Suche

Kardinal Nemet mit Christine Seuss am Vatican Media Stand auf dem Katholikentag in Würzburg Kardinal Nemet mit Christine Seuss am Vatican Media Stand auf dem Katholikentag in Würzburg 

Kardinal Nemet: Synodaler Prozess in Deutschland auf gutem Weg

Kardinal Ladislav Nemet, Erzbischof von Belgrad, war jüngst beim 104. Katholikentag in Würzburg. Radio Vatikan hat dort mit ihm über den Synodalen Weg in Deutschland und in Verbindung mit der Weltkirche gesprochen.

Die katholische Kirche in Deutschland hat dank ihrer theologischen und soziologischen Expertise sowie dem aktiven Laientum die Möglichkeit, tiefgreifende Überlegungen zur Synodalität anzustellen und diese schnell umzusetzen – manchmal wohl allerdings zu schnell für die Weltkirche, die im Sinn der Einheit mitgenommen werden muss, schmunzelt Kardinal Nemet. Doch die positiven Resultate des Synodalen Weges werden auf lange Sicht nicht auf sich warten lassen, zeigt sich der Belgrader Erzbischof im Gespräch mit uns überzeugt. Wir erreichten ihn am Rand eines Podiums zur Synodalität beim Katholikentag in Würzburg.

Interview

Sie sind sehr involviert im synodalen Unterscheidungsprozess, auch in Deutschland. Wo verorten Sie eine Entwicklung nach vorne, und wo können die Deutschen ein Beispiel für andere Länder sein?

Kardinal Nemet: „Ich glaube, die deutsche Kirche ist eine sehr starke Kirche, eine Kirche mit sehr vielen gut ausgebildeten Laien, Theologen, Theologinnen, Freiwilligen, Menschen, die für die Kirche etwas tun und auch vollbeschäftigte Theologen, die für die Kirche arbeiten. Das ist eine besondere Situation. Das ermöglicht der deutschen Kirche, wirklich eine tiefe theologische, soziologische Reflexion über die Fragen der Synodalität anzustellen.

„Tiefe theologische, soziologische Reflexion über die Fragen der Synodalität“

In diesem Sinne ist die deutsche Kirche der Weltkirche voran. Sie hat verschiedene Themen tief bearbeitet und detailliert aufgearbeitet, die auf der Weltbühne noch nicht so weit sind. Deswegen glaube ich, dass die deutsche Kirche in diesem Sinn ein gutes Beispiel ist.

Kardinal Nemet beim Podium in Würzburg
Kardinal Nemet beim Podium in Würzburg

Natürlich, die deutsche Kirche ist eine starke Kirche, die auch finanziell sehr viele Bemühungen der Synodalität unterstützt. Ich hatte in meiner ersten Diözese eine Synode gefeiert zwischen 2017 bis 2021 (in der serbischen Diözese Zrenjanin, Anm. der Redaktion) - und dank Renovabis waren wir in der Lage, auch Experten einzuladen. Leider haben wir in Serbien keine weiterführende theologische Ausbildung, das heißt, wir mussten Experten aus dem Ausland holen. Eine bekannte Persönlichkeit war Klara-Antonia Csiszar, die uns vier Jahre lang begleitet hat. Sie ist auch jetzt bei dem weltweiten synodalen Prozess involviert. Und deswegen konnten wir etwas machen.

„Die deutsche Kirche ist eine starke, gute Kirche, die Positives machen kann“

Die deutsche Kirche ist eine starke, gute Kirche, die Positives machen kann. Womit wir natürlich auch Probleme haben: die deutsche Kirche arbeitet sehr schnell, schreitet voran, hört aber vielleich manchmal zu wenig auf andere Stimmen oder genießt es auch ein bisschen, die Kurie zu provozieren... Das gehört zu diesem Stil. Ich glaube aber, dass das auch notwendig ist. Wir  sehen aber auch eine zunehmende Annäherung zwischen dem deutschen Synodalen Weg und dem weltkirchlichen Prozess.

„Wir sehen den synodalen Prozess, wir sehen aber auch die Annäherung zwischen den deutschen Prozess und dem weltkirchlichen Prozess. Das ist sehr gut zu sehen“

Und es ist sehr gut zu sehen: die ursprüngliche, anfängliche, geradezu übergroße Begeisterung für den Synodalen Weg hat ein bisschen nachgelassen. Dies hat dazu geführt, dass die Römische Kurie, die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) mehr miteinander reden und diskutieren können, und wir positive Resultate sehen.“

Das Interview zum Nachhören

Eine Frage an Sie als Beobachter von außen, der aber doch in gewissem Sinn involviert ist: Wie wird denn in der deutschen Kirche die große Aufmerksamkeit von Rom auf diesen Prozess aufgenommen?

Kardinal Nemet: „Wir freuen uns - das sage ich im Namen meiner Ortskirche und der Kirchen, die ich etwas besser kenne, auch im Ausland. Wir freuen uns, dass die Römische Kurie sich sozusagen eingemischt hat. Eingemischt in dem Sinne, dass sie wirklich nachfragen, was passiert, warum das so passiert. Das beruhigt uns.

Natürlich bin ich mir sicher, dass das ein bisschen Nervosität in der deutschen Kirche hervorruft, in dem Sinn, dass Rom immer da ist, wo es nicht sein sollte (lacht). Aber es ist für uns eine Garantie, dass die Einheit der Kirche in der Vielfalt doch weiterhin besteht und diese Garantie ist der Heilige Vater. Wollen wir das oder wollen wir das nicht in der katholischen Kirche? Er ist das Haupt, und er ist unser „Haupt-Diener“. Und das macht er sehr gut.

„Bin sehr froh, dass wir Papst Leo haben, der mit einem recht lockeren Zugang viel Ruhe in die Kirche gebracht hat“

Ich bin sehr froh, dass wir heute Papst Leo haben, der mit einem recht lockeren Zugang viel Ruhe in die Kirche gebracht hat. Bei Franziskus waren wir sicher, dass er prophetisch reden wird, auch wenn er manchmal provokant war und zum Denken provoziert hat. Aber Leo ist einer, der den Frieden und die Zusammenarbeit sucht. Und das ist jetzt wirklich wichtig. Die positiven Resultate des deutschen Synodalen Weges werden sich herauskristallisieren, da bin ich mir sicher - und das wird uns gute Ergebnisse bringen.“

Mit Kardinal Nemet sprach Christine Seuss

(vatican news) 

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

20. Mai 2026, 13:05