Polen: Häftlinge machen Abschluss an katholischer Uni
Monika Stojowska – Lublin
Hier fragt niemand nach der Vergangenheit oder nach dem begangenen Unrecht, das zur Inhaftierung geführt hat. Was hier zählt, ist der Wille zur Veränderung, zur Umkehr und die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten. Und so hat nun jeder von ihnen nicht nur eine andere Lebensgeschichte, ein anderes Urteil, sondern auch ein sehr gutes Abschlusszeugnis und einen hohen Notendurchschnitt im Studiengang Familienwissenschaften. „Es ist eine große Freude, wenn man die greifbaren Ergebnisse unserer Arbeit sieht. Dies ist nicht nur der Abschluss eines ganzen Studienjahres, sondern eigentlich von drei Jahren. Wir hoffen, dass die Herren ein Masterstudium aufnehmen werden“, betonte Prof. Mirosław Kalinowski, der als Betreuer der Bachelor-Absolventen fungierte.
Die Verteidigung der Bachelorarbeiten dauerte fast zwei Stunden. Es gab keine einfachen Fragen. Die Prüfung löste große Emotionen aus. „Ich bin stolz. Es war enormer Stress, aber auch große Freude. Es rührt mich, dass ich etwas aus meinem Leben mache. Meine Haftstrafe ist so bemessen, dass ich noch im Gefängnis meinen Masterabschluss machen kann“, sagte einer der Häftlinge unmittelbar nach dem Verlassen des Saals.
Viele werden nicht rückfällig
Wie Prof. Kalinowski betont, ist das Studium eine Belohnung und ein wirksames Mittel zur Resozialisierung. „Wir schaffen die Voraussetzungen für das Studium, binden das universitäre Personal und andere Kreise ein, geben diesen Menschen eine Chance, stellen aber auch Anforderungen. Wir sprechen in den Medien darüber. Wir wissen, dass 80 Prozent von ihnen nicht rückfällig werden, aber in diesem Prozess spielen auch die Familie und das Umfeld, in das der Häftling nach Verbüßung seiner Strafe zurückkehrt, eine wichtige Rolle“, betont der Rektor der KUL.
Ähnliches Modell bald auch in Rom?
Das Modell der Ausbildung von Inhaftierten auf Hochschulniveau wurde von der KUL im Jahr 2013 ins Leben gerufen. Derzeit handelt es sich um Bachelor- und ergänzende Masterstudiengänge. Diese werden von 32 Personen aus ganz Polen absolviert, darunter auch Frauen. Das Programm stößt auf Interesse in internationalen Kreisen, darunter auch in römischen Justizvollzugsanstalten, die erwägen, solche Studiengänge in Zusammenarbeit mit der Päpstlichen Theologischen Akademie und der LUMSA-Universität einzurichten.
(vatican news)
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