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Anhänger von Museveni in Kampala Anhänger von Museveni in Kampala  (SIMON PETER TUMWINE)

Uganda: „Institutionen aufzubauen dauert Jahre“

In Uganda finden am 15. Januar Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Oppositionspolitiker Robert Kyagulanyi, auch bekannt als Bobi Wine, tritt als Favorit vieler junger Leute zum zweiten Mal gegen Langzeit-Präsident Yoweri Museveni an, der das Land seit 1986 regiert. Radio Vatikan sprach mit dem ugandischen Wissenschaftler Anthony Ssembatya über Herausforderungen des Landes.

Anne Preckel - Vatikanstadt

In Uganda sind fast 75 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt. Viele junge Leute erhoffen sich von der Wahl „neue Perspektiven“, berichtet der ugandische Wissenschaftler Anthony Ssembatya. Radio Vatikan traf den Soziologen im November in Kampala und sprach mit ihm über Herausforderungen in seinem Heimatland. Es gebe in Uganda nicht wenige junge Menschen, die sich einen politischen Wandel erhofften, merkte er dabei mit Blick auf die Wahlen vom 15. Januar an. 

Arbeit und Perspektiven gesucht

Drängende Probleme junger Leute in Uganda, wo mehr als 40 Prozent der Bevölkerung in extremer Armut leben, sind die hohe Arbeitslosigkeit, HIV und fehlende Infrastrukturen im Gesundheits- und Bildungsbereich, vor allem auf dem Land. Diese Jugend versucht der ehemalige Rapper und Oppositionelle Bobi Wine anzusprechen, der 2021 bei den Wahlen rund 35 Prozent aller Stimmen erhielt. Wine, der aus einem Armenviertel in Kampala stammt und als Musikstar Karriere machte, tritt gegen Korruption und für Menschen- und Bürgerrechte ein. Der Vorsitzende der „National Unity Platform“ (NUP) gilt als wichtigster Herausforderer des 81-jährigen Präsidenten Museveni, der sein siebtes Mandat anstrebt.

Yoweri Kaguta Museveni in diesen Tagen
Yoweri Kaguta Museveni in diesen Tagen

Wie schon bei den Wahlen 2021 ist Präsident Museveni auch in diesem Wahlkampf mit harter Hand gegen die Opposition vorgegangen. So wird über Repressionen und Massenverhaftungen berichtet, aktuell ist offenbar auch das Internet eingeschränkt. Inwiefern die Bevölkerung unter diesen Umständen tatsächlich geordnet wählen kann, ist fraglich, auch mögliche Manipulationen der Ergebnisse werden befürchtet.

Ssembatya verwies im Interview mit Radio Vatikan darauf, dass es auch infrastrukturelle Probleme gebe und bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Frauen und die Landbevölkerung ihr Wahlrecht möglicherweise nicht überall in Anspruch nehmen könnten. Dass es auch in Uganda wie im Nachbarland Tansania nach den Wahlen zu Eskalationen kommt, ist nicht ausgeschlossen. Der katholische Erzbischof von Kampala rief die Bevölkerung zuletzt zu Gewaltlosigkeit auf und zeigte sich tief besorgt.

Robert Kyagulanyi alias Bobi Wine mit Wahlbeobachtern in diesen Tagen in Kampala
Robert Kyagulanyi alias Bobi Wine mit Wahlbeobachtern in diesen Tagen in Kampala

Stabilität und Aufschwung?

Im Wahlkampf hat sich Langzeitpräsident Museveni als Garant von Stabilität dargestellt und wirtschaftliche Entwicklung für Uganda versprochen, die er durch Erdölförderung und ausländische Kooperationen erreichen will. So hat er den Bau einer Raffinerie und einer Pipeline nach Tansania angekündigt, die bis Ende des Jahres in Betrieb genommen werden soll. Unter den ausländischen Investoren in Uganda finden sich neben China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar auch die USA. Oppositionspolitiker Wine will beim Abbau der Ressourcen Ugandas eigenen Angaben nach vor allem sicherstellen, dass diese wirtschaftliche Erschließung tatsächlich „im Interesse Ugandas“ geschieht.

