Sri Lanka: Christen protestieren gegen Missbrauch durch Mönche
In den großen Städten in Sri Lanka protestierten am Donnerstag und Freitag Christen gegen Missbrauch durch buddhistische Geistliche. Sie forderten, dass Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden sollten, ohne politische oder religiöse Einmischung.
Hintergrund sind Vorwürfe gegen einen hochrangigen buddhistischen Mönch. Pallegama Hemarathana Thera (71) ist Hüter von acht wichtigen buddhistischen Kultstätten in Anuradhapura im Norden des Inselstaates. Ihm wird vorgeworfen, ein inzwischen 15-jähriges Mädchen mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Der Missbrauch soll schon 2022 begonnen haben; damals war das mutmaßliche Opfer erst 12 Jahre alt. Der Geistliche war wegen des Tatverdachts bereits am 9. Mai festgenommen worden.
Fast 300 Missbrauchsvorwürfe
Der Fall hat in Sri Lanka, in dem sich mehr als 70 Prozent der 22 Millionen Einwohner zum Buddhismus bekennen, eine breite und kontroverse Debatte ausgelöst. Nach Angaben der Behörden liegen inzwischen Missbrauchsvorwürfe gegen fast 300 buddhistische Mönche vor, in knapp 30 Fällen sei es zu Anklagen gekommen.
„Alle religiösen Stätten, nicht nur buddhistische Tempel, müssen für Frauen und Kinder sicher sein", sagte die an den Protesten beteiligte katholische Frauenrechtlerin Marian Pradeepa. Die Demonstranten kritisierten zudem, dass die öffentliche Aufmerksamkeit sich mehr auf die Verteidigung des Mönchs als auf die Unterstützung des Opfers konzentriere.
Die Christen machen in Sri Lanka mit knapp 7,5 Prozent (entspricht rund 1,65 Millionen Menschen) nur eine kleine religiöse Minderheit aus. Die Mehrheit davon bilden die Katholiken.
(kna – nm)
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