P. Francesco Ielpo (Foto: Custodia di Terra Santa) P. Francesco Ielpo (Foto: Custodia di Terra Santa) 

Jerusalem: Kustos bittet um das „Geschenk des Friedens“

Während iranische Drohnenangriffe Ziele in der gesamten Golfregion erschüttern und die USA mit weiteren Militärschlägen drohen, erreicht die Welt ein eindringlicher Appell aus der Heiligen Stadt. Pater Francesco Ielpo, Kustos des Heiligen Landes, rief die Christen weltweit auf, nicht im Gebet für Frieden und Versöhnung nachzulassen.

Mario Galgano - Vatikanstadt

In Jerusalem, dem geistlichen Herzen der Region, wächst die Sorge vor einem Flächenbrand. „Wir dürfen nicht müde werden, Gott um Hilfe zu bitten, damit sich die Herzen versöhnen und der Weg der Diplomatie gewählt wird“, erklärte Francesco Ielpo. In Anlehnung an die Worte von Papst Leo XIV. betonte er die oft unterschätzte „Kraft des Gebets“ als Werkzeug gegen die Hoffnungslosigkeit des Krieges.

Drohnenangriffe und diplomatische Schockwellen

Der Appell erfolgt vor einem düsteren Hintergrund: In der vergangenen Nacht erreichten iranische Drohnenangriffe Ziele in Saudi-Arabien, Katar, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Riad wurde die US-Botschaft getroffen, woraufhin US-Präsident Donald Trump eine „angemessene Antwort“ ankündigte. Während das Gebäude in Kuwait präventiv geschlossen wurde, versicherte die iranische Regierung paradoxerweise, „keine Feindseligkeit“ gegenüber ihren Nachbarn zu hegen.

Nachthimmel in Jerusalem
Nachthimmel in Jerusalem   (AMMAR AWAD)
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Israelische Bodenoffensive und strategische Ziele

Unterdessen rücken israelische Truppen weiter auf libanesisches Staatsgebiet vor. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu betonte, die Operation werde so lange dauern, bis die Bedingungen für eine „demokratisch gewählte Regierung“ im Iran geschaffen seien. Als Grund für den Zeitpunkt des Angriffs nannte Netanyahu die kurz bevorstehende „Unantastbarkeit“ des iranischen Atomprogramms: „Hätten wir jetzt nicht eingegriffen, gäbe es in Zukunft keine Möglichkeit mehr dazu.“

Hilfswerke setzen auf interreligiöse Solidarität

Trotz der militärischen Härte berichten Hilfsorganisationen von einem anderen Gesicht der Region. Romina Elbracht, Nahost-Expertin des katholischen Hilfswerks missio Aachen, sieht gerade jetzt eine Chance für gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Ich gehe davon aus, dass auch jetzt wieder eine Solidarität zwischen unterschiedlichen Religionsgemeinschaften zu erwarten ist, insbesondere im Libanon“, so Elbracht in einem Interview mit dem epd.

Die Expertin gab zu bedenken, dass schätzungsweise 80 bis 85 Prozent der libanesischen Bevölkerung den Kurs der Hisbollah nicht mittragen und in Frieden leben wollen. Dennoch stellen die neuen Fluchtbewegungen und ein plötzlicher Kälteeinbruch die Helfer vor enorme logistische Herausforderungen.

Juden in Jerusalem
Juden in Jerusalem

Die Kirche als letzter Anker

Für missio Aachen bleibt die Arbeit im Libanon, Syrien, Irak und Gaza trotz der Gefahr essenziell. Elbracht betonte, dass kirchliche Partner oft die „letzten verlässlichen Anlaufstellen“ für die Menschen seien, da staatliche und internationale Hilfsprogramme zunehmend gekürzt werden. Die Arbeit konzentriere sich nun verstärkt auf psychosoziale Begleitung und akute Nothilfe für jene, die zwischen die Fronten der Großmächte geraten sind.

(vatican news/epd)

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04. März 2026, 10:17