Nigeria: Massaker an Christen und Muslimen
Der schwerste Angriff ereignete sich am 3.1. im Dorf Kasuwan Daji. Die Angreifer steckten den örtlichen Markt und umliegende Häuser in Brand und „töteten 42 Männer, nachdem sie ihnen die Hände auf dem Rücken gefesselt hatten“, teilte die Diözese mit. Zudem seien eine bislang unbekannte Anzahl Frauen und Kinder entführt worden. Bei den Opfern handelt es sich um Christen und Muslime; die gesamte Bevölkerung ist von den Übergriffen betroffen. Einem „Kirche in Not“ vorliegenden Bericht von Bischof Bulus Dauwa Yohanna aus Kontagora zufolge haben kriminelle Gruppen rund um den Jahreswechsel mehrere Dörfer in den Bundesstaaten Niger und Kebbi überfallen. Bereits am 28. Dezember hätten Angreifer in den Dörfern Kaiwa und Gebe sieben Menschen getötet und Häuser sowie Getreidelager in Brand gesetzt, heißt es in dem Bericht.
Auch kirchliche Einrichtungen betroffen
Am 2. Januar 2026 drangen Bewaffnete im Dorf Sokonbora auf das Gelände der katholischen Gemeinde ein. Dort zerstörten sie Kreuzwegstationen und Musikinstrumente. Zudem stahlen sie Motorräder, Mobiltelefone und Bargeld. Anschließend hätten sie in einer nahegelegenen Siedlung die Lebensmittelvorräte geplündert, teilte die Diözese Kontagora mit.
Der Pressebeauftragte der nigerianischen Bischofskonferenz, Pater Matthew Stephen Kabirat, sagte laut der Agentur „Aciafrica", die Banden hätten ungehindert im nördlichen Teil des Verwaltungsbezirks Borgu im Bundesstaat Niger und im südlichen Teil des Verwaltungsbezirks Shanga im Bundesstaat Kebbi umherstreifen können. Besonders alarmierend sei die Lage der über 300 Schulkinder aus Papiri, die erst kurz vor Weihnachten aus der Geiselhaft entlassen worden waren. Nach Angaben des Bischofskonferenz-Sprechers sind sie erneut schwer traumatisiert, da sie sich vor den jüngsten Angriffen mit ihren Familien in Sicherheit bringen mussten. „In den Dörfern, in denen Gerüchte kursieren, herrscht nun weit verbreitete Panik“, so der nigerianische katholische Priester. „In der gesamten Region gibt es viele Dörfer. Es gibt jedoch keine einzige größere Stadt, in die die Menschen fliehen können, um sich in Sicherheit zu bringen. Dennoch verlassen viele Menschen die Region und geben ihre Häuser und ihr Eigentum auf.“
Kirchenvertreter fordern Eingreiftruppen
„Angesichts dessen ist klar, dass bis zur Beseitigung der Banditen und ihrer Verstecke im Kanji-Wildreservat dringend eine große und gut ausgerüstete militärische Task Force in der Region benötigt wird, die in der Lage und befugt ist, die Banditen zu verfolgen, zu bekämpfen und zu eliminieren, sobald sie das Wildreservat wieder verlassen, um weitere Angriffe zu verüben“, so Pater Kabirat.
Ähnlich äußert sich in seiner Erklärung auch Bischof Yohanna, der ein sofortiges Eingreifen der Regierung fordert. Es bestehe „dringender Bedarf an einer großen, gut ausgerüsteten militärischen Eingreiftruppe, die befugt ist, die Banditen zu verfolgen“. Andernfalls drohten „anhaltende massive Verluste an Menschenleben und die dauerhafte Vertreibung großer Bevölkerungsteile“.
In einer weiteren Stellungnahme drückte der Bischof seine „tiefe Trauer“ über den Tod der 42 Männer in Kasuwan Daji aus – „Christen und Muslime gleichermaßen“. Zugleich rief er die verschiedenen Bevölkerungsgruppen dazu auf, „einander nicht als Feinde zu betrachten, sondern geeint jede Form von Gewalt abzulehnen und gemeinsam unserem gemeinsamen Feind entgegenzutreten“.
Hintergrund
Neben dschihadistischen Terrorgruppen und Extremisten aus dem Nomadenstamm der Fulani sind kriminelle Banden die Ursache von großem Leid unter Nigerias Bevölkerung. Auch wenn sich der Fokus nicht ausschließlich auf Christen und christliche Einrichtungen richtet, sind sie dennoch immer wieder besonders hart betroffen. In keinem anderen Land der Welt wurden etwa im vergangenen Jahr so viele Priester und Ordensleute entführt wie in Nigeria. Die Erpressung von Lösegeld ist für viele kriminelle Gruppen zu einer Einnahmequelle geworden.
(kirche in not/aciafrica - sst)
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