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Gemälde, das eine Gruppe von ugandischen Märtyrern zeigt Gemälde, das eine Gruppe von ugandischen Märtyrern zeigt 

Uganda: Märtyrergedenken vereint

Die nationale Wallfahrt zum diesjährige Märtyrergedenken in Uganda ist wegen Ebola-Gefahr verschoben worden und wird am 3. Juni dezentral durchgeführt, nachdem es in der Demokratischen Republik Kongo und auch Uganda Infektionen gegeben hat. Welche große Bedeutung das Märtyrergedenken für Uganda bis heute hat, erfuhr Radio Vatikan in Kampala.


Anne Preckel – Vatikanstadt/Kampala

Millionen von Wallfahrern strömen Jahr für Jahr zum Heiligtum von Namugongo, um dort am 3. Juni der ugandischen Märtyrer zu gedenken. Auch Papst Franziskus besuchte die wichtige Pilgerstätte im November 2015 während einer Afrikareise. In diesem Jahr fallen die Feierlichkeiten an der ugandischen Gedenkstätte aus – wegen akuter Ebola-Gefahr sollen sie dezentral im kleineren Rahmen in den Diözesen durchgeführt werden.

Für Ugandas Kirche und die zahlreichen Pilger, die jedes Jahr aus ganz Uganda und dem Umland nach Namugongo strömen, ist die Einschränkung ein großer Einschnitt im Glaubensleben. Bis heute wird in Uganda die Geschichte der christlichen Märtyrer der katholischen und anglikanischen Kirche als leuchtendes Beispiel unerschütterlicher Glaubensstärke erzählt, ist Ausdruck gelebter Ökumene und Ermutigung für viele junge Gläubige.

Zum Nachhören

Ein Pflicht- und Feiertag

„Man könnte sagen, dass die ugandischen Märtyrer unser Land weiterhin evangelisieren.“

„Der Gedenktag der ugandischen Märtyrer am 3. Juni ist für uns ein Pflichttag und gleichzeitig ein Feiertag, an dem alle Menschen Gott ehren, zu ihm beten und ihm für das Opfer der ugandischen Märtyrer danken“, berichtet der Erzbischof von Kampala, Paul Ssemogerere, im Interview mit Radio Vatikan. „Auch unsere Politiker und Autoritäten respektieren diesen Gedenktag und nehmen an unseren Veranstaltungen teil. Man könnte sagen, dass die ugandischen Märtyrer unser Land weiterhin evangelisieren“, so der katholische Kirchenvertreter.

An der Gedenkstätte in Namugongo
An der Gedenkstätte in Namugongo

Christen am Königshof

Erinnert werden am 3. Juni 45 christliche Konvertiten, die zwischen 1885 und 1887 auf Befehl von König Mwanga II. von Buganda getötet wurden. Die jungen Leute rund um den jungen Karl Lwanga waren erst wenige Jahre zuvor über christliche Missionare zum Christentum gekommen. Sie waren Pagen am Hofe des Königs, der Christen gegenüber - anders als sein toleranter Vorgänger Mutesa I. - feindlich gestimmt war. Als sich die jungen Christen weigerten, dem christlichen Glauben abzuschwören, ließ Mwanga sie grausam hinrichten. Die heutigen Gedenkstätten in Uganda befinden sich an den Orten ihres Martyriums.

Laut Erzbischof Ssemogerere hat das Märtyrergedenken in Uganda positive Auswirkungen auf die Gesellschaft. Das Zeugnis der Märtyrer inspiriere viele junge Gläubige auch heute, wie er in Workshops und bei Pilgerfahrten beobachten könne, die die Ortskirche anlässlich des Märtyrergedenkens durchführt. „Besonders beeindruckend ist ihre tiefe Glaubensstärke, ihr unerschütterliches Bekenntnis zu Jesus Christus. Obwohl die jungen Leute bei uns mit vielen Herausforderungen und Sorgen konfrontiert sind, spürt man bei manchen, dass sie den Glauben der ugandischen Märtyrer in sich tragen.“

Aktuelle Botschaft

Für viele junge Afrikanerinnern und Afrikaner sind die Märtyrer keine Historie, sondern lebendige Bezugspunkte und Ermutigung im Alltag. Papst Franziskus hatte bei seinem Uganda-Besuch dazu ermutigt, das Erbe der Märtyrer „nicht im Museum aufzubewahren“, sondern es „als Zeugnis in Häuser und zu Nachbarn, in die Arbeit und die Zivilgesellschaft hinein zu tragen“. Ssemogerere betont, dass das Märtyrergedenken Ugandas Gesellschaft positive Impulse gegeben hat – etwa im Blick auf Gewaltlosigkeit und den Respekt vor dem Leben.

