Papst an Familien des Neujahrsunglücks: Prüfung im Glauben
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
„Da fragt man oft: ,Warum, Herr?` Jemand hat mich an einen ähnlichen Moment bei einer Trauermesse erinnert, wo der Priester statt einer Predigt eine Art Dialog mit Gott führte, mit dieser Frage, die uns immer begleitet: ,Warum, Herr, warum?`". Diese drängende Frage könne auch ein Papst nicht beantworten, gestand Leo XIV.:
„Ich kann Euch nicht erklären, Brüder und Schwestern, warum von Euch und Euren Lieben eine solche Prüfung verlangt wird. Das Mitgefühl und die Worte, die ich heute an Euch richte, scheinen sehr begrenzt und ohnmächtig. Andererseits bekräftigt der Nachfolger Petri, den ihr heute treffen wolltet, überzeugt und kraftvoll: Eure Hoffnung, Eure Hoffnung ist nicht vergebens, denn Christus ist wirklich auferstanden!"
Bei einer Silvesterfeier in einer Bar in Crans-Montana war in der Neujahrsnacht ein Feuer ausgebrochen; mindestens vierzig Menschen kamen ums Leben, mehr als hundert Menschen wurden verletzt. Viele der Überlebenden kämpfen nicht nur mit starken Verbrennungen, sondern auch mit schweren Lungenschäden.
Opfer und Hinterbliebene sollen vom Kanton Wallis eine Soforthilfe von 10.000 Schweizer Franken (etwa 10.740 Euro) bekommen. Inzwischen gibt es Vorwürfe, die Barbetreiber hätten die Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigt. Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung eines Brandes laufen. Papst Leo bekräftigte beim Treffen mit den rund 20 Angehörigen der Opfer des Unglücks erneut sein Mitgefühl:
„Es sind Momente des großen Schmerzes und Leids. Menschen, die Euch am liebsten waren, haben das Leben verloren in einer extrem gewaltsamen Weise, oder sie sind für lange Zeit im Krankenhaus, ihr Körper entstellt aufgrund des schrecklichen Feuers, das jeder Vorstellungskraft spottet... Und all dies im unerwartetsten Moment - an einem Tag an dem alle feierten und sich Glückwünsche austauschten."
Es sei sehr schwierig, in dieser Lage Trost zu finden, sagte der Papst und erinnerte an die Worte Jesu am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?". Die Antwort habe drei Tage auf sich warten lassen - doch dann sei Jesus von den Toten auferstanden.
„Der Glaube, der in uns ist, erleuchtet auch die dunkelsten und schwersten Momente mit einem unersetzbaren Licht, das uns hilft, mutig unseren Weg zum Ziel fortzusetzen. Jesus geht uns auf diesem Weg des Tods und der Auferstehung voran, der Geduld und Beharrlichkeit von uns verlangt. Seid Euch seiner Nähe und seiner Zärtlichkeit sicher: Er ist nicht fern von dem, was Ihr durchlebt, im Gegenteil, er teilt es und trägt es mit Euch."
Gebete und Segen
Und auch die ganze Kirche sei bei ihnen und begleite sie im Gebet, versicherte Papst Leo den Angehörigen der Opfer des Unglücks. Auch er selbst bete:
„Seid der Gebete der ganzen Kirche versichert - und auch meines persönlichen Gebets - für die Ruhe der Verstorbenen und Erlösung aller, die Ihr liebt und die leiden, und für Euch selbst, die Ihr sie mit eurer Zärtlichkeit und Liebe begleitet."
Leo XIV. vertraute zudem alle der Gottesmutter Maria an:
„Richtet Eure Tränen ohne Vorbehalte an sie und sucht den mütterlichen Trost, den wohl nur Maria spenden kann und den sie Euch sicher geben wird. Wisst, wie Maria, in der Nacht des Leids mit der Gewissheit des Glaubens geduldig zu warten, dass eines Tags ein neuer Tag beginnen wird, an dem Ihr die Freude wiederfinden werdet."
Zum Ende der Audienz lud Papst Leo zum gemeinsamen Vaterunser und Ave-Maria-Gebet und er segnete alle:
„Als Zeichen des Trosts und der Nähe und des Willens, diesen Moment mit Euch zu teilen, lade ich Euch ein, gemeinsam zu beten, und ich spende jedem einzelnen von Euch den apostolischen Segen sowie auch all Euren Lieben, die leiden."
(vatican news - sst)
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