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Algerien: „Das Leben von Muslimen ist voll mit Gott“

Es ist kaum zu glauben – aber unser Korrespondent hat in Algier sogar eine Christin aufgespürt, die Deutsch spricht.

Und zwar die Belgierin Claire Couplet von der Fokolargemeinschaft. Stefan v. Kempis fragte sie in Algier, was genau sie in das nordafrikanische Land verschlagen hat.

Interview

Erzählen Sie doch mal bitte – wie kommen Sie nach Algerien?

Claire Couplet: Ich bin jetzt seit neun Jahren in Algerien und wohne hier in einer Gemeinschaft, die die Einheit mit allen Christen, aber auch vielen Muslimen hier leben will.

Und was bedeutet Ihnen der Besuch von Papst Leo?

Claire Couplet: Der Besuch bedeutet mir sehr viel, denn das ist das erste Mal, dass der Papst nach Algerien kommt – das ist wirklich eine historische Sache, sehr, sehr tief und voller Bedeutung für uns. Er hat ja von Anfang seines Pontifikats an von Augustinus gesprochen, und das bedeutet den Algeriern natürlich sehr viel; einige von ihnen haben sogar gedacht ‚Ja, vielleicht ist er ja sogar Algerier…‘ Und er kommt außerdem nicht nur für uns Christen, sondern für alle, und auch das bedeutet uns viel, weil wir zusammenleben, Christen und Muslime – und er kommt für uns alle!

„Er kommt nicht nur für uns Christen, sondern für alle!“


Wenn Sie den Papst treffen und ihm etwas sagen könnten, was würden Sie sagen?

Claire Couplet: Also – diese Dankbarkeit aller Menschen hier in Algerien – der Christen, aber auch der Muslime. Das ist so eine Ehre für uns alle, dass er kommt!

Hier das gesamte Interview zum Nachhören

Wenn man in Europa lebt, stellt man sich das Zusammenleben mit Muslimen immer sehr kompliziert vor. Wie funktioniert das bei Ihnen? Wie machen Sie das?

Claire Couplet: Ja, das ist – das ist nicht kompliziert! Die Algerier sind sehr gastfreundlich und nett, untereinander, aber auch mit allen anderen. Das gehört zu ihnen. Und ja: Ich spüre, dass ich als Christ hier vieles mit ihnen teilen kann. Sie – die Muslime – helfen mir auch, an Gott zu denken, denn das Leben hier und das Leben von Muslimen generell ist voll, voll mit Gott, den ganzen Tag. Sie beten fünfmal pro Tag; und auch der Ramadan hilft uns, an Gott zu denken. Ja, das sind Dinge, die wir Christen vielleicht an Muslimen bewundern…

Kapelle in Bab El-Oued, Algier
Kapelle in Bab El-Oued, Algier

„Vergebung - diese Dimension können wir an Muslime weitergeben, denke ich“


Was können sich denn umgekehrt Muslime von Christen abschauen?

Claire Couplet: Also, da muss ich sagen: Dass Christus für unsere Sünden sein Leben gegeben hat, das ist sehr wichtig für uns, und wir merken das nicht mal mehr. Vergebung! Dieses Vergeben ist bei uns Christen wie etwas, zu dem wir verpflichtet sind, selbst wenn es uns nicht immer gelingt. Aber sie ist nicht optional, weil Christus uns das gebracht hat. Und das habe ich hier gemerkt, dass wir auch diese Dimension weitergeben können, denke ich.

Wenn der Papst wieder abgereist sein wird, dann sinkt die kleine christliche Gemeinschaft in Algerien wieder ins Vergessen zurück. Was hoffen Sie denn, was trotzdem bleibt?

Claire Couplet: Ja, was kann dann bleiben? Das können wir erst nachher sagen; wir wissen das nicht. Aber es gibt hier so wenige Christen, dass man nicht einmal bemerkt, dass sie existieren – und vielleicht wird es jetzt für die Algerier durch den Papstbesuch offenbarer, dass es in Algerien auch Christen gibt. Das hoffen wir.

(vatican news)

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13. April 2026, 07:55