Caritas Aleppo: Fragile Waffenruhe, weiter viele Vertriebene
Valerio Palombaro und Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Die Kurden der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben sich rasch aus den von ihnen verwalteten Gebieten östlich des Euphrat zurückgezogen. Die Lage in der Hochburg Hasaka im äußersten Nordosten Syriensist weiterhin angespannt und ungewiss. Ein am Dienstag begonnener Waffenstillstand, den die Übergangsregierung und die SDF ausgehandelt haben, soll noch bis diesen Samstag gelten. Für Caritas-Mitarbeiter Davide Chiarot ein Schritt auf dem steinigen Weg zu Stabilität und Frieden im Land:
„In Aleppo ist die Lage gerade relativ normal, nachdem es zu Beginn des Jahres zu heftigen Zusammenstößen in Vierteln mit kurdischer Mehrheit gekommen war. Aber es gibt weiterhin Unsicherheit und Sorge darüber, wie sich dieser Waffenstillstand weiterentwickeln wird, der derzeit im Osten des Landes sehr fragil ist."
Pläne zur Befriedung
Die Waffenruhe soll genutzt werden, um einen Plan zur praktischen Integration der Provinz Hasaka auszuarbeiten. Ziel der Übergangsregierung in Damaskus ist es, Syrien nach dem Sturz von Machthaber Bashar al-Assad zu einen. Für die Kurden, die im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) einer der wichtigsten Verbündeten der USA waren, bedeutet das im Umkehrschluss, dass sie Gebiete, Macht und erkämpfte Rechte verlieren könnten oder abgeben müssen. Nach vorläufigen Vereinbarungen soll den Kurden im Nordosten Syriens eine begrenzte Autonomie bleiben, allerdings nur in der Provinz Hasaka. Noch zu klären ist neben der Kontrolle über diese Provinz auch die tatsächliche Integration der Kurden in die syrische Armee. Im Gegenzug für die Integration der Kurden haben sich die SDF aus den großen Städten im Nordosten wie Raqqa und Deir el Zor zurückgezogen.
Die Menschen vor Ort seien aktuell sehr vorsichtig und auch besorgt, berichtet uns der Mitarbeiter von Caritas Aleppo:
„Die Lage ist noch sehr konfus. Es gibt Nachrichten die beide Seiten gegenseitig beschuldigen, die Feuerpause zu verletzen. Und dann ist da noch die große Frage, was mit den IS-Häftlingen ist..."
Möglicher IS-Terror bereitet Sorge
Bei den Kämpfen zwischen den kurdischen Truppen und der syrischen Armee waren zahlreiche Mitglieder der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus Gefängnissen und Lagern entkommen. Die syrischen Regierungstruppen haben die vollständige Kontrolle über das Gefängnis von Al Aqtan im Gouvernement Raqqa übernommen, nachdem sie bereits das riesige Lager al-Hol wenige Kilometer von der irakischen Grenze entfernt übernommen hatten, in dem Tausende von Personen untergebracht sind, die der Zugehörigkeit zum IS verdächtigt werden. Die Vereinigten Staaten sind bereits mit Operationen beschäftigt, um bis zu 7.000 IS-Häftlinge in den Irak zu überstellen.
„Allerdings sind Sabotageakte, Terroranschläge und Attentate nach wie vor eine sehr reale Bedrohung, das ist es auch, was den Menschen hier aktuell die größten Sorgen bereitet", meint Davide Chiarot.
„Amnesty International" hatte jüngst gefordert, die Beweise für die vom Islamischen Staat begangenen Verbrechen gegen das Völkerrecht, einschließlich der Orte der Gräueltaten und der Massengräber, zu sichern.
Hoffnung auf Frieden
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