Vatikan/UNO: Würde der Arbeit im digitalen Zeitalter achten
Mario Galgano - Vatikanstadt
Der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Ettore Balestrero, betonte bei der Sitzung die Notwendigkeit, den Schutz der Erwerbstätigen an deren inhärenter Würde auszurichten.
Das Wachstum digitaler Plattformen habe den globalen Arbeitsmarkt verändert, erklärte Balestrero. Zwar entstünden dadurch Beschäftigungsmöglichkeiten, gleichzeitig seien viele Arbeitskräfte jedoch veränderten Formen der Unsichtbarkeit ausgesetzt. Die Vertretung des Vatikans mahnte an, dass jede Debatte über technologischen Wandel den Menschen ins Zentrum stellen müsse. Dies entspreche der Haltung von Papst Leo XIV., welcher bezüglich der Entwicklung der künstlichen Intelligenz feststellte, dass die Herausforderung nicht technologischer, sondern anthropologischer Natur sei.
Einen zentralen Kritikpunkt bildet die zunehmende Konzentration von Marktmacht. Der Heilige Stuhl äußerte Vorbehalte gegenüber dem Umstand, dass die Kontrolle über maßgebliche Modelle der künstlichen Intelligenz bei einer geringen Anzahl von Unternehmen liege. In der Enzyklika „Magnifica humanitas“ wies Papst Leo XIV. darauf hin, dass eine solche Ballung von Macht dazu neige, intransparent zu werden und sich der öffentlichen Aufsicht zu entziehen. Dies erhöhe das Risiko von Fehlentwicklungen, welche zu Abhängigkeiten, Ausschlüssen, Manipulationen und Ungleichheiten führten. Als Gegenmodell forderte das Oberhaupt der katholischen Kirche Kooperationen auf allen Ebenen der Weltgemeinschaft, um eine gemeinsame Verantwortung für das Gemeinwohl zu etablieren.
Fundamentale Prinzipien
Die Digitalisierung berührt nach Ansicht der vatikanischen Delegation fundamentale Prinzipien des Arbeitsrechts. Bei bestimmten Plattformen liege die Entscheidung über den Zugang zur Arbeit vollständig bei den Betreibern. Dies führe in der Praxis dazu, dass Beschäftigte finanzielle Gegenleistungen erbringen müssten, um überhaupt Aufträge zu erhalten. Diese Praxis kehre den Grundsatz um, dass Arbeitskräfte nicht für den Erhalt einer Beschäftigung zahlen sollten. Der Erzbischof erinnerte daran, dass diese Entwicklung die Substanz der Arbeit berühre, da Arbeit laut den internationalen Arbeitsnormen keine Handelsware darstelle.
Abschließend rief die Delegation zu einem strukturierten Dialog mit den Sozialpartnern auf, um negativen Begleiterscheinungen der Plattform-Ökonomie entgegenzuwirken. Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz müsse dem Gemeinwohl dienen. Die Sozialpartner seien aufgefordert, Instrumente zu schaffen, die den Plattform-Arbeitern den erforderlichen Schutz garantieren.
(vatican news)
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