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KI: Vatikan will Schutz menschlicher Arbeit und globale Vision

Der Vatikan hat bei einer Tagung der „International Labour Conference“ vor erheblichen Risiken der Künstlichen Intelligenz in der Arbeitswelt gewarnt. Es brauche „einen menschenzentrierten Ansatz in mindestens fünf Kernbereichen“, so der Vatikanvertreter bei der UNO und anderen internationalen Organisationen in Genf, Erzbischof Ettore Balestrero.



KI müsse als „Werkzeug“ dem Wohl des Menschen dienen und dürfe Menschen nicht herabsetzen oder ersetzen, erinnerte der Vatikanvertreter unter Bezugnahme auf Papst Leos jüngste Enzyklika „Magnifica humanitas“. Die Menschheit stehe an einem „Scheideweg“ und sehe sich mit einem „immensen Potential“, aber auch mit erheblichen Risiken durch KI konfrontiert. Schon jetzt gebe es im Zusammenhang mit KI „neue Formen entmenschlichender Sklaverei“.

KI-Ethik nicht als Zusatz, sondern als fester Bestandteil

Um solche Tendenzen zu verhindern, dürften ethische KI-Sicherheitsvorkehrungen „nicht als nachträglicher Einfall betrachtet werden, sondern müssen frühzeitig in jeden Entwicklungsprozess von KI-Modellen eingebettet und gründlich überprüft werden, bevor diese der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, forderte der Vatikanvertreter, der fünf Aktionsfelder benannte.

In Bezug auf Infrastruktur und Kompetenzen im Zusammenhang mit KI bestehe weltweit eine „digitale Kluft“, die „immer größer wird“, nannte Balestrero einen ersten Aspekt. Um diese Kluft zu überwinden, brauche es solidarische Zusammenarbeit – sie sei „eine Grundvoraussetzung für jeden Regierungsrahmen“.

Welche Werte?

Zweitens gelte es „von Anfang an zu ermitteln und sorgfältig zu prüfen, welche Werte in KI-Modelle einfließen“. Wenn KI beispielsweise anhand von Kriterien der Produktivität und Kostensenkung bewertet werde, führe dies unweigerlich zu einer verzerrten, kommerzialisierten Vorstellung von Arbeit, nannte der Erzbischof ein Beispiel. Stattdessen müssten die ethischen Rahmenbedingungen gemeinsamen Standards der sozialen Gerechtigkeit unterliegen, um Machtmissbrauch zu verhindern. Die aktuelle Machtkonzentration in den Händen einiger weniger werfe „erhebliche ethische Bedenken“ auf.

Drittens müsse der technologische Fortschritt mit dem Schutz der Arbeitnehmerrechte einhergehen. Nicht Effizienz, sondern die Würde des Arbeitnehmers, das Recht auf angemessene Vergütung und die Möglichkeit zur Teilhabe an der Gesellschaft müssten dabei im Zentrum stehen.

„Die Tatsache, dass Arbeitnehmer oft gezwungen sind, sich dem Tempo der Maschinen anzupassen, anstatt dass Maschinen so konzipiert werden, dass sie den Arbeitnehmern helfen, muss behoben werden.“

„Datenarbeiter“ 

Außerdem brauche es mehr Aufmerksamkeit für die am stärksten gefährdeten Arbeitnehmer und ihre Arbeitsbedingungen, so Balestrero mit Verweis auf die mehr als 150 Millionen „Datenarbeiter“ weltweit. In diesem Zusammenhang müsse die laufende Arbeit des Normungsausschusses für Plattformarbeiter gefördert werden.

Fünftens sei es notwendig, die tatsächlichen Vorteile der KI sinnvoll zu nutzen, etwa durch die Übernahme gefährlicher, entwürdigenden oder monotoner Aufgaben und die Förderung von gesellschaftlicher Teilhabe. Es brauche „angemessene Sozialschutzsysteme“, „die erweiterte soziale Mindeststandards umfassen, sowie Programme zur Weiterqualifizierung und Umschulung, damit die Gesellschaft in vollem Umfang davon profitieren kann“.

Der Papst fordere eine koordinierte lokale und globale Steuerung der KI, die auf der gemeinsamen Anerkennung der angeborenen Würde und der Grundfreiheiten des Menschen beruhe, erinnerte der Erzbischof. „Eine solche Steuerung muss durch einen echten gesellschaftlichen Dialog entwickelt werden und nicht allein durch technisches Fachwissen, Entscheidungen bezüglich KI müssten die Auswirlungen auf alle Völker berücksichtigen, so der Erzbischof. Er rief die WLO dazu auf, die weiteren Entwicklungen in diesem Sinne mitzugestalten.

(vatican news – pr)
 

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05. Juni 2026, 15:44