Am 2. März in Kuwait-Stadt Am 2. März in Kuwait-Stadt  (AFP or licensors)

Nuntius in Kuwait: „Langer Krieg nützt niemandem“

Eugene Nugent macht sich Sorgen. Der aus Irland stammende Erzbischof ist Botschafter (Nuntius) des Papstes in Kuwait, Bahrain und Katar – und erlebt die iranischen Raketenangriffe auf Kuwait-Stadt mit.

Die Lage sei „dramatisch“, sagt Nugent im Interview mit Radio Vatikan. Eigentlich hatten sich die Staaten auf der Arabischen Halbinsel daran gewöhnt, sichere Häfen zu sein, doch jetzt werden sie in den Krieg der USA und Israels gegen Iran hineingezogen. „Wir versuchen natürlich, ruhig zu bleiben, aber es ist schon ein wenig beängstigend, das muss man sagen. In der Umgebung der Nuntiatur können wir allerdings keine Schäden feststellen. Wir sind die einzige Botschaft im Stadtteil Shaab, einer ruhigen Gegend der Stadt. Vor allem Militärstützpunkte und Flughäfen sind betroffen.“

Enttäuschte Hoffnung auf Dialog

Der Ausbruch des Krieges hat Erzbischof Nugent und viele andere in der Region kalt erwischt. „Wir sind alle ein wenig schockiert über das, was gerade passiert. Wir hatten gehofft, dass der laufende Dialog und die Verhandlungen Früchte tragen würden. Wir waren wirklich überrascht, als der Krieg ausbrach. Glücklicherweise wurden die Botschaft des Heiligen Vaters am Sonntag beim Angelus und sein Aufruf zum Gebet für den Frieden in dieser Region sowie für Dialog und Verhandlungen hier sehr positiv aufgenommen. Wir haben sie verbreitet.“

Kuwait-Stadt
Kuwait-Stadt   (AFP or licensors)

„Wir sind alle ein wenig schockiert über das, was gerade passiert“

„Stabilität und Frieden entstehen nicht durch gegenseitige Drohungen oder Waffen, die Zerstörung, Leid und Tod säen, sondern nur durch einen vernünftigen, authentischen und verantwortungsvollen Dialog.“ Das hat Papst Leo XIV. am Sonntag nach seinem Angelusgebet in Rom gesagt. In diesem Sinn engagiert sich auch der päpstliche Nuntius in Manama, Doha und Kuwait-Stadt.

Alle Mittel einsetzen, um diesen Krieg zu beenden

„Wir bleiben mit den Behörden und Botschaftern in Kontakt, vor allem um sie zu ermutigen, alle Mittel einzusetzen, um diesen Krieg zu beenden. Leider weiß niemand, wann ein Krieg endet, wenn er einmal begonnen hat. Alles gerät in Bewegung, aber man muss dennoch alle Mittel ausprobieren. Ein langer Krieg wäre für niemanden von Vorteil und würde niemandem nützen, insbesondere in einer Region, die bereits von zahlreichen Konflikten heimgesucht wurde.“

Nugent mit Papst Franziskus (Archivaufnahme)
Nugent mit Papst Franziskus (Archivaufnahme)   (Vatican Media)

„Wir leben seit Jahrhunderten in dieser Region. Jedes Land ist verpflichtet, Frieden und Harmonie anzustreben. Wir beten viel dafür“


Auch wenn derzeit die Waffen sprächen: Man müsse irgendwie wieder zurückfinden zu den traditionellen Mitteln der Diplomatie und der Verhandlungen, fordert Nugent. „Wir hoffen angesichts der Erklärung von Präsident Donald Trump über mögliche Gespräche mit dem neuen Regime im Iran, dass da ein Dialog beginnen kann. Wir wünschen uns einen vernünftigen Dialog aller Parteien. Im Moment ist das ziemlich schwierig, da die Lage im Iran sehr komplex ist. Es gibt viele verschiedene Fraktionen im Land, und es ist schwierig, die geopolitischen Dynamiken zu verstehen. Wir müssen alle Ebenen des Dialogs ausprobieren. Diplomatie ist der einzige Weg, um diesen Krieg zu beenden.“

Papst Franziskus vor drei Jahren in Bahrain

Vor drei Jahren hatte der damalige Papst Franziskus Bahrain besucht und dabei den Krieg „kindisch“ genannt: „Im Garten der Menschheit spielt man mit Raketen und Bomben“, kritisierte der Papst am Golf. Erzbischof Nugent findet diese Worte „prophetisch“. „Seit Jahrhunderten hat die Menschheit zahlreiche Kriege geführt, aber letztendlich müssen wir Geschwisterlichkeit suchen und das herausstreichen, was uns verbindet. Wir leben seit Jahrhunderten in dieser Region. Jedes Land ist verpflichtet, Frieden und Harmonie anzustreben. Wir beten viel dafür.“

„Einige Kirchen sind noch geöffnet, andere sind geschlossen“


Letzte Woche haben die Katholiken in Kuwait-Stadt mit einer Messfeier in der Kathedrale an den vierten Jahrestag des Krieges in der Ukraine erinnert. „Vier Tage später brach hier der Krieg aus. Nur das Gebet und während der Fastenzeit das Fasten sind wichtig. Es ist ja derzeit auch Ramadan: Christen und Muslime befinden sich in einer Zeit des Fastens und Betens. Bitten wir Gott, uns das Geschenk des Friedens zu gewähren!“

Netzwerk des Gebetes

Erzbischof Nugent erklärt uns, er stehe in täglichem Kontakt mit Bischof Aldo Berardi, dem Apostolischen Vikar von Nordarabien, und mit den Pfarrern in den drei Ländern, für die er verantwortlich ist.


„Ich versuche, sie zu ermutigen und zu unterstützen. Einige Kirchen sind noch geöffnet, andere sind geschlossen, daher gibt es private Messfeiern. In der Nuntiatur feiern wir jeden Morgen um 7.30 Uhr die Messe, und am Nachmittag um 17.00 Uhr beten wir den Rosenkranz für den Frieden. Wir haben Gebetsgruppen auf WhatsApp. Ich ermutige jeden, ruhig zu bleiben und zur Jungfrau Maria um dieses Geschenk zu beten, das wir alle brauchen… Durch ihre Fürsprache bei ihrem Sohn wird der Krieg beendet werden.“

Das Interview mit Erzbischof Nugent führte Delphine Allaire vom französischen Programm von Radio Vatikan.

(vatican news – sk)
 

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03. März 2026, 12:34