Suche

Erzbischof Ronald Hicks von New York Erzbischof Ronald Hicks von New York  (AFP or licensors)

US-Bischof: „Diese Enzyklika stellt sich den brennenden Fragen“

Papst Leos erste Enzyklika über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz wird in seiner Heimat mit großem Interesse aufgenommen.

Das sagt der Erzbischof von New York, Ronald Hicks, in einem Interview mit Radio Vatikan. „Ich habe nichts als Offenheit, Akzeptanz und Dankbarkeit gegenüber dieser Enzyklika des Heiligen Vaters wahrgenommen. Alle sagen, dass wir so vieles über KI noch nicht verstehen. Deshalb lasst uns darüber sprechen! Sogar Menschen, die nicht praktizierende Katholiken sind, beteiligen sich an dieser Debatte. Es ist ein sehr begrüßenswerter und offener Dialog.“

„Magnifica humanitas“, so der Titel der Enzyklika von Mitte Mai, zeige, dass Leo XIV. „seinen Finger am Puls der wirklichen Themen hat, die die Welt bewegen“, so Hicks. Der Papst weiche den bohrenden Fragen unserer Zeit nicht aus, sondern zeige, dass die Kirche sich gerade „mit den Themen, über die jeder spricht“, beschäftigen sollte. „Überlassen wir die KI einfach sich selbst? Lassen wir sie von wenigen kontrollieren, denen es nur um Profitmaximierung geht? Oder kann sie zum Wohl der Welt, zum Wohl der Menschheit, eingesetzt werden?“

„Sogar Menschen, die nicht praktizierende Katholiken sind, beteiligen sich an dieser Debatte. Es ist ein sehr begrüßenswerter und offener Dialog“

Leo XIV. bei der Unterzeichnung seiner ersten Enzyklika
Leo XIV. bei der Unterzeichnung seiner ersten Enzyklika   (@Vatican Media)

Enzyklika nicht auf „ein paar Häppchen“ reduzieren


Nach der Beobachtung des New Yorker Erzbischofs setzt der Papst ernsthaft auf eine breite Debatte in den Gesellschaften. Und fragt danach, was das Menschliche im Kern ausmacht. „In einer Welt, die technologisch immer ausgefeilter wird und in der KI immer mehr Möglichkeiten bietet, drängen sich meiner Meinung nach wichtige Fragen zum Menschsein auf. Diese Fragen werden von allen gestellt, denn letztendlich sind wir alle Menschen. Wir sitzen alle im selben Boot, und ich hoffe, dass wir uns alle im Herzen vereinen und die Würde jedes einzelnen Menschen fördern wollen.“

Hicks warnt davor, den Inhalt der Enzyklika auf „ein paar Häppchen“ zu reduzieren; der Text wolle in all seinen Gedankengängen nachvollzogen werden. Ihn selbst habe vor allem die Aufmerksamkeit des Papstes für den Themenbereich KI und Arbeitsmarkt angesprochen. „Junge Menschen stellen sich die Frage: Studiere ich jetzt etwa für etwas, für einen Job, für eine Karriere, die es in den nächsten zehn Jahren gar nicht mehr geben wird, weil KI sie übernehmen wird? Sie sind besorgt und suchen nach Orientierung.“

Papst Leo XIII.
Papst Leo XIII.


Berührungspunkte zu „Rerum novarum“

Gerade in diesem Punkt sieht der Kirchenmann Berührungspunkte zwischen der neuen Enzyklika und dem Rundschreiben „Rerum novarum“ von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1891. Das skizzierte damals angesichts der industriellen Revolution die Soziallehre der Kirche und wurde zu einem kirchlichen Wegweiser durch den Epochenbruch.

„Ich glaube, diese Enzyklika (Magnifica humanitas) wird über Jahrzehnte und Generationen hinweg ähnlich genutzt werden. Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Sie wird alles verändern. Ich denke, wir werden uns ähnliche Fragen stellen wie damals. Wird sie nur profitorientiert sein, oder wird sie auch dem Wohl der Menschheit dienen, sodass wir nicht nur Sklaven und Roboter des Profits sind? Und wie wird sie sich auf das Gemeinwohl auswirken? Es besteht also eine direkte Verbindung zu Rerum novarum. Und ich denke, diese Enzyklika von Papst Leo wird für viele Generationen von großer Bedeutung sein.“

Das Interview mit Erzbischof Hicks führte Deborah Castellano.

(vatican news – sk)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

05. Juni 2026, 10:11