Was die regionale Sicherheitslage betrifft, ist Uganda im Vergleich zu anderen Ländern der Große Seen-Region verhältnismäßig stabil. Das habe auch mit Museveni zu tun gehabt, der seit 1986 regiert, so Ssembatya, der im Interview auch auf Verdienste des Langzeitherrschers einging. „Uganda liegt in der Mitte der Great Lakes-Region, wo es viele Kriege und Unruhen gab und gibt, etwa (der Genozid, Anm.) in Ruanda 1994 oder der Bürgerkrieg in Burundi (1993-2005). Auch in der Demokratischen Republik Kongo herrscht bis heute Krieg, ebenso in Somalia. Uganda hat eine wichtige Rolle gespielt als Mediator in dieser Region.“

Hier zum Hören
Viele Flüchtlinge aus den Nachbarländern kommen nach Uganda
Viele Flüchtlinge aus den Nachbarländern kommen nach Uganda

Größtes Aufnahmeland Afrikas

Vor Hintergrund der Konflikte in der Region ist Uganda Ziel vieler Menschen geworden, die vor Gewalt und Krieg fliehen, vor allem aus Südsudan und Kongo. Ssembatya hat selbst Gewalt miterlebt, als er in den 1990er Jahren in Nord-Uganda an einem Priesterseminar studierte. „Es gab viel Unruhe in dieser Zeit, im Norden gab es damals den Hauptsitz der Lord’s Resistance Army. Wir haben viele schlechte Dinge erlebt, viele Tote gesehen und auch viele Binnenflüchtlinge.“ Bis heute seien die Folgen der Gewalt in Form von Traumata, Armut und Perspektivlosigkeit vor allem im Norden spürbar.

„Wir haben viele schlechte Dinge erlebt, viele Tote gesehen und auch viele Binnenflüchtlinge“

Mit fast zwei Millionen Flüchtlingen ist Uganda heute das größte Aufnahmeland Afrikas. Für seine Flüchtlingspolitik, die trotz aller Schwierigkeiten auf eine Integration der Flüchtlinge setzt, wird Uganda international gelobt. Dass das Land die Herausforderung im Großen und Ganzen gut schultert, habe auch mit der Religiosität der Menschen zu tun, ist Ssembatya überzeugt. Er selbst wäre fast Priester geworden, schlug dann aber letztlich andere Wege ein. Neben der christlichen Bevölkerungsmehrheit in Uganda mit 40 Prozent Katholiken und 30 Prozent Anglikanern gibt es auch Anhänger des Islam (13 Prozent) und traditionelle afrikanische Religionen. Präsident Museveni ist Anglikaner, Bobi Wine römisch-katholisch getauft.

„Zuerst: afrikanische Probleme brauchen afrikanischen Lösungen. Zweitens, Afrika kann nicht unabhängig arbeiten, wir sind Teil eines internationalen Systems“

Bildung, Bildung, Bildung

„Institutionen aufzubauen ist nicht eine Arbeit für einen Tag, das dauert Jahre.“

Seit der Unabhängigkeit 1962 verliefen Machtwechsel in Uganda nicht gerade friedlich. Über Spannungen im Kontext von Wahlen wundert sich Ssembatya nur begrenzt. Eines ist für den Wissenschaftler, der aktuell in Berlin lebt, aber regelmäßig nach Ugranda reist, sicher: „Ohne gute Institutionen wird es immer Unruhe geben. Und Institutionen aufzubauen ist nicht eine Arbeit für einen Tag, das dauert Jahre.“ Er selbst wünscht sich für die Zukunft seines Landes drei Dinge: „Zuerst: afrikanische Probleme brauchen afrikanischen Lösungen. Zweitens, Afrika kann nicht unabhängig arbeiten, wir sind Teil eines internationalen Systems. Wir können nicht etwas unterschreiben und es dann anders machen. Drittens braucht es Bildung, Bildung und Bildung, nicht nur in Uganda. Das bringt Arbeit und eine Zukunft, vor allem für junge Leute.“

Ssembatya im Gespräch mit A. Preckel, Radio Vatikan, im November in Kampala
Ssembatya im Gespräch mit A. Preckel, Radio Vatikan, im November in Kampala

Hier ein Videoausschnitt des Interviews

 

(vatican news – pr)

 

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14. Januar 2026, 11:01