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Hier werden die Friedensbotschafter des Heiligen Stuhles ausgebildet: die Päpstliche Diplomatenakademie Hier werden die Friedensbotschafter des Heiligen Stuhles ausgebildet: die Päpstliche Diplomatenakademie 

Päpstliche Diplomatenakademie: Frieden für konfliktreiche Welt

Anlässlich des 325. Gründungsjubiläums der Päpstlichen Diplomatenakademie findet an diesem Samstag im Apostolischen Palast eine Konferenz mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin statt. Im Interview mit Vatican News hebt der Präsident der Vatikaneinrichtung die Friedensmission der Akademie hervor und erläutert diplomatische Aktivitäten und die Rolle der Nuntiaturen.

Salvatore Cernuzio – Vatikanstadt

„Brücken des Friedens und der Gerechtigkeit bauen, authentische Beziehungen wiederherstellen und eine Zivilisation fördern, die auf Liebe und Achtung der Würde jedes Menschen basiert“. So fasst Salvatore Pennacchio, Präsident der Päpstlichen Diplomatenakademie „Pontificia Accademia Ecclesiastica“ (PAE) Auftrag und Diplomatie des Heiligen Stuhls angesichts der neuen und vielfältigen Herausforderungen in der Welt zusammen.

 

Interview

 

Monsignore Pennacchio, wie sieht die diplomatische Tätigkeit des Heiligen Stuhls angesichts der neuen und vielfältigen Herausforderungen der heutigen Welt aus?

Der diplomatische Dienst des Heiligen Stuhls ist ein Dienst der Gemeinschaft, der seine Kraft aus Christus und dem Evangelium schöpft und sich in konkreter Nähe, aufmerksamem Zuhören und ständigem Dialog ausdrückt. In einer Welt, die heute von Konflikten, geopolitischen Umwälzungen, kulturellen Veränderungen und Umweltveränderungen geprägt ist, ist die vatikanische Diplomatie täglich mit einer zunehmend globalisierten und vernetzten Realität konfrontiert. Ihre Aufgabe ist es, auf ein dringendes Bedürfnis zu reagieren: Brücken des Friedens und der Gerechtigkeit zu bauen, authentische Beziehungen wiederherzustellen und eine Zivilisation zu fördern, die auf Liebe und Achtung der Würde jedes Menschen gründet. Für diejenigen, die mit dem Nachfolger Petri zusammenarbeiten, ist es von grundlegender Bedeutung, einen aufmerksamen, weitsichtigen und handlungsorientierten Blick zu entwickeln, der in der Lage ist, auf die Stimme Gottes zu hören und sie in konkrete Taten umzusetzen, insbesondere im Dienst der Letzten.

„Brücken des Friedens und der Gerechtigkeit bauen“

Welchen Wert hat in dieser von Konflikten geprägten Zeit die flächendeckende Präsenz des Netzwerks der Apostolischen Nuntiaturen auf den fünf Kontinenten?

Die Präsenz der Apostolischen Nuntiaturen in den verschiedenen Regionen der Welt, von denen einige so stark von Konflikten und Spaltungen geprägt sind, ist ein konkreter Ausdruck der ständigen Aufmerksamkeit des Papstes für die Weltkirche und die Teilkirchen und macht eine Fürsorge sichtbar, die nicht aus der Ferne erfolgt, sondern in den realen Kontexten, in denen die Völker leben, verwurzelt ist. Der diplomatische Dienst ist, wie Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Rahmen des Jubiläumsjahres der Päpstlichen Diplomatenakademie hervorgehoben hat, ein lebendiger Teil des Petrusdienstes, durch den der Papst eine Nähe ausübt, die alle erreicht und das Antlitz einer Kirche bezeugt, die eine aufmerksame und barmherzige Mutter ist. Die Aufgabe der päpstlichen Vertreter besteht daher darin, ein direktes und kontinuierliches Zuhören gegenüber den lokalen Gegebenheiten zu festigen, das es dem Heiligen Stuhl ermöglicht, eine Rolle der diskreten und geduldigen Vermittlung zu übernehmen und sein Handeln auf Frieden, Dialog und Achtung der Würde des Menschen auszurichten.

„eine Rolle der diskreten und geduldigen Vermittlung“

Im April 2025 hat Papst Franziskus die Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie, gemeinhin als „Schule der Nuntien” bezeichnet, aktualisiert. Wie hat diese Reform die Ausbildung der zukünftigen päpstlichen Vertreter verändert? Welche Hilfe, welche neuen Impulse hat das gebracht?

