Jerusalem: Kustos bittet um das „Geschenk des Friedens“
Mario Galgano - Vatikanstadt
In Jerusalem, dem geistlichen Herzen der Region, wächst die Sorge vor einem Flächenbrand. „Wir dürfen nicht müde werden, Gott um Hilfe zu bitten, damit sich die Herzen versöhnen und der Weg der Diplomatie gewählt wird“, erklärte Francesco Ielpo. In Anlehnung an die Worte von Papst Leo XIV. betonte er die oft unterschätzte „Kraft des Gebets“ als Werkzeug gegen die Hoffnungslosigkeit des Krieges.
Drohnenangriffe und diplomatische Schockwellen
Der Appell erfolgt vor einem düsteren Hintergrund: In der vergangenen Nacht erreichten iranische Drohnenangriffe Ziele in Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Riad wurde die US-Botschaft getroffen, woraufhin US-Präsident Donald Trump eine „angemessene Antwort“ ankündigte. Während das Gebäude in Kuwait präventiv geschlossen wurde, versicherte die iranische Regierung paradoxerweise, „keine Feindseligkeit“ gegenüber ihren Nachbarn zu hegen.
Israelische Bodenoffensive und strategische Ziele
Unterdessen rücken israelische Truppen weiter auf libanesisches Staatsgebiet vor. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu betonte, die Operation werde so lange dauern, bis die Bedingungen für eine „demokratisch gewählte Regierung“ im Iran geschaffen seien. Als Grund für den Zeitpunkt des Angriffs nannte Netanyahu die kurz bevorstehende „Unantastbarkeit“ des iranischen Atomprogramms: „Hätten wir jetzt nicht eingegriffen, gäbe es in Zukunft keine Möglichkeit mehr dazu.“
Hilfswerke setzen auf interreligiöse Solidarität
Trotz der militärischen Härte berichten Hilfsorganisationen von einem anderen Gesicht der Region. Romina Elbracht, Nahost-Expertin des katholischen Hilfswerks missio Aachen, sieht gerade jetzt eine Chance für gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Ich gehe davon aus, dass auch jetzt wieder eine Solidarität zwischen unterschiedlichen Religionsgemeinschaften zu erwarten ist, insbesondere im Libanon“, so Elbracht in einem Interview mit dem epd.
Die Expertin gab zu bedenken, dass schätzungsweise 80 bis 85 Prozent der libanesischen Bevölkerung den Kurs der Hisbollah nicht mittragen und in Frieden leben wollen. Dennoch stellen die neuen Fluchtbewegungen und ein plötzlicher Kälteeinbruch die Helfer vor enorme logistische Herausforderungen.
Die Kirche als letzter Anker
Für missio Aachen bleibt die Arbeit im Libanon, Syrien, Irak und Gaza trotz der Gefahr essenziell. Elbracht betonte, dass kirchliche Partner oft die „letzten verlässlichen Anlaufstellen“ für die Menschen seien, da staatliche und internationale Hilfsprogramme zunehmend gekürzt werden. Die Arbeit konzentriere sich nun verstärkt auf psychosoziale Begleitung und akute Nothilfe für jene, die zwischen die Fronten der Großmächte geraten sind.
(vatican news/epd)
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