Bischof Bob John Hassan Koroma Bischof Bob John Hassan Koroma 

D/Sierra Leone: Bischof kritisiert Umgang mit Missbrauchstätern

Eine Öffnung aller Archive und eine „konkrete und aussagekräftige Entschuldigung“ von Diözesen und Orden, die Missbrauchstäter aus Ländern in Europa nach Afrika entsandt haben, fordert Bob John H. Koroma.

Der Bischof der Diözese Makeni in Sierra Leone schreibt in der April-Ausgabe der „Herder Korrespondenz“: „Die Wahrheit darf nicht länger in den Aktenschränken Europas versteckt werden.“

Der afrikanische Bischof betonte, es sei notwendig, bei den unabhängigen kanonischen Ermittlungen in den Ländern, in denen der Missbrauch stattgefunden hat, uneingeschränkt zu kooperieren. Diözesen und Orden, die Missbrauchstäter entsandt hätten, müssten sich direkt und öffentlich bei den Betroffenen und den Ortskirchen namentlich entschuldigen. Das sei ein „grundlegender Schritt im Prozess der Heilung und Gerechtigkeit“.

Koroma forderte außerdem umfassende Entschädigungen der Überlebenden, die Etablierung einer neuen Form der Partnerschaft mit dem Globalen Süden und eine Reform des Entsendemodells. Wenn Priester mit problematischen Neigungen als bequeme Lösung nach Afrika geschickt würden, würden die Gemeinden anderer Gläubiger als „Müllhalde“ für Probleme betrachtet, die die Verantwortlichen zu Hause nicht lösen wollen oder können. Das sei keine Partnerschaft, sondern „spiritueller Kolonialismus“.

Ohne Aufsicht zwischen den Strukturen

Geografische Entfernung dürfe keine moralische Entfernung bedeuten, bemängelt Koroma. So hätten Bischöfe und Ordensobere die Pflicht, ihre Priester zu kennen und die gesamte Herde zu schützen, „nicht nur den Teil, der ihrer Obhut anvertraut ist“.

Tatsächlich gerieten ins Ausland entsandte Priester aber oft in eine rechtliche Grauzone: Der weit entfernte entsendende Bischof habe das Gefühl, dass seine direkte Verantwortung gemindert sei. Der afrikanische Bischof, der in Bezug auf Personal und Finanzen von der entsendenden Institution abhänge, habe das Gefühl, dass ihm die Autorität fehle, einen ausländischen Priester zu disziplinieren. „Dies schafft eine brisante Atmosphäre, in der ein Priester praktisch niemandem Rechenschaft schuldig ist und sich in einem gefährlichen Raum zwischen zwei Strukturen bewegt, frei von jeder Aufsicht“, so Koroma.

Machtungleichgewicht lähmt

Missbrauch könne eine Glaubenskrise auslösen, die sich auf Familien, Dörfer und ganze Diözesen auswirke, schreibt Koroma. Neben dem betroffenen Kind spüre auch seine Familie die Auswirkungen eines solchen Vertrauensbruchs und einer solchen Pflichtverletzung. Es entstehe ein generationenübergreifendes Trauma, das eine Familie zerstöre: „Sie mag zwar wütend sein über die Tat, ist zugleich jedoch vor Angst wie gelähmt, den Vertreter der reichen Kirche und der mächtigen Institution aus Europa zu verärgern, die so viel für ihre Gemeinde leistet.“

Das auf einer Geber-Empfänger-Dynamik basierende Hilfsmodell unterstütze eine Kultur des Schweigens. Denn wer auf Hilfe für Schulen und Kliniken angewiesen sei, könne sich nur schwer gegen den Geldgeber äußern. „Das System selbst, so gut es auch gemeint war, schuf eine Machtdynamik, die die Täter schützte und die Betroffenen zum Schweigen brachte“, so Koroma. Ein „unerschütterlicher Gehorsam gegenüber Autoritäten“ in Afrika verschärfe die Problematik noch.

(vatican news – pr)

 

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27. März 2026, 11:48