Die ukrainische Menschenrechtlerin Oleksandra Matwijtschuk Die ukrainische Menschenrechtlerin Oleksandra Matwijtschuk 

Nobelpreisträgerin: Matwijtschuk fordert KI-Regulierung und UN-Reform

Die ukrainische Menschenrechtsaktivistin Oleksandra Matwijtschuk hat am Rande der Versammlung globaler Nobelpreisträger in Castel Gandolfo eine Neuausrichtung internationaler Organisationen sowie eine striktere Kontrolle technologischer Entwicklungen gefordert.

Isabella H. de Carvalho und Mario Galgano - Vatikanstadt

Matwijtschuk, die das in der Ukraine tätige Zentrum für bürgerliche Freiheiten leitet und 2022 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, äußerte sich in einem Gespräch mit Vatican News besorgt über den Zustand der weltweiten Sicherheitsarchitektur. Nach ihrer Einschätzung befinde sich die Welt in einer Phase des Umbruchs, in der die auf der Charta der Vereinten Nationen und dem Völkerrecht basierende Ordnung zusammengebrochen sei. Als eine der zentralen Fragen des aktuellen Jahrhunderts bezeichnete sie die Klärung, wie das Leben, die Freiheit und die Würde des Menschen geschützt werden können, wenn unklar sei, ob das Recht oder die Gewalt dominiere. In diesem Kontext müsse die Rolle neuer Technologien bewertet werden:

„Wir leben in einer sehr turbulenten Zeit, in der die auf der Charta der Vereinten Nationen und dem Völkerrecht basierende Weltordnung zusammengebrochen ist. Eine der zentralen Fragen der heutigen Welt lautet wie folgt: Wie werden wir, die Menschen des 21. Jahrhunderts, die Menschen, ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Menschenwürde verteidigen? Können wir uns auf das Recht verlassen, oder zählt nur noch rohe Gewalt? Wir müssen die Rolle der Technologien dahingehend bewerten, wie sie diese Fragen beantworten.“

Zum Nachhören - was die Nobelpreisträgerin sagt

Einsatz von KI im Dienst der Menschheit

Anlass der Äußerungen war eine Konferenz zum Thema künstliche Intelligenz und nukleare Kriegsführung im Borgo Laudato Si’ in den päpstlichen Gärten von Castel Gandolfo. Bei der dreitägigen Veranstaltung im Juli 2026 kamen mehr als 200 Nobelpreisträger, Wissenschaftler, religiöse Führer und ehemalige Regierungsvertreter zusammen. Das Treffen endete mit der Unterzeichnung der „Rom-Erklärung für einen unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ auf dem römischen Kapitol. Matwijtschuk, deren Organisation seit dem Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, sprach im Rahmen einer Podiumsdiskussion über den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Dienst der Menschheit sowie in nuklearen Waffensystemen. Im Gespräch mit Vatican News betont sie, die Hindernisse, die die heutige Gesellschaften durch die neuen technologischen Möglichkeiten gegenüberstehen:

„Wir können die Menschen nicht vor Massengewalt, Autoritarismus und Kriegen schützen. Das wird nicht nur den Menschen in der Ukraine, im Sudan, in Myanmar, in Nicaragua, Venezuela oder im Gazastreifen bewusst. Es ist für alle Menschen sichtbar geworden, ganz gleich, wo sie leben“, so Oleksandra Matwijtschuk.

Um den Einsatz künstlicher Intelligenz in militärischen Konflikten und das globale Wettrüsten zu verlangsamen, plädierte die Juristin für eine stärkere Besinnung auf den Begriff der Menschlichkeit. Es werde derzeit zu viel über Technologien und zu wenig über das Menschsein gesprochen. In diesem Zusammenhang verwies Matwijtschuk auf die Enzyklika Magnifica humanitas von Papst Leo XIV. über den Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der künstlichen Intelligenz, die sie als ein wichtiges Dokument in einer Zeit ohne rechtliche und ethische Antworten bezeichnete. Sie begrüßte es, dass der Papst seine Aufmerksamkeit auf die gegenwärtige und zukünftige Rolle dieser Technologien richte:

„Ich bin sehr froh, dass es gerade in dieser Zeit erschienen ist...“

„Ich bin sehr froh, dass es gerade in dieser Zeit erschienen ist, in der wir zwar keine rechtlichen und keine ethischen Antworten haben, die Menschheit aber Klarheit braucht. Ich bin sehr dankbar, dass Seine Heiligkeit der Rolle der KI und der neuen Technologien heute und in der Zukunft seine Aufmerksamkeit widmet.“

Rechtliche Regulierung der Technologie

Als weiteren notwendigen Schritt nannte die Aktivistin die rechtliche Regulierung der Technologie, bevor Entwicklungen nicht mehr kontrollierbar seien. Es entstehe mitunter der Eindruck, dass dieser Kampf verloren gehe, noch bevor er begonnen habe. Zudem forderte sie eine tiefgreifende Reform des Systems der Vereinten Nationen, da die bestehenden Strukturen Menschen derzeit nicht wirksam vor Gewalt, Autoritarismus und Kriegen schützen könnten. Ihre Erwartungen an die konkreten Auswirkungen der Konferenz und der unterzeichneten Rom-Erklärung beschrieb Matwijtschuk als verhalten. Der tatsächliche Erfolg hänge von den nachfolgenden Maßnahmen ab.

(vatican news)

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20. Juli 2026, 10:34