Mit dem Chirograph ,Il Ministero Petrino' hat Papst Franziskus die Akademie als Institut für höhere Ausbildung in diplomatischen Wissenschaften strukturiert und sie an die Vision der Apostolischen Konstitution ,Veritatis Gaudium' und an die internationalen Standards des Hochschulstudiums angepasst. Mit Beginn des akademischen Jahres 2025-2026 wurde bereits mit der Umsetzung der Reform begonnen, die neuen Studierenden den Zugang zu Ausbildungsgängen ermöglicht, die darauf ausgerichtet sind, die notwendige kanonische Ausbildung und die diplomatischen Wissenschaften mit der Geschichte der internationalen Beziehungen, dem diplomatischen Stil, dem internationalen Recht und der internationalen Praxis und nicht zuletzt dem Studium der modernen Sprachen zu verbinden. Die Erneuerung beschränkt sich jedoch nicht auf einen rein technischen Ansatz, der ausschließlich auf den Erwerb theoretischer Kenntnisse abzielt, sondern zeichnet einen umfassenden und komplexen Weg vor, der die ganzheitliche Ausbildung der Akademiker fördert.

Gründung der Akademie im Jahr 1701

 

Die Päpstliche Akademie hat eine jahrhundertelange Geschichte. Wie hat sie es geschafft, Veränderungen und Zeiten des Wandels zu überstehen?

Das Jubiläumsjahr, das die Päpstliche Akademie in diesem Jahr feiert, ist vor allem eine Gelegenheit, Gott für den Weg zu danken, den sie 1701 auf Wunsch von Papst Clemens XI. begonnen hat. Dieses bedeutende Jubiläum ist nicht nur ein Anlass, um die Ereignisse der Vergangenheit zu feiern, sondern auch eine Gelegenheit, die der zentralen Leitung der Kirche eigene Haltung des semper reformanda zu verkörpern, indem die Ausbildung der Priester, die für den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls bestimmt sind, angepasst und aktualisiert wird. Das Jubiläum markiert nicht nur einen wichtigen zeitlichen Meilenstein, sondern lädt jeden von uns zu einer erneuerten Hingabe der Akademie an ihre Mission ein. Wir erleben eine Zeit der Erinnerung und der Dankbarkeit, die einerseits die Institution bestärkt und unterstützt, andererseits aber auch dazu anspornt, sich mit den Neuerungen unserer Zeit auseinanderzusetzen.

Wir glauben, dass die Stärke der Akademie bei der Begleitung künftiger Diplomaten durch die Veränderungen unserer Zeit gerade in ihrer Treue zum Evangelium liegt. Durch diese Treue kann die Institution dem Papst und der Kirche dienen und stets aktuelle Instrumente finden, um die Geschichte mit den Augen des Glaubens zu lesen und zu interpretieren.

„Wie der Papst betonte, ist die vatikanische Diplomatie nicht nur eine Technik, sondern entspringt dem Evangelium, das sie inspiriert, leitet und stützt.“

Anlässlich des Jubiläums der festangestellten Mitarbeiter der päpstlichen Vertretungen gab Papst Leo XIV. wertvolle Hinweise für den diplomatischen Dienst und forderte dazu auf, auch in Konfliktsituationen und in Zeiten des Unfriedens Hoffnung zu verbreiten. Wie ist das möglich?

Während des Treffens verwies Papst Leo XIV. auf die dringende Notwendigkeit des Friedens, nicht nur für die Kirche, sondern für die ganze Welt. Für die Diplomaten des Heiligen Stuhls hat dieses Engagement seine Wurzeln in der Tugend der Hoffnung, in der Überzeugung, dass Frieden vor allem als Gabe Gottes entsteht. Es ist Aufgabe des päpstlichen Vertreters, diese Hoffnung im Lichte Christi zu nähren, mit einem spirituellen Leben, das auf dem täglichen Hören auf das Wort Gottes und auf dem Gebet gründet. Wie der Papst betonte, ist die vatikanische Diplomatie nicht nur eine Technik, sondern entspringt dem Evangelium, das sie inspiriert, leitet und stützt. Auch in Konfliktsituationen oder dort, wo es schwieriger ist, Brücken des Friedens zu bauen, ist der Diplomat aufgerufen, die Liebe des Vaters zu bezeugen, indem er den Leidenden Nähe entgegenbringt und den Ärmsten und Ausgestoßenen der Gesellschaft Aufmerksamkeit schenkt. Wie der heilige Paul VI. sagte, ist dies „ein einzigartiger und privilegierter Dienst, oft im Verborgenen und unbekannt“, der auch in den schwierigsten Situationen Samen der Hoffnung keimen lässt.

(vatican news - pr)

 

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17. Januar 2026, 11:07