US-Militärbischof: „Soldaten könnten Grönland-Befehl verweigern“
Erzbischof Timothy Broglio, ein früherer Vatikandiplomat und Nuntius, war bis November letzten Jahres der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz. In dem Interview vom 18. Januar führt er aus, er könne „keine Umstände erkennen“, unter denen eine amerikanische Militäroperation zur Eroberung Grönlands oder des Territoriums eines anderen Verbündeten die Kriterien für einen aus kirchlicher Sicht „gerechten Krieg“ erfüllen könnte. Die Rhetorik der Regierung Donald Trump zu Grönland „beschädigt das Ansehen der Vereinigten Staaten“.
„Natürlich bin ich besorgt“
Broglio wurde gefragt, ob er sich Sorgen um Katholiken mache, die beim Militär dienen und möglicherweise aufgefordert werden könnten, an einer Militäroperation zur Eroberung Grönlands teilzunehmen. Seine Antwort: „Natürlich bin ich besorgt, denn sie könnten in eine Situation geraten, in der sie zu etwas aufgefordert werden, das moralisch fragwürdig ist. Und es wäre für einen Soldaten, einen Marineinfanteristen oder einen Matrosen sehr schwierig, einen solchen Befehl zu missachten. Aber streng genommen wäre es für ihn oder sie im Rahmen ihres eigenen Gewissens moralisch akzeptabel, diesen Befehl zu missachten. Aber das würde diese Person vielleicht in eine unhaltbare Situation bringen, und das ist meine Sorge.“
Auf die Frage, ob er „rote Linien“ für die Trump-Regierung ziehe, antwortete der Erzbischof, er wisse nicht, ob „die Mächtigen“ offen für Ermahnungen katholischer Führer seien, aber er halte es für seine Pflicht, sich zu äußern. Broglio äußerte sich vor dem Hintergrund zunehmender internationaler Spannungen, da US-Präsident Trump weiterhin Forderungen nach einer „vollständigen und totalen Kontrolle über Grönland“ vorbringt. Trump verlangt von Dänemark, Grönland an die Vereinigten Staaten zu verkaufen; ansonsten könnten die USA das Gebiet notfalls „mit harten Mitteln“ unter ihre Kontrolle bringen. Am Wochenende drohte er, Dänemark und einer Reihe anderer europäischer Nationen Zölle aufzuerlegen, bis sie zum Verkauf des Gebiets bereit seien.
Ein Präsident, der kein Völkerrecht braucht
Trumps Äußerungen haben sowohl bei Mitgliedern des Kongresses als auch bei europäischen Politikern Alarm ausgelöst. Das Weiße Haus erklärt, dass militärische Gewalt „eine Option“ für den Erwerb Grönlands sei. In einer Nachricht an den norwegischen Ministerpräsidenten am Wochenende schrieb Trump: „Da Ihr Land beschlossen hat, mir den Friedensnobelpreis nicht zu verleihen, obwohl ich acht Kriege PLUS beendet habe, fühle ich mich nicht mehr verpflichtet, ausschließlich an den Frieden zu denken. “ In einem Interview Anfang dieses Monats wurde Trump nach den Grenzen seiner Macht gefragt, weltweit zu handeln. Der Präsident antwortete, dass das Einzige, was ihn einschränke, „meine eigene Moral“ sei, und fügte hinzu: „Ich brauche kein Völkerrecht.“
„Wir haben internationales Recht, und wir haben moralische Grundsätze“
Erzbischof Broglio sagte, er sei sowohl über Trumps Rhetorik als auch über seine außenpolitischen Maßnahmen besorgt. „Wir haben internationales Recht, und wir haben natürlich moralische Grundsätze, an denen wir uns alle orientieren sollten.“ Grönland sei „ein Territorium Dänemarks“, und Dänemark sei ein Verbündeter. „Es ist Teil der NATO. Es erscheint nicht wirklich vernünftig für die Vereinigten Staaten, eine befreundete Nation anzugreifen und zu besetzen.“ Im Übrigen sei den USA jetzt schon eine Militärpräsenz auf Grönland möglich.
Außer Broglio haben sich in diesen Tagen auch drei US-Kardinäle öffentlich besorgt über die Haltung der Vereinigten Staaten in internationalen Angelegenheiten geäußert. In einer gemeinsamen Erklärung vom 19. Januar beklagen die Kardinäle Blase Cupich aus Chicago, Robert McElroy aus Washington und Joseph Tobin aus Newark, dass grundlegende Fragen zur nationalen Souveränität, zum Gemeinwohl und zur Bedeutung des Friedens oft unter engen parteipolitischen Gesichtspunkten diskutiert würden. „Die moralische Rolle unseres Landes bei der Bekämpfung des Bösen in der Welt, der Wahrung des Rechts auf Leben und der Menschenwürde sowie der Unterstützung der Religionsfreiheit wird derzeit auf den Prüfstand gestellt.“
Ausdrücklich lehnen die Kardinäle „Krieg als Instrument zur Durchsetzung engstirniger nationaler Interessen“ ab. „„Wir streben eine Außenpolitik an, die das Recht auf menschliches Leben, Religionsfreiheit und die Förderung der Menschenwürde in der ganzen Welt respektiert und fördert, insbesondere durch wirtschaftliche Hilfe.“
(pillarcatholic.com – sk)
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