USA: Christen beten für erschossene Einwanderer
Die Todesfälle lösten örtliche Proteste und Rufe nach Untersuchungen aus. Ein ICE-Beamter erschoss am 13. Juli in Biddeford, Maine, Johan Sebastián Durán Guerrero, als der 25-Jährige morgens auf dem Weg zur Arbeit war. Am frühen Morgen des 7. Juli erschoss zudem ein ICE-Beamter in Houston Lorenzo Salgado Araujo, als dieser auf dem Weg zu einer Baustelle war, an der seine Baufirma tätig war. Er starb später in einem örtlichen Krankenhaus.
In einer Erklärung auf der Website der Erzdiözese Houston-Galveston rief Erzbischof Joe S. Vásquez alle Gläubigen dazu auf, für Salgado, „seine Familie und all jene, die von Angst und Sorge geplagt sind“, zu beten. Er bat außerdem um Gebete „für Einheit und Frieden in unserer Gemeinschaft und Nation“. Der Erzbischof führte aus, die Bischofskonferenz habe wiederholt „gezielte, verhältnismäßige und humane Durchsetzungsmaßnahmen“ gefordert. Darüber hinaus hätten die Bischöfe die Notwendigkeit „einer sinnvollen Einwanderungsreform im Gegensatz zu einem reinen Durchsetzungsansatz“ zum Ausdruck gebracht. Zu einer solchen Reform gehörten „ein friedlicher Dialog, gegenseitiger Respekt und ein Bekenntnis zur Nächstenliebe“.
Gegen einen „reinen Durchsetzungsansatz“
Die Diözese Portland, Maine, wies derweil darauf hin, dass ihr Büro für hispanische Seelsorge Duráns Familie und Gemeinde seelsorgerische Unterstützung gewähre. „Wir beten darum, dass alle, die von seinem Tod betroffen sind, Gottes liebevollen Trost, Kraft und Frieden erfahren mögen“, hieß es in der Erklärung. Auch der Verband „Catholic Charities Maine“ sprach Duráns Familie „tiefstes Mitgefühl“ aus. „Unsere Herzen sind bei der Gemeinde von Biddeford, die um diesen tragischen Verlust trauert“, teilte die Organisation mit. Sie forderte „eine faire und transparente Untersuchung“.
Eine Analyse der Zeitung „The Guardian“ ergab, dass es seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump im Jahr 2024 mindestens zehn Todesfälle durch Schüsse von Einwanderungsbeamten gab. Mit Duráns Tod steigt diese Zahl auf elf. Durán, ein kolumbianischer Staatsbürger, der von Familie und Freunden als fleißiger Familienvater beschrieben wurde, hinterlässt eine dreijährige Tochter und seine Lebensgefährtin. Ein Sprecher des Heimatschutzministeriums bestätigte gegenüber OSV News, dass Durán im September 2023 ohne Papiere über die südliche Grenze in die USA eingereist war.
Gebetswache in Kolumbien
Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge hielten Duráns Verwandte und Nachbarn in Bucaramanga, Kolumbien, am 14. Juli eine Gebetswache ab, bei der sie den Rosenkranz beteten und eine Gedenkstätte mit einer Marienstatue errichteten. Auf einer „Go Fund Me“-Seite, auf der bislang fast 500.000 Dollar für Duráns Familie und für die Überführung seiner sterblichen Überreste nach Kolumbien gesammelt wurden, ist von Vorbereitungen für ein „christliches Begräbnis“ die Rede.
Der Mexikanr Salgado wiederum war ein 52-jähriger Vater von drei erwachsenen US-Bürgern; er lebte seit fast 35 Jahren in den USA. Sein ältester Sohn, Ronaldo Salgado, berichtete Reportern, sein Vater habe vor über einem Jahr das Verfahren zur Erlangung einer Arbeitserlaubnis eingeleitet. „Er stand kurz davor, seinen legalen Status zu erhalten.“
Für unabhängige Ermittlungen
Der Verband „Church World Service“ betont, dass es die Forderungen nach unabhängigen Ermittlungen zu beiden tödlichen Schüssen „voll und ganz unterstützt“. Die in Washington ansässige christliche Hilfsorganisation – die mit katholischen Gruppen zusammenarbeitet, um weltweit Menschen in Not direkt zu helfen und sich für eine Einwanderungsreform in den USA einzusetzen – drückte ihr Beileid zum Tod von Salgado und Durán sowie ihre Solidarität mit den Hinterbliebenen aus.
(osv – sk)
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