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Das Hindu-Festival Kumbh Mela in Uttar Pradesh, im Januar letzten Jahres Das Hindu-Festival Kumbh Mela in Uttar Pradesh, im Januar letzten Jahres  (ANSA)

Indien: Christen unter Druck

Christen in Uttar Pradesh sind besorgt über die Zunahme gezielter Angriffe auf Sonntagsgottesdienste durch radikale Hindu-Mobs sowie über die Verhaftung von Pastoren und Kirchgängern.

Am 4. Januar wurden in dem nordindischen Bundesstaat Sonntagsgottesdienste an fünf Orten gestört. „Es ist eine sehr seltsame, beängstigende Situation. Wir können weder in unseren Kirchen noch zu Hause beten“, sagte ein örtlicher christlicher Führer, der nicht genannt werden wollte, der Nachrichtenagentur ucanews. Pastor Ravi Joseph, der einen Gottesdienst in einem Dorf des Bezirk Varanasi leitete, wurde wegen angeblicher Bekehrungsversuche gegenüber armen Menschen vorübergehend verhaftet, zusammen mit drei weiteren Personen.

In einem anderen Fall nahm die Polizei Pastor Mithilesh Singh zusammen mit seinen Familienangehörigen im Bezirk Mirzapur fest. Zuvor hatten unbekannte Personen die Kirche betreten und einen Teil des Gebetsgottesdienstes aufgezeichnet. Kurz darauf traf ein Polizeiteam ein und nahm Singh und seine Familie in Gewahrsam. Laut einem örtlichen Christen versiegelte die Polizei auch die Kirche.

Appell an Modi

Bei einem weiteren Vorfall im Bezirk Unnao drangen Aktivisten der „Bajarang Dal“, einer rechtsgerichteten Hindu-Gruppe, in einen Sonntagsgottesdienst ein und versuchten, diesen zu stören. Die Polizei griff ein, leitete jedoch keine rechtlichen Schritte ein, wie ein christlicher Führer berichtete. Im Bezirk Sonbhadra wurde Pastor Rajnath Prajapati nach Vorwürfen der Bekehrung durch eine Menschenmenge zur Vernehmung in Gewahrsam genommen. Im Bezirk Lakhimpur Kheri drangen einige Personen, die sich als Medienvertreter ausgaben, in einen Gebetsgottesdienst ein, nahmen ihn ohne Erlaubnis auf Video auf und streamten ihn auf Facebook.

Die „All India Catholic Union“ (AICU) appellierte an Premierminister Narendra Modi, entschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der christlichen Gemeinschaften zu gewährleisten. Die letzten zwei Jahre seien „von Angst, Einschüchterung und Gewalt“ ihnen gegenüber geprägt gewesen. In ihrer Erklärung vom 2. Januar sagte der Verband, die Regierung Modi solle sich „dringend mit dem feindseligen Klima befassen, dem Christen in mehreren Teilen des Landes ausgesetzt sind“. Die Organisation, die rund 16 Millionen Katholiken in Indien vertritt, warnte, dass die anhaltenden Angriffe eine ernsthafte Herausforderung für die säkularen und pluralistischen Werte Indiens darstellen.


Schwieriges Jahr

Christen in Bundesstaaten wie Uttar Pradesh, Chhattisgarh, Madhya Pradesh und Odisha, die alle von Modis pro-hinduistischer „Bharatiya Janata Party“ (BJP) regiert werden, erlebten 2025 ein besonders schwieriges Jahr. Viele waren Schikanen, Störungen von Gottesdiensten, Vandalismus an Kirchen und Häusern sowie körperlichen Übergriffen ausgesetzt, so die AICU.

Uttar Pradesh, der bevölkerungsreichste Bundesstaat Indiens, ist zu einem Brennpunkt der Diskriminierung von Christen geworden und gehört zu den zwölf Bundesstaaten, von denen die meisten von der BJP regiert werden und strenge Anti-Konversionsgesetze haben, die den Religionswechsel unter Strafe stellen. Christen machen weniger als ein Prozent der über 200 Millionen Einwohner Uttar Pradeshs aus, 80 Prozent davon sind Hindus.

(ucanews – sk)

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06. Januar 2026, 11:54