Papst beim Konsistorium: „Synodalität ist keine Organisationstechnik“
Mario Galgano - Vatikanstadt
Zwei Tage lang berieten die anwesenden Kardinäle aus aller Welt hinter verschlossenen Türen über die Implementierung der Synodalität und die Reform der Römischen Kurie. Nachdem die Beratungen am Donnerstagabend in privatem Rahmen endeten, veröffentlichte das Presseamt des Heiligen Stuhls den vollständigen Wortlaut der päpstlichen Schlussworte an diesem Samstagmorgen. Leo XIV. kündigte darin an, dass dieser neue Stil der kollegialen Beratung verstetigt werden soll – das nächste Treffen ist rund um die Tage des römischen Patronatsfestes von Peter und Paul im Juni dieses Jahres angesetzt.
Synodalität als geistliches Werkzeug
Leo XIV. stellte klar, dass der synodale Prozess, den die Kirche derzeit beschreitet, weit über bürokratische Strukturen hinausgehe. „Wir haben eine Erfahrung von Synodalität gemacht, die nicht als Organisationstechnik gelebt wurde, sondern als Instrument, um im Zuhören und in den Beziehungen zu wachsen“, so der Papst. Er ermutigte die Kardinäle, das Zweite Vatikanische Konzil weiterhin als „Kompass“ zu nutzen. Dieser Weg der Erneuerung sei ein „lebendiger Prozess der Bekehrung“.
Offene Worte zur Missbrauchskrise
Obwohl es kein expliziter Schwerpunkt der Tagesordnung war, griff der Papst ein Thema auf, das er als „offene Wunde im Leben der Kirche“ bezeichnete: die Krise des sexuellen Missbrauchs. In einer Passage mahnte er die Kardinäle, die Opfer niemals abzuweisen. „Oft war der Schmerz der Opfer deshalb stärker, weil sie nicht aufgenommen und angehört wurden“, klagte der Pontifex laut dem nun veröffentlichten Text. Der Skandal in der Kirche entstehe oft dann, wenn „die Tür geschlossen bleibt“. Zuhören sei hier eine fundamentale geistliche Pflicht der Hirten.
Reform der Kurie und Ausblick auf 2028
Ein weiteres zentrales Thema war die Umsetzung der Kurienreform Praedicate Evangelium. Der Papst bekräftigte sein Engagement, die vatikanischen Behörden so umzugestalten, dass sie den Ortskirchen wirksam dienen können, anstatt sie zu bevormunden. Er verwies zudem auf die nächste große Etappe des synodalen Weges: die für das Jahr 2028 geplante große Kirchenversammlung.
Abschließend schlug Leo XIV. die Brücke zum gerade beendeten Heiligen Jahr. Auch wenn die Heilige Pforte nun geschlossen sei, bleibe die „Tür der Liebe Christi“ für alle Menschen, insbesondere für die Leidenden in den Kriegsgebieten der Welt, stets weit offen.
(vatican news)
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