Bericht aus Kyiv: Eine der schwersten Attacken seit Kriegsbeginn
Svitlana Duckhovych und Stefanie Stahlhofen – Vatikanstadt
„In diesen Momenten der Trauer ist es sehr wichtig, den Menschen mit ein paar Worten und durch unsere Anwesenheit Mut zu machen – besonders jetzt, wo wir in dieser Nacht in der Ukraine einen der schwersten Angriffe seit Kriegsbeginn erlebt haben", sagt Oleksandr Yazlovetskyi, Weihbischof der römisch-katholischen Diözese Kyiv-Zhytomyr und Präsident von Caritas-Spes in der Ukraine. Jedes Mal habe man das Gefühl, dass der Angriff noch größer sei, aber diesmal sei es mehr als nur ein Gefühl gewesen:
„Stellt euch vor: In dieser Nacht hat Russland etwa 74 sehr starke ballistische Raketen und Seezielraketen sowie fast 500 Drohnen auf unser Land abgefeuert. Das Hauptziel war Kyiv. Wir haben praktisch die ganze Nacht nicht geschlafen, weil es um Mitternacht losging. Nach den Explosionen waren hier im Zentrum und in den Vororten der Stadt die ganze Nacht über bis 7 Uhr früh immer wieder Detonationen zu hören. (...) Das gesamte Gebäude, in dem ich wohne, bebte, als wäre es aus Pappe. Wenn ihr euch die Fotos von dieser Nacht anschaut: Die großen Wohnblocks, die hohen mehrstöckigen Gebäude, sind zerstört."
Flucht in Badezimmer und U-Bahn
Auch das Badezimmer oder die U-Bahn – in der Regel sicherere Orte bei Angriffen, wenn kein Bunker vorhanden ist – bieten bei einem solchen Angriff nur bedingt Schutz, sagt der Caritas-Präsident.
„Im Moment hilft das Badezimmer also nicht mehr, aber zumindest gibt es uns eine Überlebenschance: eher verletzt zu werden, statt vielleicht getötet zu werden. Die U-Bahn war voll, übervoll. Meine Freunde sind dorthin gegangen, um dort zu schlafen, weil unser Präsident angekündigt hatte, dass es einen großen Angriff geben würde. So viele Menschen sind dorthin gegangen, dass sie nicht einmal einen Platz zum Sitzen hatten. Später bebte sogar die U-Bahn, sodass Staub von den Decken herabrieselte. Das haben die Menschen dort gesehen. Sie hatten alle Angst."
Papstbotschafter in der Ukraine: Bete für Bekehrung Russlands
Kein Wunder, wenn man sich all diese Menschen vorstellt, zusammengepfercht in der U-Bahn, die unter einer Explosion nach der anderen bebt, während Staub von der Decke rieselt. Diese Nacht war für die Einwohner von Kyiv eine der schlimmsten seit Beginn des russischen Angriffskrieges vor viereinhalb Jahren. Moskau gab an, militärische Einrichtungen ins Visier genommen zu haben, doch die ausgebrannten und brennenden Wohnhäuser sowie die Angst der Menschen, die nichts mit dem Militär zu tun haben, erzählen eine andere Geschichte.
Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, berichtete den vatikanischen Medien, dass ein Großteil der Gebäude durch direkte Raketentreffer zerstört worden sei – also gezielt; es handle sich nicht um „Kollateralschäden“ durch abgefangene Raketen. Er habe für die Opfer und für die Rettungskräfte gebetet: „Und ich habe für Russland gebetet, damit der Herr ihnen die Gnade schenke, sich vom Krieg zum Frieden zu bekehren.“
Auch der Präsident von Caritas Spes Ukraine, Weihbischof Oleksandr Yazlovetskyi bittet im Interview mit den vatikanischen Medien um Beistand im Gebet:
„Ich bitte immer um Gebete, da es sich um eine spirituelle Realität handelt – betet, betet, damit dieser Krieg ein Ende findet, lasst uns nicht allein. Wenn ihr Leute hier kennt, ruft sie an, schickt eine Nachricht. Denn es ist wirklich schwer. (...) Betet, betet für uns."
(vatican news)
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