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KI im Krieg: Nobelpreisträgerin fordert neue Regeln

Künstliche Intelligenz greift nach Ansicht der philippinischen Journalistin und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa längst unmittelbar in das Denken und Verhalten von Menschen ein. Im Gespräch mit Vatican News warnt sie vor „kognitiver Kriegsführung“ und der massenhaften Manipulation durch Narrative. Von einer internationalen Konferenz, die derzeit in Castel Gandolfo stattfindet, erhofft sie sich Impulse für eine Friedensordnung, die auch den militärischen Einsatz von KI in den Blick nimmt.

Birgit Pottler - Vatikanstadt*

Die Welt stehe erneut an einem entscheidenden Punkt, sagt Ressa am Rande der internationalen Konferenz von Nobelpreisträgern und Fachleuten zu künstlicher Intelligenz und Atomkrieg. Die philippinische Journalistin erhielt 2021 gemeinsam mit Dmitri Muratow den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz für die Meinungsfreiheit.

Vor 80 Jahren habe die internationale Gemeinschaft erkannt, dass sie zusammenarbeiten müsse, „um uns nicht selbst zu zerstören“. Heute befinde sich die Menschheit in einer vergleichbaren Situation.

„Es steckt in Ihrem Handy. Und es verändert Sie!“

Die neue Bedrohung sei jedoch weniger sichtbar als die klassischen Waffen des vergangenen Jahrhunderts. „Hier geht es nicht um Hardware“, so Ressa. „Es steckt in Ihrem Handy. Und es verändert Sie.“

Sie verweist auf „kognitive Kriegsführung“, „kognitive Dissonanz“, „kognitive Kapitulation“ und einen „Krieg der Narrative“. Mithilfe digitaler Technologien könnten Menschen in großem Maßstab beeinflusst und manipuliert werden.

Militärischer Einsatz von KI blieb ausgeklammert

Ressa ist Ko-Vorsitzende eines von den Vereinten Nationen eingesetzten wissenschaftlichen Gremiums zu künstlicher Intelligenz. Ihm gehören 40 Fachleute aus 37 Ländern an, darunter gleich viele Frauen wie Männer. Ressa bezeichnet es als eine der repräsentativsten Zusammenkünfte von Wissenschaftlern und Experten auf diesem Gebiet.

Maria Ressa bei einer Veranstaltung im Vatikan 2025
Maria Ressa bei einer Veranstaltung im Vatikan 2025   (AFP or licensors)

Einen Bereich habe das Mandat des Gremiums allerdings ausdrücklich ausgeschlossen: Waffen und den Einsatz künstlicher Intelligenz im Krieg. „Das ist der Grund, warum ich hier bin“, sagt Ressa mit Blick auf die Konferenz in Castel Gandolfo.

Zum Abschluss der Tagung soll auf dem Kapitol die „Erklärung von Rom für einen entwaffneten und entwaffnenden Frieden“ ausgearbeitet und unterzeichnet werden. Ressa verbindet damit die Hoffnung, dass auch jene Fragen aufgegriffen werden, die im Rahmen des UN-Gremiums bislang nicht behandelt werden konnten.

Der Podcast zum Nachhören

Lob für die Enzyklika von Leo XIV.

Die Konferenz orientiert sich auch an der Enzyklika „Magnifica humanitas“ von Papst Leo XIV. Einen Monat nach ihrer Veröffentlichung zieht Ressa eine positive Bilanz. Das Schreiben sei „großartig“, befindet sie. „Das musste gesagt werden.“

„Magnifica humanitas ist großartig. Das musste gesagt werden“

Politische Führung bewege sich heute vielfach in die entgegengesetzte Richtung: „weg von der Moral“ und weg von grundlegenden Vorstellungen darüber, wie Menschen miteinander umgehen sollten. Als Beispiel nennt Ressa die sogenannte Goldene Regel: Andere so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.

Die erste Enzyklika von Leo XIV. über künstliche Intelligenz sei ein „eindringlicher Weckruf“. Ressa erkennt darin auch Gedanken wieder, an denen Fachleute bereits in den Jahren 2023, 2024 und 2025 gearbeitet hätten.

„Glaube bewegt die Menschheit“

Die Nobelpreisträgerin weist auf die Bedeutung des Glaubens hin. Dieser sei nicht rational, doch er bewege die Menschheit. „Der Glaube an das Gute im Menschen liegt vielen verschiedenen Religionen zugrunde.“ An Papst Leo XIV. gerichtet, fügt die Friedensnobelpreisträgerin hinzu: „Sie müssen das tun. Wir müssen noch mehr tun.“

* Das Interview führte Isabella de Carvalho.

(vatican news - bp)

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14. Juli 2026, 16:08