Chaldäischer Patriarch: Rückkehr der Christen größte Herausforderung
Entscheidend seien politische Stabilität, Vertrauen in die Zukunft, Arbeitsmöglichkeiten und die Sicherheit vor Diskriminierung.
Auch die politische und wirtschaftliche Lage bereitet dem Patriarchen Sorgen. Die innere Sicherheitslage sei zwar insgesamt gut, doch die Spannungen zwischen den USA und Iran wirkten sich zunehmend auf die irakische Wirtschaft aus. Die Hoffnung liege nun auf einer Regierung, die „einen starken Staat mit soliden Institutionen" aufbaue und die Korruption bekämpfe. Diese sei „der größte Feind der Nation“.
Eine besondere Bedeutung misst Nona der Wiederaufnahme des gemeinsamen Austauschs der katholischen Bischöfe bei. Am 28. August soll sich die katholische Bischofsversammlung in Ankawa bei Erbil treffen, was erstmals seit 2021 geschieht. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Zukunft der Christen im Irak und der Schutz ihrer traditionellen Siedlungsgebiete. „Niemand kann alles allein machen“, sagte Nona und plädierte für eine engere Zusammenarbeit der katholischen Kirchen.
Unvergessliche Nacht
Heute sei die Situation deutlich besser, doch die Folgen der Vertreibung spüre man weiterhin. „Die Christen haben in dieser Zeit sehr viel verloren“, sagte Nona. Die schwerwiegendste Folge sei die Abwanderung großer Teile der christlichen Bevölkerung. Zwar sei die materielle Wiederherstellung der Ninive-Ebene weit fortgeschritten, demografische Rückkehr bleibe aber unvollständig.
Für eine dauerhafte Rückkehr brauche es nach Ansicht des Patriarchen vor allem Vertrauen. Christen müssten „frei leben können, mit der Gewissheit, ein stabiles Leben aufbauen zu können". Zugleich dürfe die Ninive-Ebene nicht erneut zum Schauplatz politischer und gesellschaftlicher Machtkämpfe werden. „Unsere Gläubigen sind der Konflikte müde und sehnen sich nach Frieden und Ruhe“, so das Kirchenoberhaupt.
Land, Identität und historisches Gedächtnis
Ein grundlegender Wandel des Staatsverständnisses sei vonnöten, so Saka. Der Irak müsse sich von einem von politischen Gruppierungen und Partikularinteressen geprägten Staat zu einem demokratischen Gemeinwesen entwickeln, in dem alle Bürger unabhängig von Ethnie, Religion oder Konfession gleichberechtigt seien und es keine „Bürger erster und zweiter Klasse“ gebe. Der Irak gehöre nicht einer Religion oder Volksgruppe, sondern allen seinen Bürgern: „Die Vielfalt ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein nationaler Reichtum, der geschützt werden muss.“
(kap/vatican news - mg)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..