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Hoch über den Ruinen des antiken Hippo: Die Augustinus-Basilika von Annaba Hoch über den Ruinen des antiken Hippo: Die Augustinus-Basilika von Annaba

Kollegengespräch: Papst Leo auf Augustinus‘ Spuren in Annaba

Der zweite Besuchstag von Leo XIV. in Afrika ist dem heiligen Augustinus gewidmet: Der Papst, der dem Augustinerorden angehört, besucht Annaba, das antike Hippo, die Wirkungsstätte des Kirchenlehrers aus dem fünften Jahrhundert.

Wir sprachen mit unserem Korrespondenten Stefan v. Kempis, der sich den Dienstag über in Annaba aufhält.

Interview

Was genau erinnert denn heute in Annaba an Augustinus?

Eine Basilika, eine Arm-Reliquie, ein Kloster, ein Altersheim, eine Unterkunft für Pilger. Also eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass Annaba wie das ganze Land in großer Mehrheit muslimisch ist. 1839 kam der erste und einzige katholische Bischof Algeriens – natürlich ein Franzose, denn das war zur Kolonialzeit – in die Hafenstadt Annaba und war erschrocken, dass dort nur ein paar Ruinen zu sehen waren. Daraufhin wurde auf dem Hügel eine Augustinus-Basilika errichtet, die äußerlich stark der Kirche Sacré-Coeur auf dem Montmartre in Paris ähnelt. Heute wird diese Basilika von drei Augustinern verwaltet (ein Kenianer, ein Südsudanese und ein Nigerianer), die dort die Pilger und Neugierigen empfangen. Außerdem steht hier oben ein Altersheim, in dem sich die Gemeinschaft „Kleine Schwestern der Armen“ um etwa vierzig Senioren kümmert: Männer und Frauen, die meisten bedürftig, fast alle muslimisch. Übrigens: In der Krypta der Basilika wurde eine Augustinus-Bibliothek eingerichtet, benannt nach seiner Mutter, der hl. Monika – gewissermaßen, um den Verlust der originalen Bibliothek des Heiligen wettzumachen, die beim Sturm der Wandalen auf Nordafrika zerstört wurde. Die 93 Traktate, 500 Predigten und 200 Briefe des hl. Augustinus und vieles mehr kann jeder Interessierte da unten nachlesen, in mehreren Sprachen, darunter auch Arabisch.

Willkommens-Transparent für Leo in Annaba
Willkommens-Transparent für Leo in Annaba

„Eine Basilika, eine Arm-Reliquie, ein Kloster, ein Altersheim, eine Unterkunft für Pilger“


Haben die Augustiner denn auch während des algerischen Bürgerkriegs in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Annaba ausgeharrt?

Nein, die Augustiner von Malta – die damals die Verantwortlichen für eine augustinische Präsenz in Annaba waren – sahen sich nicht dazu imstande. Nach dem Ende des Bürgerkriegs hat der Generalrat des Ordens dann beschlossen, eine neue Präsenz aufzubauen, und das sollten dann Augustiner von allen Kontinenten stemmen. Der Generalprior des Ordens schrieb 2005 an alle Brüder, wie wichtig das Projekt sei, „in sozialer, religiöser und kultureller Hinsicht“ – eine einzigartige Gelegenheit für die Augustiner, „den interreligiösen Dialog voranzubringen, und gleichzeitig das Wissen über das Leben und die Lehren des hl. Augustinus“. Der Name dieses Generalpriors, der das damals geschrieben hat? Ja genau, das war Robert Prevost, der heutige Papst Leo! Prevost war zu Beginn des Jahrhunderts zweimal in Algerien und auch in Annaba, und seit 2013 wird die international bestückte Augustinergemeinschaft im antiken Hippo direkt von der römischen Ordensleitung aus geführt. Die Augustiner feiern jeden Freitag die Messe in der Basilika – Freitag ist in diesem Land mit islamischer Dominanz das, was bei uns der Sonntag ist. Und sie empfangen täglich zwischen hundert und 150 Pilger; im Sommer schwillt der Strom an, auf 400 bis 500 täglich. Das macht jährlich zwischen 35- und 40.000 Pilger und Besucher.

