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Notre Dame in Paris Notre Dame in Paris  (AFP or licensors)

Taizé-Treffen in Paris: „Wahrer Mut zur Hoffnung“

Zum Auftakt des europäischen Jugendtreffens in Paris haben führende Persönlichkeiten aus Kirche und Politik die Jugendlichen dazu ermutigt, der herrschenden Polarisierung durch Dialog und Glauben zu trotzen. Von Patriarch Bartholomaios bis zu UN-Generalsekretär Guterres reicht der Tenor: Die Begegnung ist ein Gegenentwurf zur globalen Angst.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Das 48. Europäische Jugendtreffen der Gemeinschaft von Taizé, das an diesem Wochenende in der französischen Hauptstadt beginnt, hat eine Welle internationaler Solidaritätsbekundungen ausgelöst. In ihren Botschaften würdigten Repräsentanten der Weltkirche sowie Spitzenpolitiker die Bereitschaft der Jugend, die „Kultur des Rückzugs“ zu durchbrechen.

Bartholomaois I.: „Begegnung ist keine Bedrohung“

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel richtete eine bewegende „väterliche Zuneigung“ an die Teilnehmer. Er betonte, dass ihr Engagement eine „lebendige Hoffnung“ sei, die eine von Unsicherheit und Teilung verdunkelte Welt erleuchten könne. Dass Jugendliche unterschiedlicher Traditionen zusammenkommen, zeige, „dass die heutige Jugend nicht vor Gleichgültigkeit kapituliert, sondern wagt zu glauben, dass die Begegnung mit dem Anderen eine Bereicherung und keine Bedrohung darstellt“. Er forderte die jungen Menschen auf, „Handwerker des Friedens“ zu sein und der Gewalt mit einer „demütigen, als Dienst gelebten Glaubenspraxis“ zu begegnen.

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Kirchlicher und politischer Schulterschluss

Auch aus der anglikanischen Kirche kamen stärkende Worte. Stephen Cottrell, Erzbischof von York, versicherte den Jugendlichen sein Gebet in einer Welt, die von „Unverständnis und Polarisierung“ geprägt sei.

Besonders bemerkenswert ist die Botschaft von UN-Generalsekretär António Guterres, der sich an seine eigene Zeit in Taizé als Student erinnerte. Er bezeichnete die Gründer der Vereinten Nationen ebenfalls als „Suchende“ – nach Gleichheit, Würde und Frieden. „Wie die Gemeinschaft von Taizé gezeigt hat, ist Transformation möglich, wenn wir im Geist der Solidarität zusammenkommen“, so Guterres. Angesichts von Klimakrise und Kriegen sei der Mut der Jugendlichen das notwendige Fundament für eine gerechtere Welt.

Von der Leyen erinnert an Dietrich Bonhoeffer

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen griff die zentrale Frage des Treffens auf: „Was suchst du?“. Sie reflektierte über die Krisen von der Ukraine bis zum Gazastreifen und fragte, woher man die Energie für den weiteren Weg nehmen solle. Dabei zitierte sie den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, dessen Lieder heute Teil der Taizé-Tradition sind. Bonhoeffers Definition von Optimismus als „Lebenskraft“ und „Macht der Hoffnung dort, wo andere resignieren würden“, solle den Jugendlichen als Leitbild dienen. „Es kann sein, dass morgen der Jüngste Tag anbricht; erst dann werden wir unsere Arbeit für eine bessere Zukunft beiseitelegen, aber nicht davor“, zitierte sie den Märtyrer.

Die Botschaften verdeutlichen, dass das Treffen in Paris weit über einen religiösen Kontext hinausstrahlt und als „Ikone des Evangeliums“ und der globalen Geschwisterlichkeit wahrgenommen wird.

(pm)

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27. Dezember 2025, 12:49