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Kardinal Jean Paul Vesco, Erzbischof von Algier Kardinal Jean Paul Vesco, Erzbischof von Algier  

Kardinal in Algerien: Papstbesuch rückt Augustinus und Dialog in den Fokus

Leo XIV. reist Mitte April nach Algerien, als erster Papst. Der Erzbischof von Algier, Kardinal Jean-Paul Vesco, beschreibt die Visite vorab im Gespräch mit uns als bedeutendes Zeichen für die Kirche im Land und für den Dialog zwischen Christen und Muslimen im muslimisch geprägten Nordafrika.

Jean-Charles Putzolu und Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Vesco sprach von einer schon lange erhofften und ersehnten Reise. Bereits unter Papst Franziskus habe die Kirche in Algerien eine Einladung ausgesprochen. Leo XIV. habe diese „sehr schnell angenommen“ und Algerien früh als Reiseziel festgelegt.

Für Vesco steht der Besuch im Zusammenhang mit der Ausrichtung des neuen Pontifikats. Nach Reisen in die Türkei und in den Libanon richte sich der Blick erneut auf ein mehrheitlich muslimisches Land. „Das sagt etwas über das Pontifikat von Leo XIV. aus. Ich denke, das ist ein sehr schönes Zeichen der Offenheit vonseiten des Papstes, vonseiten der Autoritäten, vonseiten aller. Und das brauchen wir“, erklärte der Kardinal.

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Besuch bei Augustinus

Ein zentraler Teil der Reise führt nach Annaba, dem früheren Hippo Regius, wo der Kirchenvater Augustinus wirkte. Dort sei der heutige Papst als Oberer des Augustinerordens zweimal gewesen, sagte Vesco. Er erinnerte an die dramatischen Umstände von Augustins Tod während der Belagerung durch die Vandalen. „Wer hätte sich im Jahr 430 vorstellen können, als der heilige Augustinus krank war und die Vandalen vor den Toren standen, dass sechzehn Jahrhunderte später ein Papst, der sich auf ihn beruft, in diese Stadt kommen würde?“, fragte der Kardinal. Diese Perspektive eröffne „eine enorme Quelle der Hoffnung über die lange Zeit hinweg“.

Der Erzbischof verwies zudem auf die Verbindung zwischen Leo XIV. und den Märtyrern Algeriens. Kardinal Prevost sei am Gedenktag der 19 seligen Märtyrer des Landes zum Papst gewählt worden, und darauf habe er den neuen Pontifex aufmerksam gemacht, als er ihn nach Algerien einlud. In seiner Friedensbotschaft habe Leo Worte des Priors von Tibhirine, Christian de Chergé, aufgegriffen: „Herr, entwaffne ihn, entwaffne mich, entwaffne uns.“

Während des Besuchs will Leo XIV. auch die kleine katholische Gemeinschaft des Landes treffen, unter anderem in der Basilika Notre-Dame d’Afrique in Algier. Für Vesco steht dabei weniger ein großes Programm im Mittelpunkt. „Es wird einfach die menschliche Begegnung sein, die Geschwisterlichkeit“, sagte er. Der Besuch bedeute zugleich Anerkennung für eine Kirche, die bewusst im Alltag der algerischen Gesellschaft präsent bleibe.

Märtyrerkirche in Algerien

Der Kardinal betonte die Bedeutung des interreligiösen Zusammenlebens in einer stark vom Islam geprägten Region. Gerade in Algerien sei eine Märtyrerkirche zu Hause, die „den Preis des Blutes bezahlt hat für ihren Wunsch, weiterhin das Evangelium zu verkünden“, sagte er. Unter diesen Voraussetzungen bleibe das Gespräch und das Zusammenleben der Gläubigen verschiedener Religionen zentral. „Wir brauchen den interreligiösen Dialog. Grundsätzlich ist das, wonach wir dürsten und was die Welt braucht, ein Dialog des Lebens“, erklärte der Kardinal.

Dieser Dialog vollziehe sich nach seinen Worten im Alltag. „Es sind Menschen, die einander begegnen, und der religiöse Unterschied kann nur ein Gewinn sein“, sagte Vesco. Falls Religion zur Barriere werde, erhalte sie „nur die Bedeutung, die wir ihr geben“.

Die Kirche habe bewusst entschieden, während der Gewaltjahre an der Seite der Bevölkerung zu bleiben. Auch das algerische Volk selbst habe Leid erfahren, es „ein Märtyrervolk“, sagte Vesco mit Blick auf den Unabhängigkeitskrieg und die sogenannte schwarze Dekade der 1990er-Jahre.

„Es ist auch ein widerstandsfähiges Volk“

Trotz dieser Erfahrungen betonte der Kardinal die Widerstandskraft von Gesellschaft und Kirche. „Es ist auch ein widerstandsfähiges Volk“, sagte er. Dass 19 Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter getötet wurden, habe die Kirche geprägt. „Die Seligsprechung dieser 19 war das Zeugnis einer Kirche, die treu geblieben ist und dafür Risiken auf sich genommen hat“, erklärte Vesco. Dieses Zeugnis bleibe bis heute lebendig.

Mit Blick auf die Situation der Länder rund um das Mittelmeer, an das drei Kontinente grenzen, warnte Vesco vor Abschottung. „Diese mediterrane Zivilisation ist ein Reichtum. Das Mittelmeer, Mare Nostrum, ist nicht dazu bestimmt, eine Grenze zu sein. Heute ist es jedoch eine Grenze, es ist auch ein Leichentuch. Dafür ist es nicht geschaffen.“ Der Kardinal, der selbst aus dem Mittelmeer-Anrainerstaat Frankreich stammt, erinnerte an die vielen Gemeinsamkeiten. „Rund um das Mittelmeer sieht man dieselbe Fauna, dieselbe Flora, dieselben Kulturen. Ebenso gibt es, egal ob man Muslim oder Christ ist, dieselbe Form der Volksfrömmigkeit, der Volksreligiosität. Sobald man sich ein wenig nach Norden, Süden, Osten oder Westen entfernt, ändert sich alles sehr schnell innerhalb weniger Dutzend Kilometer. Aber das Mittelmeer selbst bildet ein Ganzes. Es ist eine Kultur, die sich mit anderen verbindet und die sanft ist.“

In Nordafrika waren bisher die Päpste Johannes Paul II. und Franziskus zu Besuch. Johannes Paul reiste 1985 nach Marokko, Franziskus 2019 ebenfalls nach Marokko, der argentinische Papst war überdies 2017 in Ägypten. Tunesien und Libyen wurden bisher von keinem Papst besucht.

(vatican news – gs)

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27. Februar 2026, 13:03