Polizeifahrzeug in Kaduna Polizeifahrzeug in Kaduna 

Nigeria: Über 160 Gläubige bei Angriff auf zwei Kirchen verschleppt

Der Angriff ereignete sich im Bundesstaat Kaduna, einer der instabilsten Regionen des Landes. Zeugenaussagen zufolge kamen die Angreifer in großer Zahl, umzingelten die Gotteshäuser, blockierten die Zufahrtswege und zwangen die Gläubigen, das Gebäude zu verlassen, um sie anschließend in den Busch zu verschleppen. Polizeikräfte dementierten am Dienstag die Entführungen, räumten dann aber ein, die Entführungen seien tatsächlich passiert.

Laut Medienberichten kamen die Angreifer während der Gottesdienste in den Kirchen - einige Quellen sprechen sogar von drei betroffenen Gotteshäusern. Bislang liegen noch keine offiziellen Bekennerschreiben oder Lösegeldforderungen vor. Polizeikräfte hatten im Lauf des Dienstags die Nachrichten über die Angriffe dementiert, mussten am Abend aber einräumen, dass die Entführungen am Sonntag tatsächlich stattgefunden haben.

Ein hochrangiger christlicher Würdenträger und ein Dorfvorsteher hatten am Montag gegenüber AFP erklärt, dass am Sonntag mehr als 160 Menschen in mehreren Kirchen entführt worden seien. Ein für die Vereinten Nationen erstellter Sicherheitsbericht sprach von etwa hundert Entführten, während die Christliche Vereinigung Nigerias angab, über eine Liste mit 177 Vermissten zu verfügen.

Der Polizeichef des Bundesstaates Kaduna und zwei hochrangige Regierungsbeamte hatten diese Informationen zunächst heftig dementiert und behauptet, dass Sicherheitskräfte vor Ort gewesen seien und keine Beweise gefunden hätten. Einer von ihnen bezeichnete diese Informationen als „völlig falsch”. Von dem Dementi kursieren Videoaufnahmen im Internet.

In einer Erklärung am Dienstagabend räumte der Sprecher der nationalen Polizei, Benjamin Hundeyin, schließlich ein, dass eine „Entführung” stattgefunden habe und dass die Sicherheitskräfte Maßnahmen eingeleitet hätten, um „die Opfer zu lokalisieren, sicher zu befreien und die Ruhe in der Region wiederherzustellen”.

Er fügte hinzu, dass die Erklärungen der Polizei und anderer Beamter des Bundesstaates Kaduna darauf abzielten, „unnötige Panik zu vermeiden, während die Fakten noch bestätigt wurden”.

Massenentführungen sind in Nigeria häufig, die meisten werden von kriminellen Banden begangen, die vor Ort als „Banditen” bezeichnet werden und Lösegeld fordern. Der Bundesstaat Kaduna, eine der instabilsten Regionen, liegt im Norden Nigerias. Seit Jahren kommt es dort zu bewaffneter Gewalt, Massenentführungen und Übergriffen auf zivile und religiöse Gemeinschaften.

Die zentrale Lage der Region Kaduna

Die Region gilt als strategisch wichtig, da sie sich in einem Übergangsgebiet zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem überwiegend christlichen Süden befindet. Sie wird häufig von kriminellen Gruppen und bewaffneten Milizen heimgesucht, die die schwache Präsenz des Staates in ländlichen Gebieten ausnutzen.

Obwohl die Zahlung von Lösegeld gesetzlich verboten ist, haben sich Entführungen zu einer „strukturierten und lukrativen Industrie“ entwickelt, die laut einem Bericht von SBM Intelligence, einer Beratungsfirma mit Sitz in Lagos, zwischen Juli 2024 und Juni 2025 rund 1,66 Millionen Dollar eingebracht hat. Im November wurden mehr als 300 Schüler und Lehrer einer katholischen Schule im Zentrum des Landes entführt und später wieder freigelassen.

Schwäche der Institutionen

Eine weitere Nachricht der letzten Stunden wirft ebenfalls ein Schlaglicht auf die Schwäche dieser Region. Am Morgen wurde die Freilassung von Pater Bobbo Paschal bestätigt, dem Pfarrer der Kirche Santo Stefano im Verwaltungsbezirk Kagarko, der in der Nacht des 17. November in seiner Pfarrei entführt worden war. Der Priester wurde am 17. Januar nach zwei Monaten Gefangenschaft freigelassen, wie die Erzdiözese Kaduna mitteilte. Während des Überfalls hatten die Banditen den Bruder des Geistlichen getötet.

2025 gab es in Nigeria 3.490 Opfer aufgrund ihres Glaubens

Entführungen und Angriffe auf religiöse und christliche Gemeinschaften tragen zu einem um sich greifenden Unsicherheitsgefühl bei, welcher das ganze Land prägt. Laut dem letzten Bericht von Open Doors ist Nigeria nach wie vor das weltweite Epizentrum der Gewalt gegen Christen: Im Jahr 2025 wurden 3.490 Menschen aus Glaubensgründen getötet, was etwa 70 Prozent der weltweiten Gesamtzahl entspricht.

Das Land gehört neben anderen Staaten, die von Konflikten, politischer Instabilität und der Präsenz dschihadistischer Gruppen geprägt sind, zu den Ländern mit einem „extremen” Maß an Verfolgung. In den letzten Monaten haben sich Entführungen von Priestern, Gläubigen und Schülern vermehrt, wie beispielsweise der Überfall auf eine katholische Schule im Bundesstaat Niger im vergangenen November, bei dem über 300 Schüler und Lehrer entführt wurden, oder die Angriffe auf Kirchen und christliche Gemeinden in den Bundesstaaten Kebbi, Kwara und Ekiti. Diese Gewalt trifft insbesondere Frauen und Minderjährige, wie auch aus dem Bericht von Open Doors hervorgeht.

Hinweis: Die Nachricht wurde am 21.1.2025 mit den Informationen über das zurückgenommene Dementi der Polizeikräfte aktualisiert.

(afp/vatican news - cs)

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20. Januar 2026, 10:10