vom Krieg zum Frieden zu bekehren.“

Auch der Präsident von Caritas Spes Ukraine, Weihbischof Oleksandr Yazlovetskyi bittet im Interview mit den vatikanischen Medien um Beistand im Gebet:

 „Ich bitte immer um Gebete, da es sich um eine spirituelle Realität handelt – betet, betet, damit dieser Krieg ein Ende findet, lasst uns nicht allein. Wenn ihr Leute hier kennt, ruft sie an, schickt eine Nachricht. Denn es ist wirklich schwer. (...) Betet, betet für uns." 

„Betet, betet, damit dieser Krieg ein Ende findet“

(vatican news) 

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03. Juli 2026, 11:31