Katholischer US-Migrationsexperte zu Minneapolis: Dialog und Reformen nötig
Alessandro Guarasci und Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Im Interview mit Radio Vatikan berichtet Vitillo, was er aus Minneapolis hört. Dort ist die Stimmung nach den tödlichen Schüssen auf zwei US-Bürger im Rahmen einer Einwanderungsrazzia weiter angespannt.
„Zunächst einmal herrscht unter der Bevölkerung große Angst, auch Panik. Ich kenne Leute, die in Minneapolis leben, wo es diese Demonstrationen gibt und wo es diese Probleme für die Demonstranten und auch für die Einwanderer gab. Wirklich viele haben große Angst, das Haus zu verlassen, und dann gibt es auch Leute, die versuchen, Einwanderern zu helfen."
Auch die Bischöfe im Land seien angesichts der Lage sehr besorgt, berichtet der US-amerikanische Migrationsexperte.
Respekt vor dem Leben
„Der Erzbischof von Minneapolis, Bernard Hebda, hat viele Erklärungen abgegeben - vor allem Appelle für Frieden, für Dialog. Für einen Dialog untereinander und auch für Respekt gegenüber den Regierungsbeamten. Er hat auch an die Regierung appelliert, das Leben dieser Menschen zu respektieren, auch wenn sie keine Aufenthaltsgenehmigung haben. Aber auch die Bischöfe erkennen an, dass die Regierung die Grenzen kontrollieren muss, aber sie haben darum gebeten, dies mit Respekt vor dem Menschen, vor dem menschlichen Leben zu tun, und diskriminierende, rassistische Erzählungen über Menschen, die nicht wie typische Amerikaner aussehen, zu reduzieren."
US-Präsident Donald Trump hat unterdessen Aussagen führender Regierungsmitglieder widersprochen, nach denen der getötete Alex Pretti ein Attentäter gewesen sei. Es sei ein „unglücklicher Vorfall" gewesen, der untersucht werden müsse. Ein vorläufiger erster Untersuchungsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Beamten wohl nicht aus Notwehr handelten, denn Pretti habe nicht zu seiner Waffe gegriffen.
Unübersichtliche Lage
Die Lage sei insgesamt auch für die USA sehr ungewohnt und die weitere Entwicklung schwer einzuschätzen, sagt unser Interviewpartner:
„Auch für mich als US-Bürger ist es schwierig zu wissen, ob es eine Spaltung der gesamten Gesellschaft gibt oder ob es nur diese ideologischen Perspektiven auf beiden Seiten gibt, die keinen Dialog führen, um eine Lösung für die Situation zu finden."
Die katholische Kirche im Land mahnt unterdessen nicht nur immer wieder zu Dialog und Frieden und bietet Räume zum Gebet, sondern fordert auch Reformen:
„Zunächst einmal rufen die Bischöfe zum Frieden auf, sie haben die Kirchen geöffnet, um den Menschen einen Ort des Friedens und des Gebets zu bieten, und dann haben sie auch zu einer Reform des Einwanderungssystems in den Vereinigten Staaten aufgerufen."
Die beiden großen Parteien, Republikaner und Demokraten, hatten sich eigentlich über die Einwanderungsgesetzgebung geeinigt - aber nun gebe es eine Kluft zwischen beiden Parteien, und nur wenige seien bereit, miteinander zu reden und zu versuchen, Lösungen zu finden, erläutert der US-amerikanische Migrationsexperte Robert Vitillo.
(vatican news - sst)
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