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Das Kloster von Tibhirine in Algerien Das Kloster von Tibhirine in Algerien 

Algerien: Der Papst besucht eine Kirche der Märtyrer

In Algerien, der ersten Etappe seiner Afrikareise, wird Papst Leo XIV. auf eine Kirche der Märtyrer treffen. Beispiel: Die sieben Trappistenmönche von Tibhirine.

Olivier Bonnel und Stefan v. Kempis - Vatikanstadt

Sie wurden am 26. März 1996 während des algerischen Bürgerkriegs, dem sogenannten „dunklen Jahrzehnt“, aus ihrem Kloster „Notre-Dame de l’Atlas“ entführt; ihre Köpfe wurden sechs Wochen später gefunden, wenige Tage nachdem die Terrorgruppe GIA ihre Enthauptung angekündigt hatte. Der Tod der Mönche sorgte weltweit für Entsetzen. 2010 gewann Xavier Bauvois’ Film „Von Menschen und Göttern“ den Großen Preis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes, 2018 wurden die Mönche zusammen mit zwölf weiteren algerischen Märtyrern in Oran seliggesprochen.

„Die Erinnerung an die Brüder ist hier in Tibhirine und der Umgebung noch immer sehr lebendig.“ Das sagt uns Pater Eugène Lehembre, der Leiter der Gemeinschaft „Chemin Neuf“ in Tibhirine. 2016 ist sie in dem früheren Trappistenkloster eingezogen. „Dreißig Jahre – das ist noch keine so lange Zeit, und es gibt noch viele Menschen, die die Mönche kannten. Ich denke da besonders an diejenigen, die von Bruder Luc behandelt wurden. Wir haben immer noch regelmäßig Besuch von ehemaligen Patienten oder deren Angehörigen. Die Erinnerung ist also noch immer sehr präsent, auch unter den Dorfbewohnern, da gibt es noch einige, die die Mönche kannten.“

Auf tausend Meter Höhe

Außerdem kommen immer wieder Menschen in das Bergnest auf tausend Meter Höhe, um zu sehen, wo die Trappisten gelebt haben. Diese Besucher sind in der Regel keine Touristen, sondern Algerier – fast ausschließlich Muslime. Tibhirine, das heißt „Gärten“ in der Berbersprache. Und tatsächlich ist in dem Ort 85 km südlich von Algier, wie Pater Eugène erzählt, weiterhin etwas am Wachsen und Blühen.

„Wir erzählen den Besuchern von der Geschichte des Klosters, vom klösterlichen Leben, was dort geschehen ist und so weiter. Jeden Tag erinnern wir uns an ihre Geschichte. Es ist keine traurige Erinnerung, obwohl es hier auch einen Friedhof gibt. Aber auf dem Gelände selbst wurde kein Blut vergossen, es ist vielmehr ein Ort des Friedens. Viele Besucher sagen hier: ‚Ah, ich fühle mich hier wohl, es ist friedlich, ich kann meinen Kopf frei bekommen‘. Auch wir spüren ihre Anwesenheit hier auf die eine oder andere Weise, durch die Erinnerungen, die wir wachrufen, aber auch durch die Bücher, die wir über sie lesen. Die Erinnerung an die Mönche von Tibhirine berührt die Algerier noch heute zutiefst.“

Der Friedhof in Tibhirine
Der Friedhof in Tibhirine   (Copyright (c) 2024 Hak im/Shutterstock. No use without permission.)

Viele Menschen im Land erinnern sich noch an die Zeit der Terroranschläge verschiedener islamistischer Gruppen und an die bewaffnete Repression. Diese dunkle Zeit forderte Zehntausende Opfer unter der algerischen Bevölkerung. Trotz der Bedrohungen hatten die Mönche von Tibhirine ihr Kloster nicht verlassen: eine bewusste Entscheidung. Sie waren davon überzeugt, dass ihr diskretes und betendes Dasein in diesem mehrheitlich islamischen Land der von Gott gezeigte Weg war. „Sollte ich eines Tages – und es könnte heute sein – Opfer des Terrorismus werden, der nun alle in Algerien lebenden Ausländer erfassen will, dann möchte ich, dass meine Gemeinde, meine Kirche, meine Familie sich daran erinnern, dass ich mein Leben Gott und diesem Land gewidmet habe.“ Das schrieb Christian de Chergé, der Prior des Klosters, in seinem Testament.

