Pizzaballa informiert über Osterfeiern mit Einschränkungen
Am Palmsonntag hatte die israelische Polizei Kardinal Pierbattista Pizzaballa und Pater Francesco Ielpo den Zutritt zur Grabeskirche verweigert. Die beiden Kirchenvertreter kritisierten den Vorgang in einer gemeinsamen Erklärung vom Palmsonntag als „schwerwiegenden Präzedenzfall“ und Verstoß gegen die Religionsfreiheit und den Status quo, also den rechtlichen und praktischen Rahmen, der das Leben an den Heiligen Stätten und die sie schützenden Gemeinschaften regelt. Ein klärendes Gespräch gab es am Folgetag bei einer Begegnung des vatikanischen Kardinalstaatssekretärs Pietro Parolin, des vatikanischen Außenbeauftragten Erzbischof Paul Richard Gallagher und Israels Botschafter beim Heiligen Stuhl Yaron Sideman.
Vereinbarung über Osterfeierlichkeiten
Am Dienstag informierten der Lateinische Patriarch im Heiligen Land und sein Kustos nun über die Maßnahmen zu den Osterfeierlichkeiten. „Nach Rücksprache mit den Behörden haben wir eine Vereinbarung getroffen, wonach die Feierlichkeiten der Karwoche hinter verschlossenen Türen und mit einer begrenzten Anzahl von Gläubigen stattfinden werden“, so Kardinal Pizzaballa gegenüber Pressevertretern. Die Kirchen im Heiligen Land blieben also weiter geöffnet, allerdings mit Einschränkungen. Es liege „im Ermessen jeden Pfarrers, je nach Lage und Sicherheitslage vor Ort das Mögliche zu tun, um den Gläubigen die Feier der Osterriten zu ermöglichen“.
Grabeskirche: Franziskaner Zugang, Live-Stream für andere Gläubige
Das Heilige Grab bleibe „jedoch für die Öffentlichkeit geschlossen, da es in der Nähe keine Schutzräume gibt“. Feierlichkeiten seien nur für die örtliche Ordensgemeinschaft „und maximal zwei bis drei externe Personen“ erlaubt. Kardinal Pizzaballa und Pater Ielpo versicherten den Gläubigen, dass sie allerdings per Livestream am Gebet und der Kommunion teilnehmen könnten. Hauptgrund für die Beschränkungen sei weiterhin die Sicherheit der Veranstaltungsorte und der Gläubigen angesichts des andauernden Krieges zwischen Israel, den USA und dem Iran im Nahen Osten.
Hinsichtlich des Zutrittsverbotes zur Grabeskirche vom Sonntag durch die israelische Polizei formulierte Kardinal Pizzaballa am Dienstag diplomatisch: „Es ist nicht unsere Absicht, die Ereignisse vom letzten Sonntag polemisch erneut aufzurollen.“ Man habe um die Möglichkeit gebeten, an der Liturgie in der Grabeskirche teilzunehmen, „um das grundlegende Recht des Bischofs von Jerusalem auf die Feier der Palmsonntagsmesse zu wahren“, erläuterte er die Vorgänge am Palmsonntag. Allerdings habe es dann „einige Missverständnisse“ gegeben, ergänzte er.
Zutrittsverbot löste viel Schmerz aus
Der Patriarch verdeutlichte zugleich, dass das Zutrittsverbot Christen im Heiligen Land und weltweit tief getroffen habe. Es handele sich um eine „schmerzhafte Episode“. Man hoffe, dass „solche Vorfälle nie wieder vorkommen“ und die Rechte der christlichen Gemeinden im Heiligen geschützt würden. Pizzaballa bekräftigte in diesem Zusammenhang „grundlegende Prinzipien und Rechte, die wir für wesentlich und unverhandelbar halten“, etwa das Zugangsrecht des Kustos: „Der Kustos des Heiligen Landes ist der Vorsteher des Heiligen Grabes und benötigt daher keine polizeiliche Genehmigung für den Zugang zur Basilika.“ Dies sei kein Privileg, erklärte er, „sondern die Anerkennung eines seit langem bestehenden Rechts.“
Pizzaballa erinnerte an die historische und durchgängige Präsenz der Kustodie im Heiligen Land, die - gemeinsam mit der Griechisch-Orthodoxen Kirche und der Armenisch-Apostolischen Kirche - die wichtigsten Heiligen Stätten behüte. Franziskaner hätten in den vergangenen sieben Jahrhunderten „unter allen Umständen und in jeder Situation, selbst in den schwierigsten Zeiten der Geschichte, einschließlich Kriegszeiten“, in der Grabeskirche Gottesdienst gefeiert. Darüber hinaus sei die Liturgie in der Basilika seit Beginn des aktuellen Konflikts am 28. Februar nicht unterbrochen worden.
Unverhandelbare Rechte
Die aufeinanderfolgenden Regierungen im Heiligen Land hätten über Jahrhunderte hinweg den Status quo stets bestätigt und respektiert. „Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass Milliarden von Gläubigen weltweit nach Jerusalem und zu den Gebeten an den heiligen Stätten blicken. Die israelische Regierung muss dies sowie ihre Verantwortung gegenüber der christlichen Welt berücksichtigen und die Durchführung der Gebete jederzeit – trotz aller Schwierigkeiten – gewährleisten und in Abstimmung mit uns geeignete Lösungen finden. Genau das ist jetzt (am Montag, Anm.) geschehen, und es wurden Lösungen gefunden“, so der Kardinal mit Verweis auf die Vereinbarung mit den israelischen Behörden. „Dieser Dialog muss kontinuierlich und konsequent fortgeführt werden.“
Dialog
Man wolle „konstruktiv nach vorn blicken, damit die Religionsfreiheit aller Religionen stets geachtet und der Status quo – insbesondere in der Grabesbasilika – umfassend geschützt wird“, so der Patriarch weiter. „Auf diesen Prinzipien wollen wir im Dialog und in Zusammenarbeit mit den Behörden weiterarbeiten, überzeugt davon, dass gegenseitiger Respekt die Grundlage für ein authentisches Zusammenleben und den Schutz der Heiligen Stätten bildet, die nicht nur diesem Land, sondern der gesamten Menschheit gehören.“
Patriarch Pizzaballa weitete den Blick und verweis bei der Pressekonferenz auf die insgesamt unsichere Lage im Nahen Osten, und er erinnerte an das Leid der Zivilbevölkerung in diesen Ländern. „Viele Menschen sind viel stärker betroffen als wir. Ich denke an den Libanon, Syrien und andere Orte im Nahen Osten. Deshalb müssen wir auch dem Geschehen in Jerusalem die gebührende Bedeutung beimessen; wir wollen nicht den Eindruck erwecken, wir hätten das Leid für uns allein.“
Mit Blick auf das von der Knesset verabschiedete Gesetz zur Todesstrafe zeigte er sich besorgt: „Mit großem Bedauern haben wir von der Abstimmung des israelischen Parlaments zur Todesstrafe erfahren, die den Hass zwischen Israelis und Palästinensern nur weiter vertieft. Wir müssen mit allen Parteien zusammenarbeiten, um eine weitere Eskalation der Situation zu verhindern“, schloss der Kardinal.
(vatican news – pr, mit Informationen von Cecilia Seppia)
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