Das „Tor zu Europa“. Einer der symbolischen Orte des Besuchs von Papst Leo XIV. auf Lampedusa. Das „Tor zu Europa“. Einer der symbolischen Orte des Besuchs von Papst Leo XIV. auf Lampedusa.

Leo XIV. in Lampedusa: Zärtliche Geste für die Toten im Meer

Lampedusa erwartet Papst Leo XIV. an diesem Samstag als Ort der Erinnerung und der Migration. Der Erzbischof von Agrigent, Alessandro Damiano, sieht in dem Besuch eine leise, aber deutliche Botschaft an Italien und Europa.

Salvatore Cernuzio und Birgit Pottler

Der Besuch beginnt auf dem Friedhof der Insel. Papst Leo XIV. wird dort in privater Form an den Gräbern einiger Migranten beten, die auf dem Weg über das Mittelmeer gestorben sind. Auch der kleine Yusuf ist dort bestattet: Er war sechs Monate alt, stammte aus Guinea und starb 2020 bei einem Bootsunglück.

Für den Erzbischof von Agrigent, Alessandro Damiano, ist diese erste Station entscheidend. Er nennt sie „jene Zärtlichkeit, die die Toten im Meer nicht erhalten“. Die Insel Lampedusa gehört zum Gebiet des Bistums an der Südküste Siziliens.

Leo XIV. werde eine Insel voller Touristen, aber vor allem eine Gemeinde sehen, die die konkrete und einfache Nähe der Kirche zu den Migranten spüre.

Vom Friedhof zum Molo Favarolo - Treffen mit Migranten

Nach dem Friedhof führt der Weg des Papstes zur Porta d’Europa und zum Molo Favarolo. Dort wird Leo XIV. einer Gruppe von Migranten begegnen.

Den Abschluss bildet die Eucharistiefeier im Stadion von Lampedusa, gemeinsam mit der Gemeinde der Insel. Für Erzbischof Damiano verbindet dieser Weg die Erinnerung an die Toten, die Begegnung mit den Überlebenden und die Gemeinschaft mit einer lebendigen Kirche.

Am Friedhof
Am Friedhof

Was sich seit 2013 verändert hat

Seit dem Besuch von Papst Franziskus habe sich am Grundproblem wenig geändert, sagt der Erzbischof von Agrigrent. Die Ankünfte gingen weiter – je nach Wetterlage, aber auch abhängig davon, was an den Küsten Nordafrikas geschieht.

Verändert habe sich vor allem die Art der Rettung und Aufnahme. Früher seien Fischer und Bewohner der Insel oft unmittelbarer beteiligt gewesen. Menschen seien in Häusern aufgenommen worden, hätten trockene Kleidung bekommen, etwas zu essen, manchmal auch die Möglichkeit, das Meerwasser oder die Spuren von Treibstoff vom Körper zu waschen.

Am Molo
Am Molo

Heute liege vieles bei Küstenwache, Finanzpolizei und staatlichen Kräften. Das habe manches geordnet, sagt der Kirchenmann. Zugleich sei die Ankunft stärker kontrolliert. Er verwendet das Wort vorsichtig, spricht aber von einem Ablauf, der inzwischen ziemlich „militarisiert“ sei.

Die Ankunft menschlich machen

In dieser Situation versuchen die Kirche, die Gemeinde von Lampedusa und einige Organisationen, die Ankunft der Menschen auch menschlich zu gestalten.

Das geschieht durch kleine Gesten: eine Flasche Wasser, ein Glas warmer Tee. Für den Erzbischof sind solche Gesten nicht nebensächlich. Entscheidend sei, den Menschen in die Augen zu schauen.

Gerade darin liegt für ihn die Aufgabe: Männer, Frauen und Kinder nicht zuerst als Problem, sondern als Menschen wahrzunehmen.

„Remigration ist gegen das Evangelium“

Auch politisch versteht Erzbischof Damiano den Besuch als Botschaft. Über die Debatte um sogenannte Remigration sagt er deutlich: „Remigration ist gegen das Evangelium.“

Der Blick vieler Regierungen in Italien und Europa auf Migranten sei vor allem von Sicherheit geprägt. Doch ein Blick, der die Würde des Menschen bewahren wolle, könne nicht ausschließlich sicherheitspolitisch sein. Maßstab müsse das Evangelium bleiben: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“

Für den Kirchenmann geht es mindestens darum, Menschen nicht sterben zu lassen.

Graffiti an einer der Anlegestellen
Graffiti an einer der Anlegestellen

Eine Linie von den Kanaren nach Lampedusa

Der Erzbischof sieht den Besuch von Papst Leo XIV. in Lampedusa auch in einer größeren Linie. Vor wenigen Wochen hatte der Papst auf den Kanaren mit Blick auf Menschenhändler gesagt: „Haltet ein, bekehrt euch.“

„Bekehrt euch!“

Für Erzbischof Damiano erinnert dieses Wort unweigerlich an Johannes Paul II. und seinen Ruf an die Mafia in der Valle dei Templi in Agrigent 1993: „Bekehrt euch.“

Auch der Besuch von Leo XIV. bei Mutter Cabrini in Pavia gehört für den Erzbischof in diesen Zusammenhang. Die heilige Francesca Saverio Cabrini ist Patronin der Migranten. Ihr Leben öffne den Blick auf Migration als weltweite Wirklichkeit.

Eine Botschaft an Italien und Europa

In Lampedusa schließt sich für Erzbischof Damiano so diesen Samstag ein kleiner Kreis: Migration betrifft die ganze Welt. Auf der Insel verdichtet sich diese Wirklichkeit an einem symbolischen Ort des Mittelmeers. Deshalb sei der Besuch des Papstes für ihn eine „beeindruckende Botschaft“ an Italien und Europa: nicht laut, kein Schrei, „sondern gelebt“. Eine Botschaft, die gerade deshalb Gewissen erreichen und Herzen berühren könne.

(vatican news - bp)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

03. Juli 2026, 16:04