Kardinal Nemet kritisiert „Missbrauch“ von Religion in der Politik
Kritik übte der Angehörige der ungarischen Volksgruppe in dem Zusammenhang auch an den drei größten christlichen Kirchen in Ungarn (Calvinisten, Lutheraner, Katholiken). Diese hätten aufgrund ihrer Nähe zur abgewählten Orban-Regierung und ihrer finanziellen Abhängigkeit ihre „prophetische Stimme verloren“, so Kardinal Laszlo Nemet: „Sie haben sich nicht zu Wort gemeldet, als schwerwiegende Dinge geschahen.“
Dabei bezog sich der Kardinal auf den umstrittenen Kurs der ungarischen Regierung während der Migrationskrise 2015 sowie die Stigmatisierung bestimmter Gruppen in den vergangenen Wahlkämpfen.
Gegen Fixierung auf Sexualmoral
Was den gesellschaftlichen Diskurs der Kirche angeht, wünscht sich Nemet ein Abrücken von der „hyperreflektierten, starren Fixierung auf die Sexualmoral“. Auch andere moralische Fragen müssten in den Fokus rücken. Unterdessen sei die Atmosphäre in der Kurie unter Papst Leo XIV. „leiser und systematischer" geworden.
Der 1956 in der multiethnischen Vojvodina geborene Ordenspriester war unter anderem als Hochschulseelsorger auf den Philippinen sowie in kirchlichen Leitungsfunktionen in Wien und Ungarn tätig. Seit 2024 im Kardinalskollegium, nahm er als erster Vertreter aus Serbien im Mai 2025 im Vatikan an einer Papstwahl teil.
(kna/kap - cs)
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