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Aki Nishio zu Besuch im Radio-Vatikan-Gebäude  Aki Nishio zu Besuch im Radio-Vatikan-Gebäude  

Weltbank-Vertreter: Entwicklung stagniert, wo sie am dringendsten nötig ist

Angesichts der zunehmenden Belastungen für die internationale Zusammenarbeit warnt Aki Nishio, Vizepräsident für Entwicklungsfinanzierung bei der Weltbank, dass die Entwicklungsfortschritte immer ungleichmäßiger ausfallen. Einige der ärmsten Länder der Welt gerieten durch die kombinierten Auswirkungen der Covid-19-Pandemie, sinkender Entwicklungshilfe, Konflikte und des Klimawandels ins Hintertreffen.



Francesca Merlo und Christine Seuss - Vatikanstadt

Während viele Entwicklungsländer Fortschritte bei Bildung, Gesundheitsversorgung und Beschäftigung erzielten, gebe es zugleich eine „entwicklungsfreie Zone“: Länder, in denen der Fortschritt aufgrund der Folgen der Covid-19-Pandemie, sinkender Entwicklungshilfe, Konflikte und des Klimawandels weitgehend zum Stillstand gekommen ist, so der Experte im Interview mit den Vatikanmedien.

Besonders betroffen seien fragile und von Konflikten geprägte Staaten. Die Internationale Entwicklungsorganisation (IDA) der Weltbank verfügt rund 40 Prozent ihrer Mittel an derartige Länder - nicht nur, weil dies eine humanitäre Aufgabe sei, sondern weil eine Unterstützung dieser Weltregionen auch im Interesse der gesamten Weltgemeinschaft liege, betont Nishio. So könnten schwache Gesundheitssysteme etwa neue Pandemien begünstigen, die ihrerseits globale Auswirkungen hätten.

Erfolgreiche Entwicklungshilfe verbessert Situation langfristig

Entwicklung dürfe jedoch nicht nur an wirtschaftlichen Kennzahlen gemessen werden, sondern daran, ob sich das Leben der Menschen tatsächlich verbessere. Als Beispiel nennt Nishio Kenia, wo sich Lebenserwartung und Gesundheitsversorgung seit den 1960er Jahren deutlich verbessert haben. Solche Fortschritte seien jedoch nur möglich, wenn Bildung, Infrastruktur, Gesundheitswesen und öffentliche Dienstleistungen zusammenspielten, so der japanische Vizepräsident der Weltbank für Entwicklungsfinanzierung.

Ein weiteres zentrales Thema sei der Klimawandel. Die ärmsten Länder hätten am wenigsten zu ihm beigetragen, litten aber am stärksten unter seinen Folgen, gibt Nishio zu bedenken. Dürren, Überschwemmungen, steigende Meeresspiegel und extreme Wetterereignisse zerstörten Lebensgrundlagen und verschärften Armut und Unsicherheit. Deshalb unterstütze die Weltbank zunehmend Projekte zur Anpassung an den Klimawandel.

Schuldenkrise bereitet Sorge

Doch auch die Schuldenkrise vieler Entwicklungsländer bereitet Sorge. Nishio unterscheidet dabei zwischen den günstigen Krediten und Zuschüssen der IDA und kommerziellen Krediten, die häufig die eigentliche Schuldenlast verursachten. Die IDA stelle finanzielle Mittel zu sehr niedrigen Kosten bereit und helfe Ländern, wichtige öffentliche Dienstleistungen aufrechtzuerhalten, erläutert er.

Als Beleg für den Erfolg von Entwicklungshilfe verweist Nishio darauf, dass seit Gründung der IDA bereits 33 Länder ihre Unterstützung nicht mehr benötigten. 25 von ihnen seien später selbst zu Geberländern geworden. Besonders eindrucksvoll sei das Beispiel Südkoreas, das einst zu den ärmsten Ländern der Welt gehörte und heute einer der größten Geldgeber der IDA sei.

Erfolgreiche Entwicklungshilfe schaffe also keine Abhängigkeit, sondern die Voraussetzungen für Eigenständigkeit, resümiert er im Interview mit Radio Vatikan. Angesichts sinkender Hilfsbudgets und wachsender internationaler Spannungen sei die entscheidende Frage nicht, ob Solidarität funktioniere, sondern ob die Welt bereit sei, weiterhin in sie zu investieren.

(vatican news)

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31. Mai 2026, 13:44