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Canal Grande in Venedig Canal Grande in Venedig  (ANSA)

Vatikan gibt Künstler für Biennale-Pavillon bekannt

Im Zeichen der Entschleunigung und der Kontemplation steht der Kunstpavillon des Heiligen Stuhles bei der 61. Kunst-Biennale von Venedig, die am 9. Mai startet. Das Dikasterium für Kultur und Bildung gab an diesem Dienstag die Kunstschaffenden bekannt, die mitwirken.

Unter dem Titel „Das Ohr ist das Auge der Seele“ wirken bei der diesjährigen Biennale im Rahmen des Vatikanpavillons 24 internationale Künstlerinnen und Künstler mit, die an zwei Standorten ausstellen: im antiken „Giardino Mistico“ von Venedig, einer versteckten Grünanlage innerhalb eines Klosters aus dem 17. Jahrhundert, und im Complesso di Santa Maria Ausiliatrice im Stadtteil Castello.

Leise Töne, Entschleunigung, Kontemplation

Überthemas der Biennale ist „In Minor Keys“, was auf das Tongeschlecht Moll verweist, es geht um leise Töne und gedrosseltes Tempo. Der Vatikanbeitrag reagiert darauf: so nehme die Ausstellung die Form eines „Klanggebetes“ an und lade zur Kontemplation und zum Zuhören ein, heißt es in der Vatikanmitteilung. Inspiration dafür sind Leben und Vermächtnis der mittelalterlichen Äbtissin, Dichterin, Heilerin, Komponistin und Heiligen Hildegard von Bingen (1098–1179).

Im Giardino Mistico, der von der Gemeinschaft der Unbeschuhten Karmeliten gepflegt wird, zeigt der erste Teil des Pavillons in Zusammenarbeit mit dem Soundwalk Collective neue Klangwerke von 20 zeitgenössischen Komponisten, Musikern, Dichtern und Künstlern. Sie haben in ihren Werken Gesänge, Schriften und visionäre Bilder Hildegard von Bingens durch Stimme, Instrumente und auch Stille verarbeitet. Hildegard von Bingen wurde 2012 von Papst Benedikt XVI. offiziell zur Heiligen und Kirchenlehrerin erklärt.

Letztes Werk von Alexander von Kluge

Am zweiten Standort des Pavillons, dem Komplex Santa Maria Ausiliatrice in Castello, ist das letzte Werk des deutschen Autors und Filmemachers Alexander von Kluge (1932-2026) zu besichtigen, der vor wenigen Tagen verstarb: eine monumentale Installation aus Filmen und Bildern, die sich über zwölf Stationen und drei Räume erstreckt. Kluge ist auch der Urheber des Titels des Pavillons: „Das Ohr ist das Auge der Seele“.

Der Komplex Santa Maria Ausiliatrice enthält zudem eine mehrsprachige Bibliothek mit Texten von Hildegard, Künstlerbücher von Ilda David’ und ein neues architektonisches Klosterprojekt von Tatiana Bilbao Estudio. Der Ort werde zu einem „zeitgenössischen Skriptorium“ mit einem „lebendigen Archiv“, das auch eine Klangliturgie der Nonnen der Abtei Eibingen enthalte, so das Dikasterium für Kultur und Bildung.

Kuratoren des Pavillons sind Hans Ulrich Obrist und Ben Vickers. Teilnehmende Künstler sind: Alexander Kluge (+), die Ordensfrauen der Benediktiner-Abtei der Heiligen Hildegard in Eibingen, Bhanu Kapil, Brian Eno, Carminho, Caterina Barbieri, Devonté Hynes, FKA Twigs, Holly Herndon & Mat Dryhurst, Ilda David’, Jim Jarmusch, Kali Malone, Kazu Makino, Laraaji, Meredith Monk, Moor Mother, Otobong Nkanga, Patti Smith, Precious Okoyomon, Raúl Zurita, Soundwalk Collective, Suzanne Ciani, Tatiana Bilbao, Terry Riley.

Kunst öffnet Blick fürs Mögliche

„Algorithmen wiederholen das, was funktioniert, Kunst öffnet den Blick fürs Neue und Mögliche.“

In der Pressemitteilung verweist das Dikasterium mit einem Gedanken von Papst Leo auf die Besonderheit von Kunst in Abgrenzung zu den im Digitalen heute immer stärker genutzten Rechenvorgängen der Algorithmen. „Die Logik des Algorithmus neigt dazu, das zu wiederholen, was ‚funktioniert‘, aber die Kunst öffnet den Blick für das, was möglich ist. Nicht alles muss unmittelbar oder vorhersehbar sein“, sagte der US-Amerikaner bei einer Begegnung mit der Welt des Kinos im November (15.11.2025).

 

(vatican news – pr)
 

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14. April 2026, 14:46