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Arbeitssitzung im Konsistorium: Methodik war an die jüngste Synode angelehnt Arbeitssitzung im Konsistorium: Methodik war an die jüngste Synode angelehnt  (@VATICAN MEDIA)

Kardinal Német: „Gehe nach Konsistorium motivierter nach Hause“

Ein durchweg positives Fazit zieht Kardinal Ladislav Német nach dem ersten außerordentlichen Konsistorium von Papst Leo. Das zweitägige Treffen des Kardinalskollegiums in Rom sei von einer offenen, freudigen und konstruktiven Arbeitsatmosphäre geprägt gewesen, berichtet er anschließend im Gespräch mit uns. Er kündigte auch ein gesamteuropäisches Treffen in Linz im kommenden September zur konkreten Umsetzung des Abschlussdokumentes der jüngsten Synode zur Synodalität an.

Christine Seuss - Vatikanstadt

Insbesondere hob Német in unserem Gespräch die persönliche Präsenz des Papstes hervor: Leo habe an allen Sitzungen teilgenommen, aufmerksam zugehört, mitgeschrieben und damit deutlich gemacht, dass er die Beratung der Kardinäle ernst nimmt. Nicht nur dies sei gut aufgenommen worden, sondern auch die Tatsache, dass er die Anregung aus dem Vorkonklave aufgegriffen hatte, wonach es mehr persönliche Treffen der Kardinäle mit dem Papst geben solle. In diesem Zusammenhang seien die Kardinäle auch dankbar für die Ankündigung eines baldigen zweiten außerordentlichen Konsistoriums in Rom, im Umfeld der Feiern von Peter und Paul am 29. Juni.

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Ein Blick hinter die Kulissen mit Kardinal Ladislav Német
Unser Gesprächspartner Kardinal Nemet (3. v.l.) gemeinsam mit den anderen Kardinälen der Sprachgruppe 9 (italienisch)
Unser Gesprächspartner Kardinal Nemet (3. v.l.) gemeinsam mit den anderen Kardinälen der Sprachgruppe 9 (italienisch)

Ein geistlicher Höhepunkt war für viele Teilnehmer eine frühmorgendliche Messe im Petersdom, der exklusiv für das Konsistorium reserviert war. Die Stille der sonst überfüllten Basilika, die gregorianische Musik und eine gezielt an die Kardinäle gerichtete Predigt des Papstes hätten dem Treffen eine besondere Tiefe verliehen. Auch informelle Momente – etwa ein gemeinsames „exzellentes“ Mittagessen auf Einladung des Papstes – trugen laut Német zu einer guten Atmosphäre bei.

Die Messe im Petersdom
Die Messe im Petersdom   (@Vatican Media)

Synodalität von 75 Prozent der Kardinäle gewählt

Inhaltlich standen vier Themen auf der Agenda, von denen aus Zeitgründen nur zwei vertieft diskutiert wurden: Synodalität und Evangelii gaudium. Papst Leo habe diese beiden durch die Kardinäle gewählten Schwerpunkte klar als Leitlinien für die kommenden Jahre benannt. Insbesondere die Synodalität wurde von 75 Prozent der Kardinäle als Schwerpunktthema identifiziert, was die Bedeutung des Themas für die Weltkirche unterstreiche. Diese müsse nun mit Blick auf die für 2028 geplante kirchliche Vollversammlung in Rom weiterentwickelt werden, welche an Stelle einer klassischen Bischofssynode noch durch Papst Franziskus einberufen und durch seinen Nachfolger bestätigt wurde. Nun seien Kirchenrechtler und Bischöfe gefragt, die genaue Ausgestaltung zu klären.

