Rom: Kardinal gedenkt der Brandopfer von Crans-Montana
Mario Galgano - Vatikanstadt
Die tiefe Trauer über den Verlust von Giovanni, Achille, Emanuele, Chiara, Riccardo und Sofia habe an diesem Freitag die Herzen der Menschen in ganz Italien bewegt, so Kardinal Baldassare Reina. In der Kirche Santi Ambrogio e Carlo al Corso feierte der Generalvikar des Papstes für die Diözese Rom eine heilige Messe im Gedenken an die sechs Jugendlichen, die in der Neujahrsnacht bei einer Brandkatastrophe in Crans-Montana ihr Leben verloren. Reina betonte eingangs die tiefe Verbundenheit des ganzen Landes mit den Familien: „Wir fühlen uns ihren Familien nahe und betrachten sie als Teil unserer eigenen Familien in einem Schmerz, unter dem unser ganzes Land leidet und der uns als eine einzige große, leidende Familie fühlen lässt.“
Der Wirbel des Todes
In seiner Predigt schlug der Kardinal eine Brücke zum Markus-Evangelium, in dem die Jünger Jesu mitten auf dem See Genezareth in einen heftigen Sturm geraten. Er verglich die Situation der Jugendlichen in dem brennenden Lokal mit dem verzweifelten Kampf der Jünger gegen Wind und Wellen. „Die Tragödie von Crans-Montana hat einen Wirbel freigesetzt, der uns gefangen hält: Wir alle befinden uns jetzt in diesem Boot und suchen nach dem Ausgang, den diese jungen Leute nicht gefunden haben, um sich in Sicherheit zu bringen“, so Reina. Der Wirbel des Todes verschlinge Gesichter, Träume und die „schöne Jugend“ und hinterlasse verstörende Fragen nach der Vermeidbarkeit dieses Unglücks.
Besonders deutlich wurde der Kardinal bei der moralischen Einordnung der Katastrophe. Er sprach von einem Schmerz, der umso unerträglicher sei, als es sich um einen Tod handle, „den man nicht nur hätte vermeiden können, sondern den man hätte vermeiden müssen“. Die Ursache für das Unglück, so Reina weiter, dürfe nicht im Himmel gesucht werden, sondern auf der Erde. Er forderte dazu auf, das Recht der Jugend auf Sicherheit und ein unbeschwertes Leben konsequent zu verteidigen: „Wenn wir uns alle als Eltern im Schmerz fühlen, müssen wir auch Eltern sein, damit so etwas nie wieder geschieht.“ Es dürfe nicht zugelassen werden, dass über die Ursachen geschwiegen werde oder die Tragödie ohne Konsequenzen bleibe.
Zeichen des Sieges über den Tod
Trotz der harten Worte über die menschliche Nachlässigkeit bot der Kardinal geistlichen Trost an. Er deutete das Bild Jesu, der auf dem Wasser geht, als Zeichen des Sieges über den Tod. In dem Moment, in dem die Jünger Angst vor einem „Gespenst“ haben, sage Jesus: „Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht.“ Gott sei in dieser Tragödie nicht fern gewesen, sondern er stehe „als Opfer neben den Opfern“ im brennenden Gebäude. Der Glaube biete die Gewissheit, dass das Leben durch den Tod nicht ausgelöscht werde. Mit den Worten des Johannes-Evangeliums schloss Reina seine Predigt: „Dies ist der Wille dessen, der mich gesandt hat: dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat.“ Die Namen der sechs Jugendlichen seien „unvergesslich in Gottes Hand geschrieben“.
Die italienische Staatsanwaltschaft Rom hat derweil im Zusammenhang mit dem Brand in der Bar „Le Constellation“ von Crans-Montana die Obduktionen der sechs italienischen Todesopfer angeordnet. Die Untersuchungen, die nicht in der Schweiz durchgeführt worden waren, sollen gemäss der Nachrichtenagentur Ansa in Mailand, Bologna und Genua stattfinden.
(vatican news)
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