„Prevost war zu Beginn des Jahrhunderts zweimal in Algerien und auch in Annaba, und seit 2013 wird die international bestückte Augustinergemeinschaft im antiken Hippo direkt von der römischen Ordensleitung aus geführt.“

Die St.-Monika-Bibliothek in der Krypta der. Augustinus-Basilika
Die St.-Monika-Bibliothek in der Krypta der. Augustinus-Basilika

„Es erschließt sich den Muslimen hier sofort, dass der Papst zu Augustinus pilgert, so wie sie mindestens einmal im Leben die Wallfahrt nach Mekka unternehmen“


Und wer sind diese Besucher? Theologen? Kreuzfahrtteilnehmer?

Auch. Aber das Interessante ist: Die meisten sind Algerier. Muslimische Algerier, die mehr über Augustinus wissen wollen, der hier im Land als prominenter Landsmann gilt und auf den viele Menschen dementsprechend stolz sind. Die Wahl eines Augustiners zum Papst hat letztes Jahr diese Anteilnahme der Algerier am heiligen Augustinus noch einmal befeuert; man hat hier das Gefühl, auf einmal im Zentrum des internationalen Interesses zu stehen, und viele Menschen glauben, dass Leo XIV. irgendwie Algerier ist oder hier Familie hat. In den sozialen Netzwerken haben Tausende ihn nach seiner Wahl zu einem Besuch in Algerien eingeladen. Und es erschließt sich den Muslimen hier sofort, dass der Papst zu Augustinus pilgert, so wie sie mindestens einmal im Leben die Wallfahrt nach Mekka unternehmen. Auch wenn die meisten Menschen in Algerien gar nicht viel über Augustinus wissen, ist er doch so prominent, dass immer wieder Bücher über ihn erscheinen und dass es sogar einen Augustinus-Wein zu kaufen gibt.

„Viele Menschen glauben, dass Leo XIV. irgendwie Algerier ist oder hier Familie hat...“

Der heutige Papst, damals Pater Prevost, bei einem früheren Besuch in Algier
Der heutige Papst, damals Pater Prevost, bei einem früheren Besuch in Algier

„Die Erfahrungen, die Christen machen, sind manchmal ziemlich durchwachsen“


Will die winzige katholische Gemeinschaft sozusagen auf dieser Welle der Augustinus-Begeisterung surfen, um etwas mehr Sichtbarkeit im Land zu gewinnen?

Ja, das kann man so sagen. Denn so sehr in Algerien auch immer das gute Zusammenleben von Christen und Moslems betont wird, sind die Erfahrungen, die Christen machen, doch ziemlich durchwachsen. Ob das ausländische Seelsorger sind, die ewig auf ihr Visum warten müssen, oder die vielen afrikanischen Studenten oder Migranten, die sich in Algier aufhalten und die von Fällen von Rassismus erzählen, oder davon, dass man ihnen sagt, sie glaubten an eine Lüge, und nur der Islam sei die wahre Religion. Natürlich wollen die Christen jetzt vor allem das Verbindende, das Positive ins Schaufenster stellen, aber es wäre falsch zu glauben, dass es keine Probleme gäbe. Es scheint doch eine gehörige Zahl von Algeriern zu geben, die immer noch denken, das Christentum gehöre eigentlich nicht hierher, sei ein ausländischer Import. Ein Kollege von mir, der am Montag vor dem Märtyrerdenkmal in Algier ein paar muslimische Studenten interviewen wollte, bekam unter anderem den Spruch zu hören „Gott hat keinen Sohn“. Und als es auf einmal wie aus Kübeln schüttete, wurden unter den Journalisten Regenschirme verteilt – bedruckt nicht etwa mit dem Logo der Papstreise, sondern mit dem Logo des Organisationskomitees für Mekka-Wallfahrten…

(vatican news)

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13. April 2026, 19:13