Suche

Die Gäste von KSV Johannisthal 1980 e.V. und die Vatikan-Spieler von ASD Sport in Vaticano bei der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom Die Gäste von KSV Johannisthal 1980 e.V. und die Vatikan-Spieler von ASD Sport in Vaticano bei der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl in Rom 

Der Vatikan hat eine Frauenmannschaft? Das war schon verrückt

Berliner Fußballmannschaften sind aktuell in Rom, um in Freundschaftsspielen gegen die Nationalmannschaften des Vatikans anzutreten - dabei sind auch Frauenteams. Wir haben bei der deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl Stimmen eingefangen.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Die Verbindung zwischen dem Berliner Amateurfußball und den Auswahlteams des Kirchenstaates existiert seit wenigen Jahren. Nach ersten Kontaktaufnahmen im Jahr 2022 reiste der KSV Johannisthal 1980 im Juni 2023 erstmals mit einem Frauen- und einem Männerteam nach Rom. Im Oktober 2024 folgte der Gegenbesuch der vatikanischen Auswahlmannschaften in der deutschen Hauptstadt, der unter anderem ein Treffen mit Erzbischof Heiner Koch am Brandenburger Tor beinhaltete. Nun wird die Serie mit erneuten Partien in Rom fortgesetzt.

Zum Nachhören - was die Fußball-Gäste aus Berlin sagen

Gerald Gaedke, Vizepräsident des KSV Johannisthal 1980, erläutert den Hintergrund der Reise: „Wir sind jetzt zum zweiten Mal in Rom zu einem Freundschaftsspiel gegen Nationalmannschaften des Vatikans.“ Die Initiative ging ursprünglich vom Vereinspräsidenten aus, der die Kontakte knüpfte. Die religiöse Prägung der Beteiligten unterscheidet sich dabei deutlich. Während die vatikanischen Spieler mehrheitlich dem katholischen Glauben angehören, stellt sich die Situation bei den Gästen anders dar. „Beim KSV Johannisthal sind einige evangelisch, einige katholisch. Die Masse sind Atheisten, wie es halt in Berlin, einer Großstadt in Deutschland, so ist“, sagt Gaedke. Gemeinsame religiöse Rituale stehen daher nicht auf dem Programm. „Wir beten zwar nicht zusammen, freuen uns aber, zusammen Fußball zu spielen. Und wenn es dann mal ein bisschen hart wird, dann sieht man darüber hinweg. Es ist kein richtiger Wettbewerbscharakter dort vorhanden“, so Gaedke weiter. Der Fokus liege vielmehr auf der Gastfreundschaft des Gastgebers.

Gerald Gaedke
Gerald Gaedke

„Beim KSV Johannisthal sind einige evangelisch, einige katholisch. Die Masse sind Atheisten, wie es halt in Berlin, einer Großstadt in Deutschland, so ist“

Frauenfussball im Fokus der Begegnung

Neben den Männerspielen spielen auch die Frauenmannschaften eine Rolle bei diesem sportlichen Austausch. Für diesen Zweck wurden Spielerinnen von Askania Coepenick in die Reise eingebunden. Beate Zakrzewski, Spielerin bei SV Askania Coepenick, berichtet von ihrer Teilnahme an der Begegnung mit der weiblichen Auswahl des Vatikans. Die Existenz einer solchen Mannschaft war der Sportlerin im Vorfeld nicht präsent. „Dass der Vatikan eine Frauenmannschaft hat, gegen die man spielen kann, das war neu. Und auch wenn man das erzählt hat, war das: ‚Was? Der Vatikan hat eine Frauenmannschaft?‘ Das war schon verrückt. Und dann hat man sich ein bisschen eingelesen, um was für Frauen es sich da eigentlich handelt“, erklärt Zakrzewski.

Beate Zakrzewski
Beate Zakrzewski

„Der Vatikan hat eine Frauenmannschaft?“

Für Zakrzewski, die katholisch aufgewachsen ist und Rom bereits vor Jahren besuchte, besitzt die Reise eine persönliche Komponente. Sie betont jedoch den verbindenden Charakter des Sports über weltanschauliche Fragen hinweg. Der Fußball fungiere als eine gemeinsame Sprache, die soziale Kontakte ermöglicht. In ihrem Heimatverein Askania Köpenick erfahre sie seit langer Zeit eine feste Gemeinschaft, die sie mit den Begriffen Familie und Freundschaft verbindet. Für das anstehende Spiel formuliert sie die Erwartung, dass es eine Begegnung auf Augenhöhe werde und der gemeinsame Spaß im Vordergrund stehe, während das reine Gewinnen nachrangig sei.

Das Frauenteam aus Deutschland, die gegen die vatikanische Frauenmannschaft spielen wird.
Das Frauenteam aus Deutschland, die gegen die vatikanische Frauenmannschaft spielen wird.

Blick auf das internationale Fussballgeschehen

Die bevorstehende Weltmeisterschaft im Männerfußball bildet einen weiteren Bezugspunkt für die Sportler beider Länder, da Italien die Qualifikation verfehlt hat und der Vatikan ohnehin nicht am regulären FIFA-Spielbetrieb teilnimmt. Gaedke verweist auf die zurückliegenden Turniere und stellt fest, dass Italien nach dem Jahr 2014 zum dritten Mal nicht vertreten ist, während Deutschland nach dem Titelgewinn 2014 in den Jahren 2018 und 2022 jeweils in der Vorrunde ausschied. Ein Erreichen des Halbfinales durch die deutsche Nationalmannschaft wird von ihm als Erfolg eingestuft. Zakrzewski äußert ebenfalls die Absicht, das Turnier im Kreis von Vereinskollegen und Freunden zu verfolgen, und verbindet damit die Hoffnung auf einen Turniersieg der deutschen Auswahl.

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

05. Juni 2026, 11:36