Erklärung von Castel Gandolfo: „Keine Maschine darf über Überleben der Menschheit entscheiden“
Die Erklärung, die in diesen Tagen bei einer Konferenz auf dem Gelände der päpstlichen Sommerresidenz in den Albaner Bergen entstand, fordert bessere, stabile Kommunikationskanäle unter Staaten und eine internationale Überwachung und Regulierung von KI. An der Konferenz nahmen 200 Personen teil, darunter zahlreiche Nobelpreisträger und „Elder Statesmen“.
Zu den Persönlichkeiten, die die „Erklärung von Castel Gandolfo“ an diesem Donnerstag auf dem römischen Kapitol der Öffentlichkeit vorstellten, gehörte Kardinal Baldassare Reina. Er hob hervor, die eigentliche Frage habe nichts mit der „neuen Technologie an sich“ zu tun, sondern „mit dem menschlichen Herzen, das sie lenkt, dem Gewissen, das sie anleitet, der Politik, die sie reguliert“.
„Eine der ernstesten Herausforderungen unserer Zeit“
„Die heute vorgestellte Erklärung erinnert uns eindringlich daran, dass keine Maschine, kein Algorithmus und kein autonomes System in den Mittelpunkt von Entscheidungen gestellt werden darf, von denen das Überleben der Menschheit abhängt. Entscheidungen, die über Leben und Tod, Frieden und Krieg sowie die Zukunft der Völker und künftiger Generationen entscheiden, müssen unter vollständiger, verantwortungsvoller und sinnvoller menschlicher Kontrolle bleiben.“
Die möglichen Verbindungslinien zwischen Künstlicher Intelligenz und Atomsystemen nannte der Generalvikar des Papstes für das Bistum Rom „eine der ernstesten Herausforderungen unserer Zeit“. Das Risiko sei dabei nicht nur militärisch oder technologisch, sondern „menschlich, ethisch, spirituell und staatsbürgerlich“.
„Wenn die Zerstörungskraft schneller wächst als die Fähigkeit zum Dialog, wenn die Automatisierung schneller voranschreitet als die Besonnenheit, wenn das Misstrauen zwischen den Nationen zu einer dauerhaften Struktur wird, dann ist die gesamte Menschheit aufgerufen, innezuhalten und sich erneut für den Weg der Verantwortung zu entscheiden. Frieden kann nicht auf dem Gleichgewicht der Angst beruhen. Eine Sicherheit, die auf der Drohung der gegenseitigen Zerstörung aufbaut, bleibt stets fragil, provisorisch und anfällig für Fehler, Fehleinschätzungen, Unfälle und plötzliche Krisen.“
Es geschehe nicht aus „Naivität“ heraus, wenn Papst Leo XIV. – wie in seiner ersten Ansprache nach der Papstwahl am 8. Mai des vergangenen Jahres – zu einem „entwaffneten Frieden“ aufrufe. Es bedeute vielmehr die Weigerung, „Sicherheit und Drohung, Kraft und Gewalt, Stabilität und Angst in eins zu setzen“.
„Entwaffnen bedeutet nicht nur, Waffenarsenale abzubauen. Es bedeutet, Denkweisen, Sprachgebrauch, Wirtschaftssysteme und internationale Beziehungen abzurüsten. Es bedeutet den Übergang von einer Kriegswirtschaft zu einer Friedenswirtschaft. Es bedeutet, nicht in mögliche Zerstörung zu investieren, sondern in das reale Leben der Völker: Gesundheit, Bildung, Ernährung, Umwelt, menschenwürdige Arbeit und ganzheitliche menschliche Entwicklung.“
Auch der kalifornische Physik-Nobelpreisträger David Gross ergriff auf der Versammlung auf dem römischen Kapitol das Wort. Er wies darauf hin, dass aus seiner Sicht die Gefahr durch Atomwaffen heute viel größer sei als vor dreißig Jahren: Verträge zur Rüstungskontrolle seien ausgelaufen, und neun Staaten seien mittlerweile zu Atommächten aufgestiegen. „Wir bitten Sie, das Risiko von Krieg, Atomkrieg und völliger Auslöschung zu reduzieren… Denken Sie an Ihre Menschlichkeit, und vergessen Sie den Rest!“
(vatican news – sk)
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