Aufräum-Aktion vor einem Krankenhaus in Uvira, Ostkongo Aufräum-Aktion vor einem Krankenhaus in Uvira, Ostkongo  (AFP or licensors)

Ostkongo: „Schweigen über die Lage ist gewollt“

Im Osten der Demokratischen Republik Kongo hält die Gewalt an, während die internationale Aufmerksamkeit schwindet. Der Generalvikar von Bukavu, Floribert Bachimbe, sieht darin keinen Zufall, weil sich am Konflikt so besser verdienen lässt. Frieden bleibe möglich, sagte er im Gespräch mit uns, doch wirtschaftliche und politische Interessen förderten das Wegsehen.

Bachimbe wirkt in einer Region, die seit mehreren Jahrzehnten von bewaffneten Konflikten, Vertreibungen und schweren Menschenrechtsverletzungen geprägt ist. Bukavu, die Hauptstadt der Krisenprovinz Süd-Kivu, liegt direkt an der Grenze zu Ruanda, am südwestlichen Ende des Kivusees. Trotz eines jüngst von den USA vermittelten Friedensabkommens zwischen Kongo und Ruanda kommt die Region nicht zur Ruhe, erst vor einem Monat starben 400 Zivilisten bei einer Rebellenoffensive im Zusammenhang mit der von Ruanda unterstützten Miliz M23. Papst Leo hatte erst am vergangenen Sonntag zu Solidarität und Frieden im Ostkongo aufgerufen: „Beten wir dafür, dass unter den Konfliktparteien stets der Dialog für Versöhnung und Frieden vorherrscht“, sagte er beim Mittagsgebet.

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Dass über den Ostkongo derzeit kaum berichtet wird, bewertet Bachimbe kritisch. Er vermutet dahinter Absicht. „Ich denke, das Schweigen über die Lage im Osten des Kongo ist gewollt. Denn heute ist man in der Welt, wenn ich das so sagen darf, auf der Suche nach einer wilden Ökonomie. Man verdient viel mehr in einer Situation des Krieges, in einer Situation des Konflikts als in einer Situation des Friedens“, erklärte er. Internationale Verständigung habe kaum Auswirkungen auf die Lebensrealität der Menschen: „Man hat viele Abkommen gesehen, die unterzeichnet wurden, in Doha und in Washington, aber vor Ort sieht man keine Ergebnisse“, sagte Bachimbe.

Vertriebene der anhaltenden Gewalt im Ostkongo
Vertriebene der anhaltenden Gewalt im Ostkongo

Dialog zwischen verfeindeten Gruppen hält Bachimbe weiterhin für realistisch, wenn er sich von politischer Rhetorik löse. „Ich glaube, dieser Dialog ist möglich, wenn man ihn außerhalb des politischen Diskurses führt, denn was unsere ganze Situation zerstört hat, waren oft politische Reden“, erläutert der Kirchenmann.

Anzeichen der Hoffnung

Trotz der Gewalt erkennt Bachimbe Anzeichen von Hoffnung. Schon vor den massiven Konflikten hätten die Völker der Region zusammengelebt. Und in vielen Gemeinden bestehe ein starker Wunsch nach einer besseren Zukunft. „Es gibt mehrere Signale der Hoffnung, die aufkeimen. Der tiefe Wille der Gemeinschaften, zusammenzuleben und sich zu versöhnen, ist für mich ein starker Hebel“, sagte er. Dieser Impuls brauche jedoch Rückhalt. „Der Schwung muss durch ein aufrichtiges Engagement der politischen und religiösen Führer für einen inklusiven Dialog, für Gerechtigkeit und Wahrheit unterstützt werden. Auch wenn es genau das ist, was oft nicht gewünscht wird“, so Bachimbe.

Bischöfe, die klar reden, gelten schnell als „beleidigende Politiker“

Die katholische Kirche steht im Kongo generell in hohem Ansehen. Bischöfe scheuen auch nicht davor zurück, politische Missstände zu benennen. Das macht ihre Lage nicht immer einfach, wie der Generalvikar erklärt. Seelsorger stünden unter Druck, würden bedroht und diffamiert. „Wenn man die Hirten in dieser Region wirklich unterstützen will, braucht es moralische und geistliche Unterstützung. Sie müssen begleitet werden, damit sie sich nicht mehr allein fühlen angesichts von Bedrohungen und falschen Anschuldigungen“, sagte er. Nötig sei auch Schutz. „Also für ihre Sicherheit eintreten und aufhören, sie zu beleidigen oder Hassreden gegen sie zu führen“, forderte Bachimbe. In der Demokratischen Republik Kongo würden Bischöfe oft als „beleidigende Politiker“ bezeichnet, „weil man bestimmte Wahrheiten nicht akzeptiert, die sie sagen wollen.“

„Säulen der Widerstandskraft und auch der Solidarität“

Seelsorge bedeute im Ostkongo, bei den Menschen zu bleiben, trotz Bedrohungen und Attacken auf kirchliche Einrichtungen. Neben der Seelsorge wird auch konkrete Hilfe geleistet, und dieser Einsatz nimmt einen ökumenischen wie auch einen interreligiösen Zug an, sagt der Generalvikar von Bukavu: „Angesichts des extremen Leids im Osten unseres Landes handeln die katholische Kirche und andere Religionsgemeinschaften als Säulen der Widerstandskraft und auch der Solidarität. Sie begnügen sich nicht damit zu beten, sondern engagieren sich konkret vor Ort.“ Für die katholische Kirche umfasst dieses Engagement geistliche und psychosoziale Begleitung sowie humanitäre Hilfe, etwa über die Caritas. Papst Franziskus wäre seinerzeit gerne in den Ostkongo gekommen, aber aus Sicherheitsgründen, sagt der Generalvikar, musste er seinen Aufenthalt im Land auf die Hauptstadt Kinshasa beschränken. Eine Option, die die Priester und Ordensleute im Ostkongo nicht in Betracht ziehen: Die katholische Kirche hält an ihrer Präsenz an der Seite der Menschen in der Region fest, trotz aller Unsicherheit.

(vatican news – gs)

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22. Januar 2026, 12:31