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Unterstützung für die venezolanische Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado auf der East Front Plaza am Capitol Hill am 15. Januar 2026 in Washington, DC. Unterstützung für die venezolanische Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado auf der East Front Plaza am Capitol Hill am 15. Januar 2026 in Washington, DC.  (2026 Getty Images)

USA: Drei Kardinäle zu Außenpolitik - Menschenwürde respektieren

Zehn Tage nach Papst Leo XIV.` großer Diplomaten-Neujahrsrede haben sich drei US-amerikanische Kardinäle - Blase Cupich, Robert McElroy und Joseph Tobin - in einer gemeinsamen Erklärung geäußert. Darin rufen sie die US-Außenpolitik auf, sich auf Frieden und Respekt der Menschenwürde sowie Religionsfreiheit zu stützen.

Devin Watkins und Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

Die drei Kardinäle haben wichtige Bischofssitze in den USA, und ihre gemeinsame Veröffentlichung zur Außenpolitik hat bisher Seltenheitswert: Blase Cupich ist Erzbischof von Chicago, Robert McElroy Erzbischof von Washington und Kardinal Joseph Tobin Erzbischof von Newark. „Im Jahr 2026 sind die USA in der tiefgreifendsten und heftigsten Debatte über die moralische Grundlage für Amerikas Handeln in der Welt seit dem Ende des Kalten Krieges", ist in der Erklärung, die diesen Montag veröffentlicht wurde, zu lesen. Die drei Kardinäle greifen darin auch einige wichtige Themen der Neujahrs-Diplomatenansprache von Papst Leo XIV.  auf.  Mit Blick auf Venezuela, die Ukraine und Grönland erklären die Kardinäle Cupich, McElroy und Tobin, in diesem Zusammenhang ergäben sich „Grundfragen zum Einsatz von militärischen Kräften und der Bedeutung von Frieden."

Die drei Kardinäle betonen das souveräne Recht der Nationen auf Selbstbestimmung und erklären, dass dieses Prinzip in der aktuellen konfliktreichen Geopolitik zunehmend fragil erscheine. Die Bemühungen um einen gerechten und dauerhaften Frieden seien trotz der entscheidenden Bedeutung des Friedens für das Wohlergehen der Menschheit von Parteigeist, Polarisierung und destruktiver Politik geprägt.

„Grundfragen zum Einsatz von militärischen Kräften und der Bedeutung von Frieden“

Zum Hören: USA: Drei Kardinäle zu Außenpolitik - Menschenwürde respektieren (Audio-Beitrag von Radio Vatikan)

„Die moralische Rolle unseres Landes bei der Bekämpfung des Bösen in der Welt, der Wahrung des Rechts auf Leben und der Menschenwürde sowie der Unterstützung der Religionsfreiheit wird derzeit auf den Prüfstand gestellt“, stellen die hochrangigen Vertreter der katholischen Kirche fest.

„Die moralische Rolle unseres Landes bei der Bekämpfung des Bösen in der Welt, der Wahrung des Rechts auf Leben und der Menschenwürde sowie der Unterstützung der Religionsfreiheit wird derzeit auf den Prüfstand gestellt“

Hinweis auf Papst-Diplomatenrede zum Jahres-Start

Angesichts dieser Situation biete die Diplomaten-Rede von Papst Leo zur „Lage der Welt“ vom 9. Januar eine „wirklich moralische Grundlage“ für die internationalen Beziehungen und einen Weg für die amerikanische Außenpolitik, so die Kardinäle.

In seiner Rede an die beim Heiligen Stuhl akkreditieren Diplomaten hatte Papst Leo XIV. vor genau zehn Tagen eine Schwäche des Multilateralismus und das Versagen von Diplomatie,  Dialog und Konsens zwischen gegnerischen Seiten zu suchen, angeprangert. 

„Krieg ist wieder in Mode gekommen, und eine kriegerische Stimmung breitet sich aus“, sagte Papst Leo wörtlich. „Das nach dem Zweiten Weltkrieg festgelegte Prinzip, das es Ländern verbot, Gewalt anzuwenden, um die Grenzen anderer zu verletzen, ist gebrochen worden. Der Friede wird nicht mehr als Geschenk und als an sich erstrebenswertes Gut gesucht..., sondern mit Waffen als Voraussetzung für die Durchsetzung der eigenen Herrschaft.“

Papst Leo XIV. am 9.1.2026 an Diplomaten
Papst Leo XIV. am 9.1.2026 an Diplomaten   (ANSA)

„Das nach dem Zweiten Weltkrieg festgelegte Prinzip, das es Ländern verbot, Gewalt anzuwenden, um die Grenzen anderer zu verletzen, ist gebrochen worden. Der Friede wird nicht mehr als Geschenk und als an sich erstrebenswertes Gut gesucht... sondern mit Waffen als Voraussetzung für die Durchsetzung der eigenen Herrschaft“

Die Kardinäle Cupich, McElroy und Tobin erinnern daran, dass Papst Leo XIV. an die katholischen Lehren erinnert habe, und betont, dass das Recht auf Leben „die unverzichtbare Grundlage für alle anderen Menschenrechte bildet." Gemeinsam mit Papst Leo fordern die Kardinäle die reichen Nationen auf, humanitäre Hilfe zu leisten, um die Menschenwürde der Leidenden zu wahren, und beklagen eine zunehmende Verletzung der Gewissens- und Religionsfreiheit im Namen ideologischer oder religiöser Reinheit.

Moralische Außenpolitik

Die US-amerikanischen Kardinäle fordern daher eine „wirklich moralische Außenpolitik für unser Land“ und bringen ihren Wunsch zum Ausdruck, „einen wirklich gerechten und dauerhaften Frieden“ zu schaffen, wie ihn Jesus im Evangelium verkündet hat. Sie betonen:

„Wir lehnen Krieg als Mittel zur Durchsetzung engstirniger nationaler Interessen ab und erklären, dass militärische Maßnahmen nur als letztes Mittel in Extremsituationen angesehen werden dürfen, nicht als normales Instrument der nationalen Politik.“ Weiter ist zu lesen: „Wir streben eine Außenpolitik an, die das Recht auf menschliches Leben, Religionsfreiheit und die Förderung der Menschenwürde in der ganzen Welt respektiert und fördert, insbesondere durch wirtschaftliche Hilfe.“

Abschließend erklären die drei Kardinäle, Papst Leo XIV.  habe den Vereinigten Staaten ein Prisma angeboten, durch das sie die „Polarisierung, Parteinahme und engstirnigen wirtschaftlichen und sozialen Interessen“ überwinden könnten, die derzeit die Debatte des Landes über seine eigenen moralischen Grundlagen behinderten.

(vatican news - sst) 

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19. Januar 2026, 15:17