Suche

Die katholische Universität  Johannes Paul II. in Lublin ermöglicht ein Studium in Haft. Nun haben weitere sieben Häftlinge ihr Studium abgeschlossen Die katholische Universität Johannes Paul II. in Lublin ermöglicht ein Studium in Haft. Nun haben weitere sieben Häftlinge ihr Studium abgeschlossen 

Polen: Häftlinge machen Abschluss an katholischer Uni

Im Gefängnis in Lublin, Polen, haben Insassen die Möglichkeit, direkt im Gefängnis ein Vollzeitstudium zu absolvieren. Es ist ein in Europa einzigartiges Studium für Inhaftierte, das von der Katholischen Universität Johannes Paul II. in Lublin (KUL) angeboten wird. Nun haben weitere sieben Häftlinge ihr Studium abgeschlossen.

 Monika Stojowska – Lublin

Hier fragt niemand nach der Vergangenheit oder nach dem begangenen Unrecht, das zur Inhaftierung geführt hat. Was hier zählt, ist der Wille zur Veränderung, zur Umkehr und die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten. Und so hat nun jeder von ihnen nicht nur eine andere Lebensgeschichte, ein anderes Urteil, sondern auch ein sehr gutes Abschlusszeugnis und einen hohen Notendurchschnitt im Studiengang Familienwissenschaften. „Es ist eine große Freude, wenn man die greifbaren Ergebnisse unserer Arbeit sieht. Dies ist nicht nur der Abschluss eines ganzen Studienjahres, sondern eigentlich von drei Jahren. Wir hoffen, dass die Herren ein Masterstudium aufnehmen werden“, betonte Prof. Mirosław Kalinowski, der als Betreuer der Bachelor-Absolventen fungierte.

Im Gefängnis in Lublin, Polen, haben Insassen die Möglichkeit, als Studierende der Katholischen Universität Johannes Paul II. in Lublin direkt im Gefängnis ein Vollzeitstudium zu absolvieren
Im Gefängnis in Lublin, Polen, haben Insassen die Möglichkeit, als Studierende der Katholischen Universität Johannes Paul II. in Lublin direkt im Gefängnis ein Vollzeitstudium zu absolvieren

„Jeder der Insassen hat eine andere Lebensgeschichte, ein anderes Urteil, aber jeder hat ein sehr gutes Ergebnis auf seinem Abschlusszeugnis“

Die Verteidigung der Bachelorarbeiten dauerte fast zwei Stunden. Es gab keine einfachen Fragen. Die Prüfung löste große Emotionen aus. „Ich bin stolz. Es war enormer Stress, aber auch große Freude. Es rührt mich, dass ich etwas aus meinem Leben mache. Meine Haftstrafe ist so bemessen, dass ich noch im Gefängnis meinen Masterabschluss machen kann“, sagte einer der Häftlinge unmittelbar nach dem Verlassen des Saals.

Viele werden nicht rückfällig

Wie Prof. Kalinowski betont, ist das Studium eine Belohnung und ein wirksames Mittel zur Resozialisierung. „Wir schaffen die Voraussetzungen für das Studium, binden das universitäre Personal und andere Kreise ein, geben diesen Menschen eine Chance, stellen aber auch Anforderungen. Wir sprechen in den Medien darüber. Wir wissen, dass 80 Prozent von ihnen nicht rückfällig werden, aber in diesem Prozess spielen auch die Familie und das Umfeld, in das der Häftling nach Verbüßung seiner Strafe zurückkehrt, eine wichtige Rolle“, betont der Rektor der KUL.

Häftlinge, die bei der Katholischen Universität Johannes Paul II. in Lublin ihren Abschluss gemacht haben
Häftlinge, die bei der Katholischen Universität Johannes Paul II. in Lublin ihren Abschluss gemacht haben

„Ein Studium ist eine Belohnung und eine solide Methode der Resozialisierung“

Ähnliches Modell bald auch in Rom?

Das Modell der Ausbildung von Inhaftierten auf Hochschulniveau wurde von der KUL im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Derzeit handelt es sich um Bachelor- und ergänzende Masterstudiengänge. Diese werden von 32 Personen aus ganz Polen absolviert, darunter auch Frauen. Das Programm stößt auf Interesse in internationalen Kreisen, darunter auch in römischen Justizvollzugsanstalten, die erwägen, solche Studiengänge in Zusammenarbeit mit der Päpstlichen Theologischen Akademie und der LUMSA-Universität einzurichten.

(vatican news) 

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

26. Juni 2026, 14:29