Frère Matthew bringt Hoffnung aus der Ukraine nach Paris
Svitlana Dukhovych - Vatikanstadt
„Ihr seid für uns ein Zeichen der Hoffnung auf Frieden, die wir alle im Herzen tragen.“ Mit diesen Worten begrüßte Frère Matthew, der Prior der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, rund 15.000 junge Menschen in der französischen Hauptstadt. Das traditionelle Europäische Jugendtreffen, das vom 28. Dezember bis zum 1. Januar stattfand, stand in diesem Jahr ganz im Zeichen der Solidarität mit der Ukraine.
Unter den Teilnehmern befanden sich zahlreiche junge Ukrainer – griechisch-katholische, orthodoxe und römisch-katholische Christen –, die trotz der harten Realität des Krieges und der Flucht den Weg nach Paris gefunden hatten. Für Frère Matthew war ihre Anwesenheit mehr als nur eine bloße Teilnahme: „Sie zeigen den Wunsch, Teil der europäischen Familie zu sein und mit anderen jungen Menschen zu interagieren – etwas, das in ihrer Heimat derzeit kaum möglich ist“.
Eine Reise an die Frontlinie
Unmittelbar vor dem Weihnachtsfest war der Prior selbst in die Ukraine gereist. Seine Route führte ihn von Lemberg über Ternopil bis nach Saporischschja im Südosten, unmittelbar an die Frontlinie. Die Eindrücke dieser Reise flossen direkt in seine Predigten während des Pariser Treffens ein.
„In der Ukraine habe ich viele mutige Menschen getroffen, die geweint haben, aber dank ihres Glaubens wieder aufgestanden sind“, sagte er gegenüber den vatikanischen Medien. „Sie sind lebendige Zeichen dafür, dass das Licht, das wir an Weihnachten feiern, tatsächlich in der Finsternis leuchtet und dass die Finsternis es nicht überwältigen konnte.“
Die Berufung von Taizé: Präsenz im Konflikt
Auf die Frage, warum er sich trotz der Gefahr zur Reise in das Kriegsgebiet entschloss, verwies Frère Matthew auf die Gründungsgeschichte seiner Gemeinschaft. Frère Roger gründete Taizé während des Zweiten Weltkriegs in einer Zone großen Leidens. „Für mich ist das die große Frage von heute: Sind wir nicht gerufen, in diesen Situationen des Krieges präsent zu sein, wo es einen Riss in der menschlichen Familie gibt?“
Besonders die Erfahrung in Saporischschja, einer der gefährlichsten Städte nahe der Front, habe seine eigene Spiritualität vertieft. Die Begegnung mit den Menschen dort habe ihm die biblische Verheißung, dass die Finsternis das Licht nicht besiegen wird, völlig neu erschlossen.
Eine Lektion in Zähigkeit
Frère Matthew betonte, dass die Europäer viel von den Ukrainern lernen könnten: „Ich sehe in ihnen eine Art Zähigkeit durch Hoffnung, die ihnen die Kraft gibt, in der aktuellen Situation zu bestehen“. Er hoffe, dass die Jugendlichen durch das Treffen in Paris neue Kraft für ihren schwierigen Alltag schöpfen konnten.
Das Treffen endete am Neujahrstag mit dem gemeinsamen Gebet für den Frieden.
(vatican news - mg)
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