„Die Algerier, die ich hier kennenlerne, sind Menschen, die sich nach Geschwisterlichkeit sehnen.“

„Die Algerier könnten durchaus in erster Linie ihr eigenes Leid beklagen, aber es zeigt sich, dass sie von dem Schicksal der sieben Mönche tief bewegt sind; das ist wirklich erstaunlich. Ich finde es ergreifend, und es sagt uns auch etwas über das Herz vieler Menschen hier. Die Algerier, die ich hier kennenlerne, sind Menschen, die sich nach Geschwisterlichkeit sehnen. Friedliche Menschen, die gastfreundlich, selbstlos und offen sind und die Begegnungen mit anderen Menschen wirklich genießen. Und bei diesen Besuchen kann aus einer einfachen Erinnerung eine freundschaftliche Beziehung entstehen; am Ende fragen wir einander nach unseren Namen und so weiter. Viele sagen, sie würden wiederkommen; und das tun sie dann auch.“

Land der Geschwisterlichkeit

Algerien, das auf die Außenwelt häufig so schroff und abweisend wirkt, ist also auch ein Land der Geschwisterlichkeit. Das bekräftigt Pater Eugène Lehembre unter Berufung auf seine Erlebnisse in Tibhirine. „Wenn ich mit algerischen Besuchern spreche, höre ich oft dasselbe: Zuerst sind wir Menschen, bevor wir irgendeiner Religion angehören. Wir sind alle Menschen! Und wenn wir Menschen sagen, meinen wir gegenseitigen Respekt. Wir respektieren den anderen, wer auch immer er sein mag. Das ist ein Kennzeichen der Geschwisterlichkeit.“

Die Trappisten von Tibhirine haben diese Haltung ganz konkret gelebt: Bruder Christian, aber auch Bruder Luc, der sich in seiner Klinik am Klostereingang um die Einheimischen kümmerte. Bruder Michel, der Koch und Gärtner der Gemeinschaft. Bruder Célestin, der Kantor. Bruder Christophe, Bruder Bruno, Bruder Paul. In Frieden leben und den Armen dienen, das war das Kennzeichen ihrer ruhigen Präsenz. Mit vielen Menschen im Ort waren sie befreundet; diese pflegten dann den Obst- und Gemüsegarten des Klosters, als die Mönche ermordet aufgefunden worden waren. Pater Eugène spricht von einem Geist der Freundschaft, der heute immer noch spürbar sei.

Die Mönche von Tibhirine
Die Mönche von Tibhirine

„Ich bin Franzose, und darum ist ‚Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit‘ sozusagen auch mein Motto. Und ich kann sagen, dass ich hier, durch den Kontakt mit Algeriern, etwas mehr darüber erfahren habe, was Brüderlichkeit wirklich bedeutet – nicht unbedingt die Brüderlichkeit innerhalb einer religiösen Gemeinschaft, sondern einfach die Brüderlichkeit zwischen Menschen, die sich nicht kennen, die sich begegnen und einander vertrauen. Das kann im Kloster geschehen, aber auch im Dorf. Es geschieht ganz spontan. Es gibt ein gewisses Vertrauen, das es uns ermöglicht, Bande der Freundschaft zu knüpfen.“

Die blutige Vergangenheit

Eugène Lehembre selbst ist schon seit den siebziger Jahren in Algerien – da war es noch keine zehn Jahre her, dass das Land nach einem blutigen Krieg gegen seine Kolonialmacht Frankreich unabhängig geworden war. „Und was mich sehr beeindruckt hat: Damals sagten mir einige Menschen ‚Das ist alles vorbei, das ist erledigt, wir haben vergeben, wir sind Brüder‘. Wir erleben regelmäßig menschliche Verbundenheit, und bei manchen muslimischen Gläubigen merken wir, dass sie sich ganz bewusst dafür entscheiden, aus ihrem Glauben heraus.“

„Ich erinnere mich an Bruder Christians nackte Füße in seinen Sandalen, als er das Tor öffnete“: So erinnert sich der in Algerien geborene Journalist François Vayne, der 17 Jahre in dem Land lebte und das Kloster gut kannte, an den Prior von Tibhirine. „Ich spürte in diesen Sandalen die Hingabe seines Lebens an andere.“ Die Leichen der Mönche wurden nie gefunden, nur ihre Köpfe. Im Garten neben dem Kloster sind sie bestattet, auf dem kleinen Friedhof. Zugleich erinnern weltweit Mahnmale an sie: von Norwegen bis zu den Vereinigten Staaten, vom Kongo über Kamerun bis nach Frankreich.

(vatican news)

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11. April 2026, 12:28