Myanmar: Umstrittene Wahl beendet
Die dritte Runde der Wahlen in Myanmar ist abgeschlossen und die „Union Solidarity and Development Party“ (USDP), die der Militärjunta nahesteht, die mit dem Staatsstreich von 2021 die Macht übernommen hatte, reklamiert den Sieg für sich. Demokratische Parteien waren ausgeschlossen und viele Menschen in dem Bürgerkriegsland konnten nicht wählen. Kritiker sprechen daher von einer „Scheinwahl".
Der Militärchef, General Min Aung Hlaing, erklärte, dass er nach Abschluss der Wahlen die „staatlichen Aufgaben” einer zivilen Regierung übertragen werde, die jedoch voraussichtlich aus Militärs in Zivilkleidung bestehen wird. Das neue Parlament werde innerhalb der nächsten zwei Monate zusammentreten und den neuen Präsidenten des Landes wählen, berichtete der vatikanische Pressedienst Fides.
Der Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) hat unterdessen angekündigt, dass er die Regierung Myanmars nicht anerkennen werde, da die ASEAN keine eigenen Beobachter zur Wahl entsandt hatte. Unter den Vertretern alternativer Parteien zur USDP betonte Ko Ko Gyi, Vorsitzender der Volkspartei (PP) und Kandidat für die Wahlen im Raum Yangon sowie langjähriger Anführer der Studenten der „Generation 88“, dass die Armee ihre Rolle in der Politik Myanmars mit Fragen der Sicherheit und Stabilität rechtfertige. „Aber wenn es uns in Myanmar gelingt, ein echtes föderales System zu schaffen, das effektiv umgesetzt wird, werden die bewaffneten Konflikte abnehmen.” Auf diese Weise könne die Rolle der Armee durch Verfassungsänderungen schrittweise reduziert werden, „sobald die Stabilität wiederhergestellt ist.” Es sei wichtig, „die Rolle der Armee in der Politik zu reduzieren und diese Themen anzusprechen und aktiv darauf hinzuweisen, was im neuen Parlament diskutiert werden sollte.“
Die Wahlen fanden statt, während das Land unter den Folgen des Bürgerkriegs leidet, mit schwerwiegenden Folgen wie Armut und Isolation von mehr als 3,5 Millionen Menschen. Es gibt keine offizielle Bilanz der Opfer des Bürgerkriegs in Myanmar. Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation „Armed Conflict Location & Event Data“ (ACLED), die Berichte von Medien, NGOs und verschiedenen Quellen vor Ort sammelt, wurden seit dem Staatsstreich 2021 etwa 90.000 Menschen getötet.
(fides - sst)
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26. Januar 2026, 16:07