„Weil wir die Mörder der ugandischen Märtyrer so entschieden verurteilt haben, gibt es heute in Uganda mehr Respekt vor dem Leben als zuvor“, ist er überzeugt. „Es ist falsch, einander zu töten, und ich denke, wenn die politisch Verantwortlichen darüber nachdenken – sie haben ja den Gedenktag der ugandischen Märtyrer miteingeführt–, dann wird deutlich, dass dies ein wichtiger Schritt ist.“

Pilger legen auf dem Weg zur Märtyrer-Gedenkstätte mehrere hundert Kilometer zu Fuß zurück (Bild aus dem Jahr 2024)
Pilger legen auf dem Weg zur Märtyrer-Gedenkstätte mehrere hundert Kilometer zu Fuß zurück (Bild aus dem Jahr 2024)   (Diocese of Lira, Uganda)

Gelebte Ökumene

„eine sehr kraftvolle Botschaft der Einheit“

Karl Lwanga und seine Gefährten werden in der katholischen wie auch anglikanischen Kirche als Heilige verehrt. Das Märtyrergedenken ist ein Ausdruck gelebter Ökumene und schafft Nähe zwischen den Glaubensgemeinschaften. An dem Ort, wo damals der Großteil der christlichen Märtyrer hingerichtet wurde, befinden sich heute das Namugongo-Heiligtum und ein Museum, wo die Leidensgeschichte der jungen Konvertiten erzählt wird.

„45 Menschen wurden damals getötet, 23 Anglikaner und 22 Katholiken. An dem Ort, wo der königliche Henker Mukajanga einen Teil der Gruppe hinrichtete, befindet sich heute unsere Gedenkstätte und das Museum. Die meisten von ihnen wurden dort auch beigesetzt“, berichtet dazu der anglikanische Erzbischof von Kampala, Stephen Samuel Kaziimba Mugalu, im Interview mit Radio Vatikan. „Dass sie dort begraben sind, wo sie gemeinsam ihren Glauben bewahrten und verbrannt wurden, ist für mich eine sehr kraftvolle Botschaft der Einheit.“

Auch fünf Muslime sollen in Namugongo durch Mukajangas Hand gestorben sein – auf Befehl von König Mwanga, der den wachsenden Einfluss der „fremden Religionen“ in seinem Hoheitsgebiet fürchtete. Der Name „Namugongo“ leitet sich vom Wort „Omugongo“, „Menschenrücken“, ab. So sollen die Märtyrer auf dem Weg zu ihrer Hinrichtungsstätte auf dem Rücken geschleift worden sein, bevor sie zerstückelt und verbrannt wurden. Ihr Henker soll seine Waffen im nahen Fluss gewaschen haben.

Statue an der Gedenkstätte von Namugongo
Statue an der Gedenkstätte von Namugongo
Die Gedenkstätte von Namugongo
Die Gedenkstätte von Namugongo

Alle zusammenarbeiten

„Deshalb muss jeder Papst, der hierherkommt, diesen Ort besuchen, und wir müssen alle zusammenarbeiten.“

Kaziimba Mugalu ist Vorsitzender des interreligiösen Rates in Uganda (IRCU), der die sieben größten christlichen und islamischen Religionsgemeinschaften Ugandas vertritt. Der Anglikaner-Erzbischof setzt auf gute Beziehungen nicht nur der Christen untereinander, sondern der Religionen in Uganda überhaupt. „Unsere Einheit reicht weit über diese Angelegenheiten hinaus, und dafür bin ich dankbar. Deshalb muss jeder Papst, der hierherkommt, diesen Ort besuchen, und wir müssen alle zusammenarbeiten.“ Die katholische und anglikanische Kirche in Uganda arbeiten etwa im Bereich der Bildung, Agrarwirtschaft und politischen Bewusstseinsbildung zusammen. 

Papst Franziskus hatte 2015 bei seiner Reise nach Uganda auch ein weiteres Denkmal der ugandischen Märtyrer besucht: die Basilika in Munyonyo im Süden von Kampala, wo sich die ersten christlichen Märtyrer des Landes Andreas Kaggwa und Dionysius Ssebuggwawo weigerten, ihren Glauben zu wiederrufen und hingerichtet wurden.

Als Leos Vorgänger Papst Franziskus den Munyonyo-Shrine besuchte
Als Leos Vorgänger Papst Franziskus den Munyonyo-Shrine besuchte

60 Jahr-Jubiläum in Rom begangen

1964 wurden die ugandischen Märtyrer durch Papst Paul VI. heiliggesprochen. Im Jahr 2024 fand zum 60. Heiligsprechungs-Jubiläum eine feierliche Gedenkmesse auch im Petersdom statt, die die historische Bedeutung der afrikanischen Kirche würdigte.

 

Unsere Korrespondentin besuchte Uganda im November 2025, genau zehn Jahre nach Papst Franziskus' Besuch in dem Land. Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe zu Kirche und Gesellschaft in Uganda. Papst Leo reiste vom 13.-23. April 2026 in vier afrikanische Länder: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea.

(vatican news – pr)
 

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02. Juni 2026, 11:33