Uganda: Von Missionaren, Märtyrern und Königen
Anne Preckel – Uganda/Vatikanstadt
Wenn man südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala den Äquator überquert, erreicht man eine Region, die als Wiege des Katholizismus in Uganda gilt. In Villa Maria im heutigen Distrikt Masaka wurden die ersten einheimischen katholischen Priester geweiht, und von hier aus nahm die christliche Missionierung in die südlichen und westlichen Teile des Landes ihren Ausgang.
Gastfreundschaft eines Königs
In der historischen Villa Maria-Kathedrale befinden sich die Grabstätten der ersten indigenen Priester und des französischen Bischofs Henry Streicher, der an dem Ort 1892 die erste katholische Gemeinde gründete. Wenige Jahre zuvor kamen die ersten ausländischen Missionare in Uganda an, berichtet Br. John Baptist Busuulura, der Direktor des lokalen Priesterseminars „Katigondo National Seminary“. Am Anfang der Evangelisierung in Uganda habe Gastfreundschaft gestanden.
„1879 kamen die ersten Missionare nach Uganda und reisten von Entebbe aus zum Königspalast. König Mutesa I. von Buganda war ihnen gegenüber sehr gastfreundlich, gewährte ihnen Zeit und Land zum Verweilen. Die Missionare wurden von den Häuptlingen willkommen geheißen. Häuptling Alex Ssebbowa war ein großer Wohltäter und schenkte der Kirche 1.416 Hektar Land, das die Dörfer Bwanda, Lubale, Bukalasa und Katigondo einschloss. In Lubale konnte dann die Kirche von Villa Maria errichtet werden.“
Wiege des ugandischen Katholizismus
Bis heute umfasst die zentralugandische Region rund um Masaka das Königreich Buganda. Im Unterschied zu damals haben Ugandas Könige, die verschiedene ethnische Gruppen repräsentieren, aber keine politische Macht mehr, sondern lediglich kulturell-zeremonielle Funktion. Angesichts der günstigen Bedingungen, die die ersten Missionare damals in Masaka vorfanden, entschied sich der französische Missionar, in der Region zu bleiben und baute dort die erste katholische Gemeinschaft auf.
„Sein Traum war es, eine sich selbst tragende Kirche zu gründen, in der Priester, Ordensleute und andere Gemeindemitglieder die Kirche leiten. Dieser Traum erfüllte sich am 29. Juni 1913, als die ersten beiden einheimischen Priester geweiht wurden: Basil Lumu und Victor Womereka Mukasa. 1939 erhielten wir den ersten afrikanischen Bischof, und Masaka wurde ein eigenes Bistum. Anfang der 1960er Jahre wurde mit Laurean Kardinal Rugambwa, einem ehemaligen Seminaristen dieses Ortes, der erste Kardinal ernannt. Kurz gesagt: Die Region ist so etwas wie die Wiege des katholischen Glaubens in Uganda.“
Überfülltes Priesterseminar
Von der kleinen Backsteinkirche in Villa Maria aus, die damals noch mit einem Schilf- und Grasdach gedeckt war, verbreitete sich der katholische Glauben nach Südwest-Uganda und bis nach Tansania. Gänzlich harmonisch verlief die Evangelisierung in Uganda aber nicht. So trat der Sohn von König Mutesa I., Mwanga II., gegenüber den Missionaren aggressiv auf und ließ Christen verfolgen. Davon erzählt die Geschichte der ugandischen Märtyrer, derer bis heute an mehreren Gedenkstätten im Land gedacht wird.
In Ugandas katholischem Leben spielt Masaka, „die Wiege des Katholizismus in Uganda“, bis heute eine wichtige Rolle. Dort gibt es viele Pfarreien, Schulen und Gesundheitseinrichtungen, und Persönlichkeiten, die Uganda positiv prägen, kommen aus dieser Region.
Das „Katigondo National Seminary“ sei eine wichtige Ausbildungsstätte des ugandischen Klerus, berichtet uns Seminarleiter Busuulura weiter. Angesichts hoher Berufungszahlen platze die Einrichtung momentan aus allen Nähten:
„Mit 277 Seminaristen sind wir hier mehr als ausgelastet. Während die Zahlen steigen, wurde der Ort selbst aber nicht erweitert. Das ist eine der Herausforderungen, vor denen wir stehen. Die Seminaristen bei uns haben teilweise auch in anderen Berufen gearbeitet und waren zum Beispiel Ärzte oder Banker. Und heute entsenden wir auch Missionare in andere Länder“, berichtet der Ordensmann. Er selbst hat mehrere Sommer im deutschen Bistum Passau, wo mehrere Pfarrein zusammengelegt wurden, als Aushilfspfarrer gearbeitet.
Nord und Süd - „dieselbe universale Kirche“
Während in Europa heute Priestermangel herrscht, steigen in Uganda die Berufungszahlen an, was zuletzt nach Papst Franziskus' Besuch im Land 2025 deutlich zu beobachten war. Heute sind in Uganda um die 17 Millionen Menschen katholisch, das sind knapp 40 Prozent der Gesamtbevölkerung. In ihrem Netzwerk von rund 540 Pfarreien engagiert sich die Kirche im Ganzen Land im Bildungs- und Gesundheitswesen, betreibt Schulen und Krankenhäuser. Auch der Direktor des Priesterseminars von Katigondo nimmt die unterschiedlichen Entwicklungen in den verschiedenen Teilen der Weltkirche wahr - die Säkularisierung und schrumpfenden Kirchen im Norden und Westen und die wachsenden Kirchen des Südens. Für Busuulura ist aber eines klar:
„Ich glaube, wir leben in derselben Kirche und man sollte sich nicht entmutigen lassen. Früher evangelisierte Europa Afrika, und die Frucht des Glaubens ist jetzt da. Ich denke, wir befinden uns in einer Übergangsphase. Wir müssen einfach weiter beten und diejenigen unterstützen, die in Europa sind. Ich freue mich übrigens sehr darüber, dass der Papst selbst Missionar ist und aus den Vereinigten Staaten stammt, seine Heimatgegend Dolton, Illinois, kenne ich selbst sehr gut. Die Wärme seines Glaubens ist beeindruckend und gibt mir Hoffnung. Die Kirche wird nicht untergehen“, so der ugandische Ordensmann zuversichtlich.
Unsere Korrespondentin besuchte Uganda im November 2025, genau zehn Jahre nach Papst Franziskus' Besuch in dem Land. Dieser Beitrag ist Teil einer Reihe zu Kirche und Gesellschaft in Uganda. Papst Leo reiste vom 13.-23. April 2026 in vier afrikanische Länder: Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea.
(vatican news – pr)
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