Der chaldäische Patriarch von Bagdad, Paul III. Nona Der chaldäische Patriarch von Bagdad, Paul III. Nona  (AFP or licensors)

Chaldäischer Patriarch: Rückkehr der Christen größte Herausforderung

Die Rückkehr der aus dem Irak ausgewanderten Christen ist nach Einschätzung des neuen chaldäischen Patriarchen von Bagdad, Paul III. Nona, die größte Herausforderung für die christliche Gemeinschaft des Landes. „Viele sind emigriert, andere haben sich entschieden, in stabileren Gebieten zu bleiben“, sagte der vor vier Monaten gewählte Patriarch in einem Interview mit Vatican News.


Entscheidend seien politische Stabilität, Vertrauen in die Zukunft, Arbeitsmöglichkeiten und die Sicherheit vor Diskriminierung.

Besonders besorgt zeigt sich Nona über die junge Generation. „Die Jugendlichen haben die Hoffnung auf die Zukunft verloren“, sagte er. Fehlende Arbeitsmöglichkeiten und die regionale Instabilität führten dazu, dass viele junge Christen den Irak verlassen und dort daher keine Familie gründen wollten. Ohne die Beteiligung der Jugend drohe die Zukunft des Landes noch unsicherer zu werden.

Auch die politische und wirtschaftliche Lage bereitet dem Patriarchen Sorgen. Die innere Sicherheitslage sei zwar insgesamt gut, doch die Spannungen zwischen den USA und Iran wirkten sich zunehmend auf die irakische Wirtschaft aus. Die Hoffnung liege nun auf einer Regierung, die „einen starken Staat mit soliden Institutionen" aufbaue und die Korruption bekämpfe. Diese sei „der größte Feind der Nation“.

Eine besondere Bedeutung misst Nona der Wiederaufnahme des gemeinsamen Austauschs der katholischen Bischöfe bei. Am 28. August soll sich die katholische Bischofsversammlung in Ankawa bei Erbil treffen, was erstmals seit 2021 geschieht. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Zukunft der Christen im Irak und der Schutz ihrer traditionellen Siedlungsgebiete. „Niemand kann alles allein machen“, sagte Nona und plädierte für eine engere Zusammenarbeit der katholischen Kirchen.

Unvergessliche Nacht

Zwölf Jahre nach dem Vormarsch der Terrormiliz „Islamischer Staat“ auf die Ninive-Ebene erinnerte Nona zudem an die dramatische Flucht zehntausender Christen in der Nacht vom 6. auf den 7. August 2014. „Diese Nacht vergisst man nicht leicht", sagte der damalige chaldäische Erzbischof von Mossul. Bis heute seien in seiner Erinnerung die Familien präsent, die zu Fuß oder mit dem Auto flohen, allen voran „das Weinen der Kinder“. Damals habe er Priester und Bewohner telefonisch zur Flucht aufgefordert und selbst versucht, die Evakuierung einzelner Dörfer zu organisieren.

Heute sei die Situation deutlich besser, doch die Folgen der Vertreibung spüre man weiterhin. „Die Christen haben in dieser Zeit sehr viel verloren“, sagte Nona. Die schwerwiegendste Folge sei die Abwanderung großer Teile der christlichen Bevölkerung. Zwar sei die materielle Wiederherstellung der Ninive-Ebene weit fortgeschritten, demografische Rückkehr bleibe aber unvollständig.

Für eine dauerhafte Rückkehr brauche es nach Ansicht des Patriarchen vor allem Vertrauen. Christen müssten „frei leben können, mit der Gewissheit, ein stabiles Leben aufbauen zu können". Zugleich dürfe die Ninive-Ebene nicht erneut zum Schauplatz politischer und gesellschaftlicher Machtkämpfe werden. „Unsere Gläubigen sind der Konflikte müde und sehnen sich nach Frieden und Ruhe“, so das Kirchenoberhaupt.

Land, Identität und historisches Gedächtnis

Eine Warnung vor weiterem Verlust der historischen christlichen und anderen ansässigen Gemeinschaften kam indes auch vom iraksyrisch-assyrischen Autor und Mitglied des Bethnahrin National Council, Ablahad Hanna Saka. „Die größte Gefahr ist heute nicht nur der Verlust von Menschen, sondern der Verlust von Land, Identität, Sprache, Kultur und historischem Gedächtnis“, schrieb er in einem Gastkommentar für das Portal syriacpress.com am Dienstag. Schon jahrzehntelang seien insbesondere Chaldäer, Syrer, Assyrer, Jesiden und Mandäer von Gewalt, Vertreibung, Marginalisierung und Ausgrenzung betroffen gewesen.

Ein grundlegender Wandel des Staatsverständnisses sei vonnöten, so Saka. Der Irak müsse sich von einem von politischen Gruppierungen und Partikularinteressen geprägten Staat zu einem demokratischen Gemeinwesen entwickeln, in dem alle Bürger unabhängig von Ethnie, Religion oder Konfession gleichberechtigt seien und es keine „Bürger erster und zweiter Klasse“ gebe. Der Irak gehöre nicht einer Religion oder Volksgruppe, sondern allen seinen Bürgern: „Die Vielfalt ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein nationaler Reichtum, der geschützt werden muss.“

(kap/vatican news - mg)

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11. August 2026, 13:21