"Blick durchs Schlüsselloch" auf die Arbeiten im Konsistorium
"Blick durchs Schlüsselloch" auf die Arbeiten im Konsistorium   (@VATICAN MEDIA)

Papst möchte hören, was die Ortskirchen zu sagen haben

Die Methodik der Beratungen, die bei diesem Konsistorium mit ihren 20 linguistischen Arbeitsgruppen an der Arbeitsweise der jüngsten Synode orientiert war, würdigte der Erzbischof von Belgrad am Rand unseres Gesprächs besonders. Die Kardinäle waren dabei an den Tischen auch nach Zuständigkeiten aufgeteilt: Kurienmitglieder und „Nicht-Wähler“ waren gemeinsam an einem Teil der Tische platziert, während die in den Ortskirchen aktiv tätigen Kardinäle an den anderen Tischen zusammensaßen. Die Tatsache, dass Papst Leo insbesondere die Beratungsergebnisse der Kardinäle in den Ortskirchen hören wollte, zeige, dass es ihm jetzt vor allem darauf ankomme, ein Stimmungsbild aus der „Peripherie“ einzuholen.

Die beiden weiteren Themen – Liturgie sowie Praedicate evangelium (die Reform der Römischen Kurie) – seien in Form von Grundsatzpapieren zugänglich gemacht worden und sollen in kommenden Konsistorien weiter beraten werden, unterstreicht Nemet. Papst Leo habe in diesem Zusammenhang allerdings auch ohne eigene Beratung über das Thema deutlich gemacht, dass die Kurie nicht zwischen Papst und Bischöfen stehe, sondern beiden diene, und dass die Rolle der Bischofskonferenzen gestärkt werden solle.

Beratungen im Plenum und in Arbeitsfruppen
Beratungen im Plenum und in Arbeitsfruppen   (@Vatican Media)

Kontinuität zum II. Vatikanischen Konzil

Als besonders bemerkenswert wertet Német, dass Papst Leo bewusst an zentrale Dokumente seines Vorgängers Franziskus anknüpft und sie zur gemeinsamen Beratung stellt. Dies unterstreiche die Kontinuität mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, dessen bleibende Bedeutung für die Kirche der Papst ausdrücklich betone. Synodalität und die Betonung auf die missionarische Ausrichtung der Kirche, die beiden zentralen Themen auch der aktuellen Kardinalsversammlung, seien direkte und bleibende Früchte dieses Konzils.

Im Kardinalskollegium sei der starke Akzent des Papstes auf Einheit und Liebe insgesamt positiv aufgenommen worden. Trotz unterschiedlicher Prägungen und Führungsstile habe sich am Ende des Treffens eine spürbare Zufriedenheit breitgemacht. Német spricht von einem „neuen Wind“ für die Weltkirche, den die Kardinäle nun in ihre jeweiligen Ortskirchen tragen könnten.

Momente der Geselligkeit und des gegenseitigen Kennenlernens
Momente der Geselligkeit und des gegenseitigen Kennenlernens   (@Vatican Media)

Europäische Versammlung in Linz noch dieses Jahr

Mit Blick auf die Zukunft zeigt sich der Kardinal zuversichtlich. Er gehe deutlich bestärkt aus den Beratungen und sei noch stärker motiviert, die Synodalität in seinem Zuständigkeitsbereich weiter zu entwickeln. In diesem Zusammenhang kündigte er für den deutschen Sprachraum auch eine gesamteuropäische Versammlung an, die im kommenden September im österreichischen Linz stattfinden soll. Das genaue Programm für das große Treffen, das er als wichtigen Schritt auf dem Weg der Realisierung des Abschlussdokuments der Synode in Europa wertet, werde im Februar bekannt gegeben werden, verriet er uns. Mit Blick auf die Kirchliche Versammlung 2028 habe er sich im Kardinalskollegium besonders dafür stark gemacht, dass auch die Ergebnisse der noch durch Papst Franziskus eingerichteten Studiengruppen der letzten Synode bald veröffentlicht und somit ebenfalls in den weltweiten Vorbereitungsprozess für 2028 integriert werden könnten.

Persönlich wünscht er Papst Leo, dass dieser sich seine Freude am Amt, seinen Humor und seine dynamische Art bewahrt – Eigenschaften, die Német als ermutigendes Zeichen nach Jahren vor allem älterer Päpste hervorhebt.

(vatican news)

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10. Januar 2026, 16:49